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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Informator - Ingelfingen
Mäßigkeit der Wahl festzustellen. Derselbe wird in
Österreich und Bayern durch die dortigen Nuntien,
in Preußen durch einen preuß. Erzbischof, in Han-
nover und der oberrhein. Kirchenprovinz durch einen
Bischof oder Dignitar des Landes geführt und die
Akten nach Rom geschickt. Dort erfolgt dann eine
nochmalige Prüfung der letztern (proe688u8 äeüui-
-tivug) und daraufhin die Konfirmation durch den
Papst, endlich die Präkonisation des Kandidaten in
einem Konsistorium. Der Papst kann von dem I.
absehen. - Vgl. Lutterbeck, Der I. <1850).
Informator (lat.), Lehrer, besonders Haus-
lehrer; doch auch soviel wie Berichterstatter.
Informieren (lat.), in Kenntnis setzen, unter-
richten, stellendes.
Informität (lat.), Nnförmlichkeit, etwas Ent-
In toro (lat.), auf dem Forum, d. h. vor Gericht.
Infraktion (lat.), das Brechen, übertreten
(eines Vertrags, Bündnisses, Gesetzes u. s. w.);
Einknickung, unvollständiger Bruch eines Knochens.
(S. Knochenbrüche.)
Infralapsarler (neulat.), s. Prädestination.
I" lra.uäslu (le^is) (lat.), zur Hintergehung
(des Gesetzes).
Inful (lat. inMa. oder auch vitt^), bei den Rö-
mern die weißwollene Stirnbinde, mit der Priester,
Vestalinnen und Opfernde das Haupt turbanartig
umwanden. Anfangs ein Zeichen der Demut, wurde
die I. später Zeichen der Heiligkeit und Nnverletz-
lichkeit. Opfertiere und Altäre wurden mit ihr be-
hängt, auch Schutzflehende und Friedensgesandte
legten sie an. In späterer Zeit diente sie den kaiserl.
Statthaltern zur Bezeichnung ihrer Würde. Ob sie
von der heidn. Sitte oder aus dem alttestament-
lichen Priestertum (2 Mof. 28, 40; 29,9 und sonst)
in die Kirche gekommen ist, läßt sich nicht entscheiden.
Jedenfalls ist ihr Gebrauch nicht vor dem 10. Jahrh,
nachweisbar. Die I. ist die feierliche Kopfbedeckung
der Bischöfe (Bischofsmütze) und heißt als solche
gewöhnlich Mitra. Sie besteht aus zwei stachen,
hohen, oben spitz zulaufenden Deckeln von Blech
oder Pappe, die mit seidenem Zeug von der Grund-
farbe des Meßgewandes überzogen, meist reich ge-
stickt und häufig mit Gold und Edelsteinen besetzt
sind. Die beiden Spitzen oder Hörner sollen die
beiden Testamente symbolisieren. Die nach vorn
zu stehende Seite ist mit dem Kreuze geziert, ebenso
wie die hinten herabhängenden zwei Bänder (iu-
/ulas), die noch an die römische I. erinnern. Aus-
nahmsweise kann der Papst auch Abte und Pröpste
infulieren, d.h. ihnen das Tragen einer Bischofs-
mütze gestatten (daher InfulierteAbteu. s. w.).
Auch wird die Bischofsmütze von denen, die zum
Tragen derfelben berechtigt sind, im Wappen ge-
sührt. - Vgl. Bock, Geschichte der liturgischen Ge-
wänder (3 Bde., Bonn 1859-71).
In tnii Ärsss (engl.), in vollem Staate, in Gala.
Infusion, Inku8uiü (lat.), Aufguß, in der
pharmaceutischen Technik wässerige Auszüge solcher
Pflanzen, in denen flüchtige Stoffe enthalten sind;
sie werden nach dem Arzneibuch für das Deutsche
Neich in der Weise bereitet, daß die zerkleinerten
Pflanzenteile mit heißem Wasser übergössen, fünf
Minuten den Dämpfen des siedenden Nasserbades
ausgesetzt und dann nach dem Erkalten die Flüssig-
leit durch Abseihen getrennt wird. Alle I. sollen
nur für den augenblicklichen Bedarf angefertigt wer-
den, da sie sehr dem Verderben durch Gärung und
Schimmelbildung ausgesetzt sind. Sie wurden in
früherer Zeit weit mehr verwandt als jetzt. Wenn
eine besondere Menge der anzuwendenden Substanz
nicht vorgeschrieben ist, so ist 1 Teil derselben aus
W Teile Aufguß zu nehmen. Bei stark wirkenden
Stoffen muß der Arzt die Menge der Substanz vor-
schreiben. Offizinell ist nur noch ein Infusum, das
1ulu8uiu 86UN3.6 C0iup08iwni (s. Wiener Trank).
Infusionstierchen, s. Aufgußtierchen.
Infusionsverfahren, in der Bierbrauerei ein
Maischverfahren, f. Bier und Vierbrauerei (Bd. 2,
Infusodekokt, s. Dekokt. ^S. 995 a).
Infusorlen, s. Aufgußtierchen.
Infusorienerde, f. Kiefelgur. .
Intnsuin, f. Infusion. -
In tntnrum (lat.), für die Zukunft.
InFa.nno (ital.), Betrug; por W^nno, betrüg-
licherweife.
Ingävönen (Ingväonen, in german. Form
Ingwiaiwen), eine der großen Gruppen und Kul-
tusverbände, in welche die german. Stämme seit äl-
tester Zeit zerfallen. Bereits der griech. Forschungs-
reisende Pytheas kannte sie im 4. Jahrh. v. Chr. an
der deutschen Nordseeküste. Zu ihrem Bunde ge-
hörten die Stämme der Friesen, Sachsen, Juten und
Angeln, welche die Küste von ^der Iuidersee bis
nach Dänemark hin bewohnten. Die Angeln und
Juten und ein großer Teil der Sachsen (besonders
aus Holstein), die im 1. Jahrh. n. Chr. einen engern
Kultusverband bildeten (s. Nerthus), zogen im 5. und
C". Jahrh, nach England und bildeten alsbald ein
Volk für sich, die Angelsachsen. Die in Deutsch-
land zurückbleibenden Sachsen eroberten Westfalen
und die Altmark und bildeten, sich mit den unter-
worfenen frank, und thüring. Stämmen vermischend,
gleichfalls ein Volk für sich, das aber mit der Unter-
werfung durch Karl d. Gr. zu einem Stamme deut-
scher Nationalität erwuchs, denNiederdeutschen.
Die Friesen (s. d.) haben zum Teil bis auf den
heutigen Tag ihre Eigenart gegenüber den Deut-
schen bewahrt.
Ingder, Drogue, f. Ingwer. , ^
Ingbert, Sankt, s. Sankt Ingbert.
Ingeborg, Königin von Frankreich, geb. 1176,
war die Tochter Waldemars I. von Dänemark und
seit Aug. 1193 mit Philipp II. August von Frank-
reich verheiratet. Dieser ließ sich aber bereits Nov.
1193 mit Zustimmung seiner Bischöfe von ihr schei-
den und führte, obwohl I. an den Papst appellierte,
1196 Agnes (s. d.) von Meran heim. Innocenz III.
setzte es zwar durch, daß Philipp nach dem Tode
der Agnes 1201 I. wieder annahm, konnte abcr
nicht verhindern, daß er sie bald wiederum verstieß.
Der Papst belegte Frankreich deswegen mit dem
Interdikt, mochte aber aus polit. Gründen nicht
allzu scharf gegen den mächtigen König vorgehen.
Der ärgerliche Handel, bei dem die Sympathien des
franz. Volks für die unglückliche I. waren, wurde
erst 1213 beigelegt, als Philipp in seinem Kampfe
mit England sich des Rechts feiner dän. Gemahlin
auf dieses Land bedienen und jeden Zwist mit dem
Papste, wie auch die Unzufriedenheit im eigenen
Lande befeitigen wollte. So nahm er formell I.
wieder als Gemahlin und Königin an. I. starb
kinderlos in Corbeil 1236. - Vgl. DavMhn,
Philipp II. von Frankreich und I. (Stuttg. 1888).
Ingelftngen, Stadt im Oberamt Künzelsau
des württemb. Iagstkreises, 3 km im NW. von
Künzelsau, an dem zum Neckar gehenden Kocher,
hat (1890) 1351 E., Post, Telegraph, ein altes und