Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

729
Isouard - Israel
oder heterotrop; zu ihnen gehören alle krystallisierten Körper mit Ausnahme derjenigen des regulären Krystallsystems; ferner Hölzer, indem diese nach den Richtungen der Fasern eine größere Elasticität besitzen als in der Richtung der Markstrahlen und Jahresringe.
Isouard (spr. isuahr), Nicolo, auch Nicolo de Malte und kurzweg Nicolo oder Niccolo genannt, Opernkomponist, geb. 1775 auf der Insel Malta, bildete sich in der Musik, namentlich in Neapel unter Sala und Guglielmi aus. 1794 brachte er in Florenz seine erste Oper "L’avviso ai maritati" auf die Bühne, 1795 in Livorno den "Artaserse". Der Erfolg führte zu seiner Berufung in seine Heimat, Zuerst als Organist an der Kirche St. Johannes von Jerusalem in Lavalette, später als Kapellmeister des Malteserordens. Nach der Eroberung der Insel durch die Franzosen lebte er als Privatmann und komponierte verschiedene Opern, wie "Rinaldo d’Asti", "Il barbiere di Seviglia", "L’improvisata in campagna" u. s. w. 1799 wandte sich I. nach Paris. Obwohl er hier, durch R. Kreutzer unterstützt, bald Zugang zur Komischen Oper fand, gelang es ihm doch erst nach Jahren, namentlich mit den Opern "Michel Ange" (1802) und "Intrigue aux fenêtres" (1805), die Gunst des Publikums zu gewinnen. Er starb 23. März 1818 in Paris. Bis etwa 1811, in welchem Jahre Boieldieu aus Rußland zurückkehrte, war I. der Beherrscher der Opéra-Comique und leistete ihr die wichtigsten Dienste dadurch, daß er ital. Elemente des musikalischen Ausdrucks vertrat. Er schrieb gegen 50 Opern. Die höchste Stufe der Beliebtheit errang er durch "Cendrillon" ("Aschenbrödel", 1810), welche Oper I.s Ruhm auch im Auslande verbreitete. Musikalisch höher stehen die Opern "Jeannot et Colin" und besonders "Joconde" (beide 1814).
Isovaleriansäure, s. Valeriansäure.
Ispahân oder Isfahan, Stadt in der pers. Provinz Irak-Adschmi, liegt in einer schönen, wohlbewässerten Mulde des iran. Hochlandes, an dem Steppenflusse Sajende-Rud in 1695 m Höhe, in sehr gesundem Klima, das nur im Herbst Fieber bringt, an der Hauptkarawanenstraße des Landes, die von der Hauptstadt Teheran bis zur Südküste führt und von der hier Wege nach Jesd und Kerman, nach Tebbes und Herat abzweigen. Obschon I. als Centralpunkt der pers. Industrie, als Stapelplatz für die Produkte des Umlandes und seiner Schulen wegen noch Bedeutung hat, ist es doch von seiner frühern Größe herabgesunken und besteht großenteils aus wüstliegenden Gärten und Häusern, zur Zeit der größten Blüte, im 17. Jahrh., hatte es mit den Vorstädten über 30 km Umfang und 600000, nach andern über 1 Mill. E. Gegenwärtig zählt I. bei 8 km Umfang etwa 90000 E. und hat 60 große und kleinere Moscheen, gegen 50 Gelehrtenschulen, 80-100 öffentliche Bäder, 20 Karawanserais, sowie, mitten durch die Stadt ziehend, eine fast 5 km lange Reihe von Bazars. Die Straßen ind eng und schmutzig. Im Süden liegt die Vorstadt Dschulfa, welche Schah Abbas d. Gr. 1603 den aus ihrem Vaterlande, namentlich aus dem Weberorte Eski-Dschulfa am Aras hierher versetzten 34000 Armeniern (jetzt 2000) als.Wohnort angewiesen hatte. Die Armenier besitzen von den ehemaligen glänzenden 13 noch 6 elende Kirchen und ein Nonnenkloster, das den Wohnsitz des armenischen Bischofs abgiebt, die Katholiken eine Kirche mit einem kleinen Dominikanerkloster. Die Strecke zwischen Dschulfa und der eigentlichen Stadt besteht aus einem Trümmerfelde. Den Fluß überspannt hier eine großartige Brücke in einer Doppelreihe von 34 Bogen, und in dem Raume zwischen der Brücke (Tschehar-Bagh) und der Stadt liegen noch mehr oder weniger erhaltene Reste von Palästen. Die beiden großen, von Schah Abbas herrührenden sind der Tschihul-sutun, d. h. die 40 Säulen, und der Hascht-Bihischt, d. h. die 8 Paradiese, umgeben von großen Gärten voller Fontänen und von einer fast 5 km langen Erdmauer umzogen. Überall sieht man in ihnen Vergoldung, Spiegel, Malereien und Arabesken. Den angenehmsten Aufenthalt bietet der Haft Dast, d. h. die 7 Höfe, in dem schönen Garten von Sa’adetabad, links vom Flusse, etwa 6,5 km von der Mitte der Stadt. Der nun fast verödete, von einer Doppelreihe von Arkaden umgebene Maidan-i-Schah, 600 m lang und 215 m breit, trägt auch die große Moschee Lutf-Ollah mit einer Kuppel aus glasierten Ziegeln und die Hauptmoschee (Mesdschid-i-Schah), die prachtvollste des Morgenlandes, mit einem Kollegium zahlreicher Lehrer, das als Mohammed. Universität gelten kann. Die Industrie liefert Seiden- und Baumwollzeuge aller Art, wollene Stoffe, Hieb- und Schußwaffen von Eisen, Stahl, Bronze, Pulver und Bijouterien, Sammet, Goldbrokate, weihe Musseline, Schuhwerk, Sättel und Pferdegeschirre, Pfeifenschläuche, Holzmosaik, Lackmalerei, Papier und Glas. In der fruchtbaren Umgegend wird Obst, Wein, Opium und Getreide gebaut.
I., das Aspadana der Alten in Medien, blühte schon seit dem 10. Jahrh., obschon es durch Kriege viel zu leiden hatte. Vom Schah Abbas I. (1586-1628) anstatt Kaswin zur Residenz erhoben, wurde es im 16. Jahrh. eine der bedeutendsten Weltstädte. Die Afghanen unter Mir Mahmud eroberten und verwüsteten die Stadt (12. bis 28. Okt. 1722) und seitdem war ihre Blüte dahin. Nadir Schah vertrieb zwar 1729 die Afghanen, aber die Stadt kam nicht wieder empor, da der Kurde Kerim Chan, der sie 1749 gewann, die Residenz nach Schiras und der Kadschare Feth-Ali 1796 nach Teheran verlegte.
Ispahangarn, s. Genappesgarn.
Ispan (ungar.), Gespan, s. Komitat.
Ispĭca, Thal bei Modica (s. d.) in Sicilien.
Ispráwnik, Chef der Kreispolizei in Rußland, seit Katharina II. gewählt, jetzt von der Regierung ernannt. (S. Rußland.)
Isrăel, Israelīten, Kinder I., Mann von I., nennt sich das Volk, das seine Nachbarn als Hebräer (s. d.) bezeichnet haben, und aus dem sich durch einen geschichtlichen Prozeß die Religionsgemeinde der Juden (s. d.) entwickelt hat. Es nennt sich so nach seinem mythischen Stammvater Jakob, der von Gott, nachdem er mit demselben bei der Rückkehr ins Heilige Land gerungen hatte, den Namen I. empfangen haben soll. "Gotteskämpfer" soll nach dem Mythus dieser Name bedeuten. Doch ist diese Etymologie nicht zuverlässig.
Die Geschichte des Volks I. ist von allgemeiner Bedeutung, eben weil sich aus ihm das Judentum entwickelt hat und dieses die histor. Voraussetzung des Christentums ist. Es sind drei Gedankenkreise, die sich in und mit dem Judentum gebildet haben und die specifische Voraussetzung für die Entstehung des Christentums bilden: der