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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Zeitungswesen)

^[Tabelle]

Staatsuniversitäten Hörer

Neapel 4595

Turin 2114

Rom 1543

Bologna 1375

Padua 1316

Palermo 1253

Pavia 1095

Genua 970

Pisa 728

Catania 584

Messina 329

Modena 292

Parma 276

Siena 225

Cagliari 147

Macerata 124

Sassari 123

Die vier freien Provinzialuniversitäten sind Perugia mit 179, Camenno mit 101, Urbino mit 93 und Ferrara mit 56 Hörern. Insgesamt zählen die Universitäten 585 ord., 232 außerord. Professoren, 149 Personen mit Lehrauftrag und 639 Privatdocenten. Alle Universitäten besitzen Fachkurse für Prokuratoren und Notare, Tierärzte, Hebammen u. s. w. und mit Ausnahme von Macerata für Apotheker. Auch die Lyceen in Aquila, Bari und Catanzaro besitzen solche. Den Universitäten zu Padua, Palermo, Pavia und Pisa sind Ingenieurkurse beigegeben. Den Universitäten sind anzureihen: das königl. höhere Studieninstitut in Florenz, das königl. höhere technische Institut in Mailand (Polytechnikum), die wissenschaftlich-litterar. Akademie in Mailand, drei Tierarzneischulen zu Turin, Mailand und Neapel, die königl. Ingenieurschulen zu Rom, Bologna, Neapel und Turin.

Höhere Fachschulen sind das königl. Industriemuseum zu Turin (unentgeltlicher Unterricht), eine technische Bildungsanstalt für Lehrer an technischen Instituten und Gewerbeschulen; die königl. höhere Handelsschule zu Venedig für Lehrer, Konsuln, Nationalökonomen, Statistiker u. s. w.; die königl. höhern Ackerbauschulen zu Mailand und Portici und die Scuola agraria superiore zu Pisa; die Oberlehrerinnenseminare in Rom und Florenz; die königl. höhere Schiffsbauschule zu Genua, seit 1870; die archäol. Schulen in Pompeji und Rom; die Privatschule für Socialwissenschaften zu Florenz; die städtische höhere Kunstgewerbeschule zu Mailand; 2 höhere Handelsschulen in Bari und Genua; 6 höhere und 75 niedere Kunstgewerbeschulen; 57 Berufsgewerbeschulen; 15 Berufsschulen für Mädchen; das Forstinstitut zu Vallombrosa bei Florenz; 24 praktische Ackerbauschulen; 8 landwirtschaftliche Specialschulen; die Bergschulen zu Caltanissetta, Agordo und Iglesias; die Specialschule für die Gewinnung und Bearbeitung von Marmor zu Carrara; das königl. Musikinstitut zu Florenz, die Musikkonservatorien zu Mailand, Neapel, Palermo, Parma und Musiklyceen in Bologna, Rom und Pesaro.

Für militärische Ausbildung bestehen: a. für Offiziere die Kriegsschule zu Turin (für die höchste Ausbildung und den Generalstab) sowie die Artillerie- und Genie-Applikationsschule ebenda; b. zur Heranbildung von Offizieren die Militärakademie zu Turin (für Artillerie und Genie), die Militärschule zu Modena (für Infanterie und Kavallerie) und die Marineakademie zu Livorno; c. zur Vorbereitung für die Militärakademie und die Militärschule die Militärkollegien zu Neapel, Rom, Mailand, Messina und Florenz; d. die Normalinfanterieschule zu Parma, die Normalkavallerieschule zu Pinerolo, die Unteroffizierschule in Caserta und die Fachschule für Militärärzte in Florenz.-Wissenschaftliche Bibliotheken giebt es etwa 500; die des Staates belaufen sich auf 32, die (1890/91) 1,16 Mill. Bücher ausliehen. - Als Anstalten für Wissenschaften und Künste sind hervorzuheben: die 15 staatlichen und viele private Akademien, darunter besonders die Accademia della Crusca in Florenz, die Museen und Galerien mit ihren Schätzen (s. Italienische Kunst), Institute und Schulen für die schönen Künste, die zahlreichen städtischen Zeichenschulen, namentlich in Toscana und Umbrien.

Zeitungswesen. Die ersten Spuren von Zeitungen finden sich nach der Mitte des 16. Jahrh. Die Regierung der Republik Venedig ließ für ihre Agenten im Ausland die wichtigsten Ereignisse zusammenstellen. Man nannte diese geschriebenen Nachrichten "Foglietti" oder "Fogli di Avvisi". Später kam es auf, solche "Avvisi" für Privatleute zu verfassen (s. Gazette). Eine Sammlung solcher Blätter findet sich in der Nationalbibliothek zu Florenz. Handschriftliche Zeitungen gab es von 1554 an, namentlich in Rom, Venedig, Genua und Mailand. 1636 wurde in Florenz zum erstenmal eine Zeitung allwöchentlich gedruckt, 1641 gab der Großherzog von Toscana dem Drucker Cecconcelli ein Privileg auf eine zweite wöchentliche Zeitung, die aber nur Nachrichten aus Deutschland dringen sollte. Seit Ende 1640 gab Giovacchino Bellini in Rom eine Zeitung heraus, 1642 folgte Genua, 1645 Turin. Das erste Journal mit besonderm Titel war der "Sincero" von Genua von 1648. Bis zur Französischen Revolution bestanden neben den gedruckten Zeitungen, welche der Censur unterworfen waren und der Regierung dienten, mehr oder minder geheime Korrespondenzen, auf welche selbst Regierungen abonnierten. Napoleon führte alsbald die polit. Censur wieder ein, das "Giornale italiano" wurde offizielles, die "Gazzetta di Milano" halboffizielles Regierungsorgan. Ein Journalismus konnte wegen der geistlichen und weltlichen Censur erst in neuerer Zeit zur Entwicklung gelangen. Die Unmöglichkeit, durch öffentliche Blätter die Sache der Freiheit zu verfechten, rief seit 1830 eine geheime Presse hervor, und zwar wurden deren wichtigste Organe im Auslande geschrieben und gedruckt, dann in I. eingeschmuggelt. Besonders genannt zu werden verdient die von Mazzini ins Leben gerufene "Giovine Italia". Sie erschien bis 1834 in Marseille, später in Neapel, Pisa und andern ital. Städten. Der "Giovine Italia" folgten der "Tribuno" (Lugano 1834), der "Italiano" (Par. 1836), der "Apostolato popolare" (Lond. 1840-43), der "Pellegrino" (ebd. 1842), der "Educatore" (ebd. 1843-44), der von der Fürstin Belgiojoso redigierte "Ausonio" (Par. 1845-48) u. s. w. Die Mazzinische Presse erlahmte um 1845.

Wichtiger sind während der Periode von 1815 bis 1848 die wissenschaftlichen und litterar. Zeitschriften. In Mailand trafen zuerst die Gegensätze der Klassicisten und Romantiker aufeinander. Das von der österr. Regierung unterstützte Organ der Klassicisten war die seit 1816 von Monti und Acerbi geleitete "Biblioteca italiana". Größere Berühmtheit erwarb sich das Organ der Romantiker, der "Conciliatore". Er ging jedoch bereits 1820 ein. Statt Mailand trat nun Florenz hervor. Hier erschien seit 1821 unter Leitung von Vieusseur und Gino Capponi die "Antologia", eine der besten aller ital. Zeitschriften. Obgleich sie trotz der Mitarbeiterschaft Mazzinis und Tommaseos einen politisch gemäßigten Charakter trug, wurde sie 1833 unterdrückt. In den zwanziger Jahren begann die Veröffentlichung der "Atti dell' Accademia dei Georgofili" (1823)