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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Geschichte 1056-1268)

welche zuerst 1059 von Nikolaus II. förmlich mit ihren Eroberungen in Unteritalien sowie mit dem, was sie noch künftig in Sicilien den Saracenen abnehmen würden, belehnt wurden. (S. Sicilien, Königreich.) Dieser Eingriff in die Reichsrechte entzündete schon während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. den Kampf zwischen Reich und Kurie, welcher das Leben dieses unglücklichen Fürsten ausfüllen sollte. Nachdem Gregor VII. seinen Rückhalt in Unteritalien verstärkt hatte, durch Belehnung des letzten Langobardenfürsten von Benevent und des Normannen Richard von Capua, schritt er mit der Verschärfung des Investiturstreites zum entschiedenen Angriff gegen die kaiserl. Regierung in I., welche gerade hier der Herrschaft über die Bischöfe am wenigsten entbehren konnte, während er sich gleichzeitig, wie sein Vorgänger Alexander II., mit der Masse des niedern Bürgertums der oberital. Städte, der Pataria, gegen die reichstreuen Bischöfe verband. Heinrich IV. erklärte nun den Papst für abgesetzt, sah sich aber 1077 zu der Demütigung von Canossa gezwungen, um die Vereinigung seiner übermächtigen deutschen Gegner mit dem Papst zu verhindern. Als aber Gregor VII. sich schließlich doch für den Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden erklärte, stellte Heinrich IV. ihm Wibert von Ravenna als Victor III. entgegen und stieg selbst nach der Vernichtung Rudolfs und dem Sieg der Kaiserlichen bei Mantua (15. Okt. 1080) über die Truppen der Markgräfin Mathilde von Tuscien zum zweitenmal (1081) über die Alpen. Er wurde jedoch Roms erst 1084 Herr und mußte alsbald nach seiner Kaiserkrönung vor dem heranziehenden Robert Guiscard (s. d.) wieder nach Norden zurückweichen. Während Robert den Papst mit sich nach Salerno nahm, erlitt Heinrich IV. im Gebiet von Modena eine Niederlage durch die Leute Mathildes, drang aber dann bei seiner dritten Anwesenheit in I. (1090-92) mit Glück gegen diese vor. Diese Erfolge veranlaßten jedoch die entschieden zur Kurie haltenden Städte Oberitaliens, Mailand, Cremona, Lodi und Piacenza, sich aufs neue zu erheben und den ersten Lombardischen Bund zu schließen. An diese schloß sich, von Heinrich abfallend, sein ältester Sohn Konrad an, der sich 1093 in Monza zum König von I. krönen ließ und 1095 sich mit der Tochter Rogers I. von Sicilien vermählte. Eine wirkliche Machtstellung in I. gewann jedoch Konrad ebensowenig wie sein Vater bei seinem vierten Aufenthalt in I. (1094-97). Vielmehr bildeten die Städte in dieser Zeit allenthalben nach Mailands Vorbild ihre republikanische Verfassung vollends aus, doch benutzten sie die gewonnene Selbstherrlichkeit zunächst zur gegenseitigen erbitterten Bekämpfung. Diese Zwiste erleichterten den Vorstoß Heinrichs V. (1110), welcher zwar Mailand verschlossen fand, nach einem Reichstag auf den Ronkalischen Feldern und seiner Verständigung mit Mathilde aber über Toscana auf Rom vordrang und dort Paschalis II. gefangen nahm. Die Erhebung der Kurie unmittelbar nach seinem Abzug zwang 1116 Heinrich V. zu einem zweiten Zug nach I., welcher jedoch der kaiserl. Macht in I. keinen Zuwachs brachte. In dem nach Heinrichs V. Tod ausgebrochenen Thronstreit setzte sich der Hohenstaufe Konrad als König in I. (1128) fest gegen Lothar von Suplinburg, gab aber, vom Papst und bald auch von Mailand im Stiche gelassen, nach kurzer Zeit seinen Versuch auf. Von bleibenden Folgen war dagegen die Vereinigung von ganz Unteritalien und Sicilien als Königreich unter Roger II. Dieser hatte in Anakletus II. zu Rom seinen Gegenpapst gegen Innocenz II. Letzterer sah sich so zuerst zur Flucht nach Frankreich genötigt und suchte dann seine Stütze an Kaiser Lothar, mit welchem er 1133 ein Abkommen über die Mathildischen Güter traf. Da aber Lothar auch bei seinem zweiten Römerzug nur an der Herstellung der kaiserl. Macht über die Städte Oberitaliens arbeitete, schloß Innocenz II. nach Anakletus' II. Tod Frieden mit Roger, indem er die von jenem (1130) vollzogene Krönung Rogers zum König anerkannte. Konrad III., der Hohenstaufe, sah sich durch seinen Kampf mit den Welfen völlig aus I. ferngehalten. Während in dieser Zeit Arnold (s. d.) von Brescia in Rom auftrat und sich hier der Stadtadel die Stadtregierung aneignete, schossen die innern Parteikämpfe der Städte Oberitaliens und Toscanas und deren gegenseitige Fehden mangels äußerer Bedrohung üppig empor. Dies bot Friedrich I. die Aussicht, hier die Macht des Kaisertums wieder zeigen zu können. Dem Rufe des Papstes folgend, zog er 1154 nach I., um alsbald den Krieg gegen Mailand, das sich unbotmäßig zeigte, zu eröffnen. Der Zerstörung namentlich von Tortona folgte Friedrichs Königskrönung zu Pavia (1155) und die Kaiserkrönung zu Rom. In Rom wurde Arnold von Brescia dem Papste ausgeliefert, es erhoben sich aber alsbald Unruhen, die Friedrich zum Verlassen der Stadt und I.s bewogen. Allein schon 1158 kehrte er an der Spitze eines großen Heers nach Oberitalien zurück, wo Mailand die Kaiserlichen inzwischen zum Teil niedergeworfen hatte und in Verbindung mit dem Papst und König Wilhelm I. von Unteritalien getreten war. Mailand wurde durch milde Bedingungen zur Ergebung gebracht (7. Sept.). Der Umstand jedoch, daß Friedrich auf das röm. Recht und verschollene Gebietsansprüche zurückgriff und die Städte zur Annahme kaiserl. Vögte (s. Podestà) nötigen wollte, brachte alsbald den Kampf aufs neue zum Ausbruch, in welchem Friedrich mit der völligen Schleifung Mailands (März 1162) die Bändigung Oberitaliens erreichte. Allein schon 1164 hatte in den Städten der Widerwille gegen die kaiserl. Vögte einen solchen Grad erreicht, daß sich ein Bund der Städte Verona, Vicenza, Padua und Treviso bildete, dem dann auch Venedig beitrat. Nachdem Friedrich 1164 einen erfolglosen Angriff auf diesen Städtebund gemacht hatte, wandte er sich 1106 gegen Rom, wo in Alexander III. seine ital. Widersacher ihr Haupt hatten. Aber in kurzem zwang ihn eine Seuche zur Flucht aus I., und gleichzeitig bildete sich im April 1167 der große Lombardische Bund der Städte Cremona, Bergamo, Brescia, Mantua und Ferrara, der sich alsbald mit dem Veroneser Bund vereinigte, dann das wieder aufgebaute Mailand sowie die übrigen oberital. großen Städte in sich aufnahm. Nicht beigetreten waren diesem Bunde nur Genua und die toscan. Städte sowie Ancona. Der Kaiser, erst 1174 wieder herabgestiegen, erlitt 29. Mai 1176 durch den Lombardischen Bund die schwere Niederlage von Legnano, die ihn zu neuen Unterhandlungen zwang; es gelang ihm, Alexander III. im Frieden zu Venedig von den Lombarden zu trennen und diese nun zu einem Vorfrieden zu bestimmen. Der 25. Juni 1183 geschlossene Friede von Konstanz erkannte dann den oberital. Städten die Freiheiten zu, welche sie seit Heinrich V. besessen hatten, insbesondere die Regalien innerhalb des