Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

614
Innerer Sinn - Innocenz
1891 fg.); Behm, Die I. M., eine kirchliche Refonn-
bewegung des 19. Jahrh. (Gütersloh 1892).
Innerer Sinn, s. Sinn.
Inneres Licht (lat. Inmeu intei-uum) oder In-
neres Wort (lat. V6rdnm intoi-num), Bezeich-
nung der innern Offenbarung göttlicher Wahrheiten
und Willenskundgebungen, die Mystiker und schwär- ^
merische Parteien ohne jede Vermittelung der ge-
schichtlichen Offenbarung in der Heiligen Schrift (dem
"äußern Wort") empfangen zu haben glaubten.
Innerösterreich hießen früher die österr. Län-
der Steiermark, Kärnten, Kram, Trieft, Görz und
Gradisca, im Gegensatz zu Vorderösterreich (Vreis-
gau) und Böhmen.
Innerrhoden, f. Appenzell.
Innerste, der größte Nebenfluß der Leine, ent-
steht aus dem Zusammenstuß mehrerer Bäche bei
Clausthal im Harz und mündet von rechts nach
einem Lauf von 75 km unterhalb Sarstedt. An
Nebenflüssen erhält sie die Nette und Alme von links,
den Bruchgraben von rechts.
Innervation (neulat.), Einfluß der Nerven auf
die Verrichtungen des Körpers und feiner Organe.
Inneß, George, amcrik. Landschaftsmaler, geb.
I.Mai 1825 in Newburg (Neuyork), lernte bei
einem Kartographen in Neuyork, dann bei dem
dort lebenden franz.Maler Gignour, fpä'ter in Italien
und in Paris bei Corot, kehrte 1860 nach Amerika
urück, wo er als ein entfchiedener Vertreter der
ranz. Landschaftsmalern wefentlich mit zur Umge-
taltung der Kunst in den Vereinigten Staaten bei-
trug. I. lebt in Montclair (Neujerfey). Von feinen
Gemälden find zu nennen: Sonnenuntergang, Thal
des Todesschattens, Herbstmorgen, Fichtenwald der
Villa Barberini, Sommernachmittag, Triumph des
Lichts, Sonnenaufgang (1892 angekauft für die
Neue Pinakothek in München), Wintermorgen.
Innichen, Marktflecken im Gerichtsbezirk Sil-
lian der österr. Bezirkshauptmannschaft Lienz in
Tirol, unweit des Urfprungs der Dräu, in fchöner
Lage an der Mündung des Sextenthals in das
Pusterthal, in 1166 m Höhe, an der Linie Villach-
Franzensfeste der Österr. Südbahn, im Angesicht
großartiger Dolomiten (Dreischusterspitz 3160 m,
Neunerkofel 2594 m, Zwölferkofel 3095 m), hat
(1890) 984 E., Post, Telegraph, roman. Stifts-
kirche (13. Jahrh.) mit uraltem fchönen Portal und
Crucifix, eine Kapelle (17. Jahrh.), Nachahmung
der heil. Grabeskapelle in Ierufalem und Vorbild
ftr das Maufoleum des Kaifers Friedrich 111. in
Potsdam, und Franziskanerkloster. I. ist viel-
befuchte Sommerfrifche. Der Ort steht an Stelle des
berühmten, von den Wenden 610 zerstörten röm.
Aguntum. 3km entfernt mitten im Tannenwalde
das vielbefuchte Wild bad I. (1332 m) mit
Schwefel- und Stahlquelle und neuer Badeanstalt.
Innkreis, f. Inn (Fluß).
Innöcenz (lat. Innoe6utiu8, d. h. Der Unfchul-
dige), Name von 13 Päpsten:
I. I., der Heilige (402-417), aus Albano, war
bemüht, die Macht des röm. Stuhles auszudehnen.
In dem Streite zwischen Augustinus und Pelagius
verdammte er den Pelagiamsmus (s. Pclagianer);
dagegen nahm er sich des heil. Chrysostomus (s. d.)
an. Umsonst versuchte er 410 den Gotentönig Ala-
rich I. (s. d.) von der Plünderung Roms abzuhalten.
Tag: 28. Juli. Seine Briefe gab deutfch Wenz-
lowfky ("Briefe der Päpste", Bd. 3, in der "Biblio-
thek der Kirchenväter", Kempt. 1877) heraus.
I.II. (1130-43),vorher Gregor Papareschi,
aus edlem Geschlecht, feit 1118 Kardinaldiakon,
päpstl. Unterhändler beim Wormfer Konkordat,
muhte im Kampfe geaen den von den röm. Adels-
gefchlechtern und Noger von Sicilien unterstützten
Gegenpapst Anakletus II. (s. d.) nach Frankreich
flüchten, fand aber namentlich durch den Einfluß
des heil. Bernhard in allen Landern außerhalb
Italiens Anerkennung, und der deutsche König Lo-
thar führte ihn 1133 mit Waffengewalt nach Rom.
I. krönte Lothar als Kaiser und belehnte ihn gegen
ein Jahrgeld mit den Gütern der Martczräsin
Mathilde (s. d.) von Tuscien, woraus dann die
kuriale Partei das Recht herleitete, den Kaiser als
einen Vasallen des Papstes zu betrachten. Im
gleichen Jahre mußte I. wieder nach Pisa fliehen,
und Lothar kam 1136 zum zweitenmal nach Italien.
Aber Anatletus behauptete sich, und nach seinem
Tode 1138 stellte die Gegenpartei Victor IV. auf,
der jedoch nach zwei Monaten zurücktrat. I. hielt
nun 1139 ein großes Laterankonzil, auf dem er die
Erlasse Anaklcts annullierte, Roger von Sicilien
bannte und über Peter von Vruys, Abälard und
Arnold von Brescia die Verdammung aussprach.
In dem von ihm perfönlich geführten Feldzuge
gegen Roger wurde er gefangen und konnte sich nur
durch verfchiedene Konzefsionen die Freiheit erkaufen.
Er starb 24. Sept. 1143.
I. (III.), vorher Landus von Sezza, vom röm.
Adel als vierter Gegenpapst 1179 gegen Alexan-
der III. aufgestellt, wurde von diefem 1180 gefangen
genommen und ins Kloster La Cava verbannt.
I. III. (1198-1216), vorher Lothar, Graf
von Segni, Sohn des Grafen Trasimund aus
dem alten Geschlecht der Conti in Anagni, geb.
1161, bildete sich zu Paris, Rom und Bologna, war
als Jurist wie als Theolog gleich tüchtig. Zuerst
Subdiakonus, wurde er früh Kardinal vn Nonv und
war einer der hervorragendsten Kirchenfürsten, durch
Verstand, Wissenschaft und Willenskraft wie durch
feinen streng sittlichen Lebenswandel gleich aus-
gezeichnet. Mehr als jedem andern Papste gelang
es ihm, feinen Anfpruch, der Stellvertreter Gottes
auf der ganzen Erde zu sein, in ganz Europa zur
Geltung zu bringen. In Italien und Deutschland
kam ihm hierzu die nach dem Tode Heinrichs VI.
eingetretene Schwächung der kaiserl. Macht zu
statten. Er benutzte die Gelegenheit, die Mark An-
cona, Tuscien und Spoleto für sich mit Befchlag zu
belegen; auch befreite er mit Hilfe eines tuscifchen
Städtebundes Italien von der Gewalt der Deut-
schen und galt als Hort der nationalen Unabhän-
gigkeit. In Unteritalien führte er die Herrfchaft
als Vormund des spätern Kaisers Friedrich II.
(s. d.). Schon 1298 gab die zwiespältige Kaiser-
wahl zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV.
I. Anlaß, sich in Deutschlands Angelegenheiten zu
mischen. Anfangs zurückhaltend, dann für Otto
sich erklärend, knüpfte er 1207, als Philipp immer
entschiedener die Oberhand gewann, mit diesem
Unterhandlungen an. Nach dessen Ermordung (1208)
söhnte sich Otto mit dem Papst aus und ward,
nachdem er weitgehende Konzessionen gemacht hatte,
1209 zu Rom als Kaiser gekrönt. Als er jedoch
ansing, seine taiserl. Ansprüche auf Italien geltend
zu mächen, fprach I. 1210 den Bann und die Ab-
fetzung über ibn aus und fandte als Gegenkönig
Friedrich II. nach Deutschland, der 1215 zu Aachen
gekrönt wurde und Otto auf feine Erblande be-