Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

759

Italien (Geschichte 1268-1492)

Weichbildes, die Konsularverfassung und das Bündnis- und Fehderecht; der Kaiser behielt sich nur die übliche Beisteuer zu den Römerzügen und die Investitur der Konsuln vor. Von weittragender Bedeutung für die Geschicke I.s war das Fest, welches nun Kaiser Friedrich bei seinem sechsten Römerzug in Mailand feierte, die Vermählung seines Sohnes Heinrich mit der Erbin Siciliens und Unteritaliens, Konstanze, durch welche auf die völlige Einschnürung des Papsttums zwischen dem Königtum der Staufer im Süden und deren Kaisertum im Norden hingesteuert und so der Kampf zwischen Kaiser und Papst in I. auf seine Spitze getrieben wurde. Die oberital. Städte, welche in diesem Ringen seinerzeit den Päpsten zum Sieg verhelfen sollten, wurden zunächst großenteils durch Gnadenverleihungen gewonnen. Nach dem Tode Kaiser Friedrichs und König Wilhelms II. setzte Heinrich VI. sein Erbrecht auf Unteritalien gegenüber einer normann. Nationalpartei durch, welche den Bastard Tankred von Lecce auf den Thron erheben wollte. Nach Heinrichs frühem Tod suchte Papst Innocenz III., welcher zum Vormund des jungen Friedrich II. bestellt war, alsbald die Abtrennung Unteritaliens vom Kaisertum durch Anerkennung des Guelfen Otto IV. anzubahnen. Diese Bemühungen scheiterten aber, da Otto IV., in Rom zur Kaiserkrönung erschienen (1209), zwar alsbald den Versuch machte, auch Unteritalien in seine Macht zu bekommen. Gegen ihn wurde daher Friedrich II. vom Papste Innocenz II. aufgestellt, der nun selbst, 1220 zum Kaiser gekrönt, nicht nur in Unteritalien und Sicilien ein übermächtiger Nachbar der Päpste zu werden, sondern diesen auch ihre letzte Waffe, die Kreuzzüge, aus der Hand zu spielen drohte, indem er die Ansprüche auf Jerusalem (1225) und damit die Leitung der ganzen Kreuzzugsbewegung an sich brachte. Während dem gegenüber in Oberitalien unter Führung Mailands hängte Papst Gregor IX. wiederholt den Bann über Friedrich, der jedoch mit Ezzelino (s. d.) da Romano 1236 glücklich gegen die guelfischen Lombarden vordrang und 1237 die Mailänder bei Cortenuova entscheidend schlug, um sich nun gegen den Papst zu wenden, der gegen ihn 1240 ein Konzil zusammengerufen hatte. Letzteres vereitelte der große Seesieg der Pisaner bei Meloria, wo die Flotte und Macht des guelfischen Genua, das die franz. Prälaten zum Konzil befördern wollte, für Jahre vernichtet wurde. Nachdem Papst Innocenz IV. den Kampf gegen Friedrich wieder aufgenommen hatte, folgten vergeblichen Friedensunterhandlungen des Kaisers seine Niederlage von Vittoria (1248) und die Gefangennehmung seines kriegstüchtigen Sohnes Enzio (s. d.). Der Tod Friedrichs (1250) und der schon vier Jahre darauf erfolgte Tod seines Nachfolgers Konrad IV., welcher sich 1251 in Unteritalien festgesetzt hatte, beschleunigte den Untergang der staufischen Macht in I. Zwar übernahm zunächst Friedrichs II. Bastardsohn Manfred die Regierung Unteritaliens und Siciliens mit Glück und ließ sich auf die falsche Nachricht von Konradins Tode hin 1258 zum König krönen; aber in Oberitalien erlag 1259 Ezzelino bei Cassano den Mailändern. Als sich Manfreds Macht auch über Mittelitalien auszudehnen begann, knüpfte Urban IV. mit Karl (s. d.) von Anjou Verhandlungen an, die dann Clemens IV. zum Abschluß brachte. Karl wurde zum Senator von Rom erwählt und der Kreuzzug gegen Manfred gepredigt. Manfred ließ sich 26. Febr. 1266 zu der Schlacht von Benevent hinreißen, unterlag aber und kam selbst um. Der zwei Jahre darauf von Konradin unternommene Zug fand sein Ende in der Schlacht von Tagliacozzo (23. Aug. 1268) und der Hinrichtung dieses letzten Hohenstaufen und hatte nur den Erfolg, dem Haß der Guelfen und Ghibellinen I.s neue Nahrung zuzuführen. Ihr Streit bereitete nun allenthalben der bürgerlichen Freiheit ein Ende und spielte die Herrschaft einzelnen führenden Adelsfamilien in die Hände.

4) Kämpfe der Anjou und Aragonier im Süden, Schöpfung des spätern Kirchenstaates und Entwicklung der spätern größern Staaten in Toscana und Oberitalien (1268-1492). Karl I. von Anjou war 6. Jan. 1266 zu Rom im Auftrage des Papstes zum König von Sicilien gekrönt worden; aber es dauerte nicht lange, so erhob sich das Volk in der Sicilianischen Vesper (s. d.) gegen die habgierigen und gewaltthätigen Franzosen. Der König Peter von Aragonien, durch seine Gattin Konstanze Erbe der staufischen Ansprüche auf Unteritalien, landete schon 30. Aug. 1282 auf der Insel, während Roger von Loria Karl I. zum Abzug von Messina zwang. Karl II., der bei einem zweiten Seesieg von Roger (1284) gefangen genommene Sohn Karls I., wurde drei Jahre nach des letztern Tod (1285) nur gegen Abtretung Siciliens an den zweiten Sohn Peters von Aragonien, Jakob, freigelassen, erneuerte aber alsbald im Bunde mit Frankreich und Castilien den Krieg gegen die Aragonier. Als aber diese 1296 auf die Insel verzichten wollten, rief das Volk den dritten Bruder des kinderlos verstorbenen Peter, Friedrich III., zum König aus. Friedrich erreichte denn auch schließlich in dem Frieden von 1303 thatsächlich die dauernde Festsetzung seiner Familie auf der Insel, während gleichzeitig das Papsttum durch die gewaltsame Verpflanzung nach Avignon sich um die Früchte seiner Politik, der Zertrümmerung jeder starken Macht in I., betrogen sah. Von den hadernden Parteien gerufen, stieg erst wieder Heinrich VII. 1310 nach I. herab, wo er vorübergehend die kaiserl. Macht wieder aufzufrischen schien. 1312 im Lateran gekrönt, während ihm König Robert von Neapel bewaffnet, aber unthätig im Vatikan gegenüberstand, starb er auf dem Abzug von dem ungebeugten Florenz 1313, worauf die Guelfen aufs neue ihr Haupt erhoben. Zwar erhob sich in Castruccio Castracane (s. d.) ein neues Haupt der Ghibellinen, welcher sich zum Herrn von Lucca und Pistoja machte und Pisa, das 1323 Sardinien an die Aragonier verlor, mit Glück befehdete; dies hatte aber nur die Folge, daß das 1325 von ihm geschlagene Florenz die Signoria an Roberts Sohn Carlotto übertrug. Ein neuer kräftiger Vorstoß gegen I. erfolgte durch Ludwig den Bayer. Dieser stieg herab, setzte in Mailand Galeazzo Visconti ab und nahm die Eiserne Krone, übergab dann Pisa an Castruccio Castracane und erhob ihn kurz darauf zum Herzog von Lucca. In Rom, wo er einen Gegenpapst aufstellte, ließ er sich zum Kaiser krönen, wurde aber durch eine Erhebung zum Abzug gezwungen. Es folgten nunmehr in I. die kleinen Gebietskämpfe, durch die sich in der Folgezeit die größern Staaten Ober- und Mittelitaliens herausbildeten und fast überall in den Städten die Macht in die Hand eines Einzelnen gelegt wurde.