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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Geschichte 1056-1268)

der Seinigen ermordet wurde (924). Rudolf wurde aber alsbald die Herrschaft über I. streitig gemacht von Hugo von der Provence, der sich 926 in Mailand krönen ließ, dann seinen Sohn Lothar zum Mitregenten erhob (931) und hierauf durch Verheiratung mit Marozia (s. d.) auch in Rom festen Fuß zu fassen suchte, aber von deren Sohn Alberich aus der Stadt verjagt wurde. Hugos gewaltthätiger Herrschaft suchte der 940 nach Deutschland geflüchtete Markgraf Berengar von Ivrea ein Ende zu machen, indem er 945 mit einem Heere von dort herabzog; jedoch erst nach Hugos Tode (950) gewann Berengar Aussicht auf die unbestrittene Herrschaft in I. Allein Lothars Witwe Adelheid, welche Berengar mit seinem alsbald zum Mitkönig erhobenen Sohn Adalbert vermählen wollte, rief von Canossa aus Otto I. um Hilfe an, der 951 über die Alpen stieg, um mit der Hand Adelheids sich das Königreich I. zu erwerben. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland ließ Otto seinen Sohn Konrad als Regenten in Pavia zurück, mit welchem sich nun Berengar verständigte, worauf er von ihm gegen Leistung des Lehnseides sein Königtum zurückerhielt (952). Während aber Otto in Deutschland in Anspruch genommen war, schaltete Berengar in I. wieder wie ein unabhängiger Fürst, verfolgte die Anhängerschaft Adelheids und des deutschen Königs und machte sich Papst Johann XII. zum Feinde. Von letzterm gerufen, hielt Otto seinen glänzenden Einzug in Pavia (961), von wo er sich zur Kaiserkrönung (2. Febr. 962) nach Rom begab. Die Niederwerfung Berengars, behufs deren Otto nach Pavia zurückkehrte, wurde aber nochmals hinausgeschoben durch eine Erhebung Roms für Berengars Sohn. Otto, nach Rom zurückgekehrt, ließ den entwichenen Johann XII. absetzen und für ihn Leo VIII. (6. Nov. 963) erheben und wandte sich dann wieder nach Oberitalien, wo es ihm endlich gelang, wenigstens Berengars habhaft zu werden. Erhebungen Roms zwangen jedoch Otto noch zweimal einzugreifen: 964 ließ er Johanns XII. Nachfolger der päpstl. Würde entkleiden und Leo VIII. wieder einsetzen und setzte so die Anerkennung des Kaisers als obersten Herrn auch des Papstes durch; 966 zog er wegen eines Aufstandes für Adalbert, den nach Konstantinopel entkommenen Sohn und Mitkönig Berengars, aus Deutschland herab und ließ 967 seinen Sohn Otto in Rom zum Kaiser krönen, um dann einen Vorstoß gegen Süditalien zu machen. Otto II. konnte jedoch nach seinem Regierungsantritt erst 980 nach I. kommen; 98?^[Druck fehlerhaft] besuchte er Rom, um sich krönen zu lassen und dann von hier aus die Unternehmungen seines Vaters gegen Unteritalien wieder aufzunehmen. Nachdem er den Griechen Bari und Tarent abgenommen und die Saracenen bei Cotrone geschlagen hatte, erlitt er bei deren Verfolgung eine schwere Niederlage. Unter neuen Rüstungen wurde er 7. Dez. 983 zu Rom vom Fieber hinweggerafft. Die Minderjährigkeit seines schon vorher in Verona zum König von Deutschland und I. erwählten Söhnchens Otto III. eröffnete in I. wieder das Feld für die örtlichen Zwiste geistlicher und weltlicher Machthaber, und in Rom erhob sich die Familie der Crescentier, um nun eine Stellung zu gewinnen, wie sie vor Ottos I. Eingreifen die Familie der Marozia und die Grafen von Tusculum innegehabt hatten. Allein schon 996 kam Otto III. nach Rom, wo er einen Deutschen, Gregor V., als Papst einsetzte, der ihn zum Kaiser krönte, worauf er in Mailand auch die Krone von I. nahm. Aus Deutschland stieg Otto III. schon 997 wieder herab, um in Rom den ausständigen Crescentius mit seiner Anhängerschaft hinrichten zu lassen und Sylvester II. zum Papst einzusetzen (998). Nach seinem frühen Tode (Jan. 1002) wurde zu Pavia von den Italienern Arduin von Ivrea zum König erhoben. Als aber Heinrich II. selbst von Deutschland heranzog (1004), sah sich Arduin zwar alsbald im Stiche gelassen, allein auch Heinrich II., 14. Mai in Pavia zum König gekrönt, erlebte noch am selben Tag eine Gegenerhebung, die ihn zum eiligen Abzug aus I. zwang. Dort befehdeten sich nun die zwischen Arduin und Heinrich geteilten Städte, Herren und Bischöfe, bis Heinrich II. zum zweitenmal (1013) nach Pavia kam. Als er von dort zur Kaiserkrönung nach Rom ging (1014), zog sich Arduin in das Kloster Fruttuaria zurück. Hier starb dieser letzte nationale König I.s 29. Okt. 1015. Um die Griechen vollends aus Unteritalien zu verdrängen, wendete sich Papst Benedikt VIII. 1020 an Heinrich II., der, 1021 zum drittenmal herabgestiegen, Benevent, Neapel und die andern griechischen und freien Städte zur Anerkennung seiner Hoheit zwang, einen dauernden Erfolg jedoch damit nicht erreichte. Ähnlichen Charakter hatte der erste Vorstoß Konrads II., der sich 1027 nach Rom zum Empfang der Kaiserkrone begab und bei seinem Abzug aus I. den Erzbischos Aribert (s. d.) mit der Ordnung der dortigen Angelegenheiten betraute; dieser vermochte aber des Zwistes zwischen niederm und hohem Adel nicht Herr zu werden. Zu dessen Beilegung kehrte Konrad Ende 1036 selbst nach Oberitalien zurück, wo er die Lehen auch des kleinen Adels, der Valvassoren, erblich machte. Durch diese Zersplitterung der Macht des Adels in kleine Stücke vernichtete er zwar dessen Gefährlichkeit, zerbrach aber auch das letzte Joch für das aufstrebende Bürgertum, welches schon damals in Mailand dem Kaiser erfolgreichen Widerstand entgegensetzte. Ohne Mailands Herr geworden zu sein, zog Konrad zur Unterstützung des von den Baronen bedrängten Benedikt IX. nach Rom. Dann brachte er die kaiserl. Macht nochmals in Unteritalien zur Geltung und belehnte dort den Normannen Rainulf, der sich eine eigene Herrschaft gegründet hatte, mit Aversa. Einen andern Normannenführer, Drogo, belehnte später (1047) Heinrich III. mit Apulien. Er war seinem Vater Konrad auch in I. unbestritten nachgefolgt und hatte zuvor in Rom kräftig Ordnung geschaffen, indem er die drei gegeneinander aufgestellten Päpste absetzte. Zugleich aber brach er der Richtung von Cluny (s. d.) Bahn, welche durch ihren Anspruch auf völlige Unabhängigkeit des Papsttums vom Kaisertum den jahrhundertelangen Kampf zwischen beiden Gewalten vollends zur Reife brachte. (S. Historische Karten von Italien 2.)

3) Zerstörung der kaiserlichen Macht in I. durch die Päpste, Entstehung des unteritalienischen Königreichs und der freien Gemeinwesen im nördlichen I. (1056-1268). Die Bildung eines mittelital. Reichs unter Gottfried von Lothringen als einer Vormauer des Papsttums gegen die Kaiser, die noch unter Heinrich III. begann, kam zwar ins Stocken; doch führte die spätere Inanspruchnahme Toscanas durch die Kurie zu dem langwierigen Streit zwischen Kaiser und Papst um die Güter der Markgräfin Mathilde (s. d.). Noch folgenreicher war die Verständigung Leos IX. mit den Normannen,