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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Geschichte 1492-1559)

Letzteres geschah namentlich in Bologna, ferner in Genua, das Venedigs Dogenverfassung nachzubilden versuchte, und selbst in Florenz, das den Herzog von Athen, Walter von Arienne, an seine Spitze rief. Diese Stadtherren mußten sich auf eine ergebene Soldtruppe stützen, was einerseits zu dem verderblichen Aufblühen der Condottieri (s. d.) führte, andererseits aber das Emporsprossen der Renaissancekultur begünstigte, da die Talente, vom öffentlichen und vom Kriegsdienste zurückgehalten, sich nun um so mehr aus die geistige Verfeinerung, auf Kunst und Litteratur warfen. In Rom, das der Gewaltthätigkeiten des Adels müde war, führte Rienzi (s. d.) das Schattenspiel eines altröm. Volkstribunats auf, aber nur um damit der Wiederherstellung der päpstl. Macht in der Ewigen Stadt die Wege zu bahnen. Nachdom schon Urban V. 1367-70 wieder in Rom geweilt hatte, verlegte 1377 Gregor XI. den päpstl. Sitz dorthin aus Avignon zurück. In Avignon erhob sich jedoch schon in den nächsten Jahren ein Gegenpapsttum. Diese kirchliche Spaltung begünstigte die Fortdauer der Wirren in dem von provençal., ungar. und unterital. Anjou umstrittenen Königreich Neapel, während sich gleichzeitig der von Albornoz (s. d.) wieder vereinigte Kirchenstaat aufs neue in kleine Herrschaften aufzulösen begann. Ebensowenig sahen Oberitalien und Toscana in diesen Jahren Ereignisse, in welchen ein Anstoß für die weitere Gesamtentwicklung I.s gelegen wäre. Gian Galeazzo Visconti drang allerdings erfolgreich in Oberitalien vor; aber nachdem er 1401 Ruprecht von der Pfalz bei Brescia zum Abzug gezwungen hatte, siel er selbst der Pest zum Opfer, und das von ihm gegründete Reich schwand durch neue Erbteilungen und Abfall wieder hin. Sicilien wurde nach dem Aussterben seiner Dynastie 1409 wieder mit Aragonien vereinigt, dessen Herrschaft dann Alfons V. 1435 auch über Unteritalien ausdehnte. Nachdem das 40jährige Schisma unter dem vom Konstanzer Konzil eingesetzten Martin V. ein Ende gefunden hatte, gelang es diesem, auch den Kirchenstaat wieder etwas in Ordnung zu bringen; aber unter seinem Nachfolger, Eugen IV., brachen die Unruhen nochmals aus, wie auch das Schisma wieder auflebte. Erst unter Nikolaus V. kamen diese Gegenden zur Ruhe. Gleichzeitig hatte sich in Florenz die unbestrittene Herrschaft der Medici (s. d.) herausgebildet, während in Oberitalien die des letzten Visconti durch die Angriffe der Venetianer unter Carmagnola (s. d.) längere Zeit ernstlicher bedroht wurde. Diese Kriege fanden ihren Abschluß in dem Frieden von 1433 zwischen Mailand und Venedig, welchem 1441 der zwischen Mailand und Florenz folgte. Ohne Bedeutung für die Geschichte I.s waren die Römerzüge Sigismunds (1431-33) und Friedrichs III. (1452). Die Thronfolge im Herzogtum Mailand erlangte der Condottiere des söhnelosen Filippo Maria Visconti, Francesco Sforza, 1450, um dann in dem Frieden von 1454 die Grenze zwischen dem mailändischen und venet. Gebiete für die Dauer festzulegen. Als Alfons V. 1458 starb, wurde Unteritalien von Sicilien und Aragonien zu Gunsten seines natürlichen Sohnes Ferdinand abgetrennt, der durch Umsicht und Verschlagenheit die Befestigung seines Hauses erreichte. Verschwörungen gegen die regierenden Staatshäupter kamen in dieser, großer polit. Ziele und Bewegungen entbehrenden Zeit wie in Unteritalien so auch in Mailand und Florenz zum Ausbruch. In Florenz aber gelang es Lorenzo de' Medici, die Herrschaft seines Hauses neu zu befestigen; er folgte hierbei der Gleichgewichtspolitik seines Großvaters, dem er auch als Gönner von Kunst, Wissenschaft und Litteratur zum mindesten gleichkam. Diese gelangten in I. in dieser Zeit zur höchsten Blüte.

5) Kampf Frankreichs und Spaniens um die Herrschaft über I. (1492-1559). Den Ausgangspunkt für die Störung der Ruhe I.s bildeten die Erbansprüche, welche Frankreich von den Anjou her auf Unteritalien und von den Visconti her auf Mailand zu haben glaubte, im Verein mit der Entwicklung der häuslichen Verhältnisse der Sforza in Mailand. Dazu kam noch, daß in Florenz seinem bedeutenden Vater Lorenzo der politisch unreife Piero de' Medici gefolgt war (1492), und daß gleichzeitig den päpstl. Stuhl in Alexander VI. ein Mann bestiegen hatte, der zu Gunsten seiner vielen Kinder ganz geneigt war, im Trüben zu fischen. Der Regent von Mailand, Ludovico Moro, der sich an die Stelle seines Neffen, Gian Galeazzo Sforza, zu setzen suchte, dabei aber auf den Widerstand der Angehörigen von dessen Frau, der Aragonier von Neapel, stieß, wandte sich diesen gegenüber um Hilfe an Frankreich, das unter dem jungen Karl VIII. auf die Unternehmung einging. Sommer 1494 herabgestiegen, erhielt Karl VIII. durch die Kopf- und Mutlosigkeit Pieros de' Medici Toscana und Florenz ausgeliefert und drang über Rom gegen Neapel vor, das Ferdinands Sohn und Nachfolger, Alfons II., unter Abtretung der Krone an seinen Sohn Ferdinand II. verließ. Die Liga Mailands, Venedigs und Kaiser Maximilians, die sich im Rücken Karls VIII. bildete, zwang jedoch diesen im Sommer 1495 zum eiligen Rückzug aus I. Hier schien nun die frühere Ordnung wieder einzutreten, nur daß in Florenz die auf Savonarolas (s. d.) Betreiben wiederhergestellte Republik sich vorläufig erhielt, und Pisa zunächst die von Frankreich wiedergeschenkte Selbständigkeit mit Erfolg gegen Florenz verteidigte. Karls VIII. Nachfolger, Ludwig XII., unternahm den Angriff aufs neue, indem er zunächst Venedig durch Zusage von Gebietserweiterungen in Oberitalien und den Papst durch Gunsterweisungen gegen seinen Sohn Cesare Borgia (s. d.) auf seine Seite zog, um sich im Herbst 1499 zuerst in den Besitz Genuas und des Herzogtums Mailand zu setzen. Unmittelbar darauf vereinbarte Ludwig XII. mit Spanien die gemeinsame Eroberung des Königreichs Neapel. Dessen letzter König Friedrich von Altamura ergab sich 1501 an Gonsalvo de Cordova (s. d.) und dieser verjagte dann die Franzosen aus dem Süden und brachte das ganze Königreich an Spanien. Diesem verblieb es, wie das schon früher erworbene Sicilien, als Provinz bis zum Spanischen Erbfolgekrieg. In Mittelitalien rottete indessen Cesare Borgia die Herren zahlreicher Städte aus, um sich hier ein größeres Reich zu schaffen, doch der während seiner eigenen Erkrankung erfolgte Tod seines Vaters Alexander VI. vernichtete seine Macht. Seine Blutthaten waren aber insofern von Einfluß auf die Geschichte I.s, als er durch sie dem kraftvollen Papst Julius II. den Weg zur Neuschöpfung des zerfallenen Kirchenstaates bahnte. Um Venedig die Teile desselben zu entreißen, welche dieses in seinen Besitz gebracht hatte, schloß Julius II. 1508 mit Ludwig XII. und Maximilian die