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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Geschichte 1849-70)

sich endlich (11. März 1849) das Volk erhoben, worauf unter Gino Capponi, Ricasoli, Serristori u. a. eine provisorische Regierung gebildet wurde. Die erneute Einladung dieser beantwortete Leopold II. mit der Ernennung Serristoris Zum Kommissar, der Auflösung der konstituierenden Versammlung und der Suspendierung der Verfassung, worauf die Österreicher zunächst das wieder sich erhebende Livorno (5. April), dann Florenz (27. April) besetzten. Hierher kehrte der Großherzog erst 28. Juli zurück, und nachdem D'Aspre und Serristori die Verfolgung der Demokraten in Toscana besorgt hatten, löste er 15. Sept. das Parlament auf und schaffte dann 15. Mai 1852 auch die Verfassung wieder ganz ab. Über ein gemeinsames Vorgehen gegen die röm. Republik verhandelten zunächst Österreich, Spanien, Neapel und Frankreich; Frankreich aber gelang es, einen Beschluß zu hintertreiben, worauf es 25. April 1849 seinerseits allein Oudinot mit einem Besatzungsheer nach Civitavecchia entsandte. Nachdem 29. April ein Handstreich auf Rom mißlungen war, drangen die Neapolitaner vorübergehend im Kirchenstaat ein, während die Österreicher unter Wimpffen Bologna und Ancona nach erbittertem Widerstände in ihre Hand brachten. Von Frankreich war indessen Ferd. Lesseps zu Unterhandlungen nach Rom gesendet worden; nachdem er aber wegen Überschreitung seiner Vollmachten zurückgerufen worden war, gelang es endlich Oudinot 4. Juni 1849 Rom durch Sturm zu nehmen. Gleichzeitig war der letzte Rest des Widerstandes auf Sicilien gebrochen worden. Für dieses waren Frankreich und England eingetreten; als aber die provisorische Regierung der Insel, die 7. März 1849 erzielte Zusage einer bloßen Personalunion mit Neapel unter eigenem Vicekönig; Ministerium und Parlament ablehnte, begann der Kampf aufs neue. Er endete nach der Niederlage Mieroslawskis bei Catania (6. April 1849) 15. Mai mit der Unterwerfung Palermos. So stand zuletzt im Kampfe gegen die Österreicher allein noch Venedig, das heldenmütig bis zum 24. Aug. 1849 ausharrte.

11) Einigung durch Victor Emanuel II. (1849-70). Das Bestreben, die begangenen Fehler gutzumachen, erfüllte die ersten zehn Jahre der Regierung Victor Emanuels II., welcher mit dem treubewahrten Erbe der Volksvertretung auch die Erbschaft der Vertretung der nationalen Idee auf sich und sein Land übernommen hatte. Nachdem endlich auf die Proklamation von Moncalieri hin (20. Nov. 1849) das Land eine vierte Kammer gesendet hatte, in der sich, um Cavour und Rattazzi geschart, zwei gemäßigte Mittelparteien bildeten, welche die Gutheißung des Friedensvertrags mit Österreich durchsetzten, und nachdem die notwendigsten Schritte zur Ordnung der zerrütteten Finanzen und des erschütterten Heers geschehen waren, eröffnete Piemont den Kampf gegen die geistige Vormacht der Reaktion in I., die Kurie. Diese, gestützt auf franz. und österr. Waffen, ließ die schärfste Verfolgung der Liberalen in ihren Gebieten walten und schlug unter der Leitung Antonellis Napoleons Mahnungen in den Wind. In sachgemäßer Einleitung des Streites bot Victor Emanuel II. der Kurie zunächst eine Verständigung an über die geplanten kirchenpolit. Neuerungen in seinem Reiche, um dann die schroffe Ablehnung einer solchen mit dem Erlaß der Siccardischen Gesetze und die Widersetzlichkeit des Erzbischofs Franzoni von Turin mit dessen Verbannung zu beantworten. Die Kurie rief darauf ihren Nuntius ab. Vorsichtiger verhielt sich Piemont Österreich gegenüber. Auf dessen fortgesetzte Klagen über Flüchtlinge, welche aus der Lombardei wie aus dem übrigen I. in Piemont zusammenströmten, wurden zwar nur wirkliche Unruhestifter entfernt, man suchte aber dann Österreich doch durch einen vorteilhaften Handelsvertrag zu beschwichtigen. Ein Anfang der Reaktion auch in diesem einzigen Verfassungsstaate I.s schien dagegen die Beschränkung der Preßfreiheit zu sein, zu der man sich nach dem Staatsstreiche Napoleons III. gezwungen sah, um sich nicht auch auf dieser Seite einen Feind zu schaffen. Schon aber hatte der mächtige Aufschwung begonnen, den Piemont Cavours Eintritt in das Ministerium zu danken hatte. Nachdem dieser freihändlerische Verhandlungen namentlich mit England und Frankreich angeknüpft hatte, durch die er dort Stimmung für Piemont machte, verband er sich mit Rattazzi und der Partei des linken Centrums. Nach kurzer Entfernung aus dem Ministerium kehrte er als dessen Ministerpräsident zurück (4. Nov. 1852) und begann nun den unter D'Azeglio ins Stocken geratenen Feldzug gegen die Kurie alsbald wieder in Gang zu bringen. Seine Hauptaufgabe aber sah er zunächst in der Steigerung der Staatseinnahmen und der Entwicklung der Verkehrsmittel und der Leistungsfähigkeit des Landes, dessen Lasten der Krieg fast verdoppelt hatte; gleichzeitig brachte La Marmora das Heer wieder empor. Während ein von Mazzini ausgegangener Aufstand in Mailand der österr. Regierung neuen Anlaß zu harten Verfolgungen und den Vorwand zum Abbruch der diplomat. Beziehungen mit Piemont bot, verschaffte die Verwicklung der Orientalischen Frage (s. Orientkrieg) Piemont die Gelegenheit zum Bund mit den Westmächten gegen das absolutistische Rußland. Dieser Bund ermöglichte zuerst dem piemont. Heere in der Krim (1855) seine Achtbarkeit vor Europa und I. an den Tag zu legen, und setzte dann (1856) Cavour in die Lage, auf dem Pariser Kongresse die üble Regierung in den verschiedenen Staaten I.s und die bedrohliche Machtstellung Österreichs zur Sprache zu bringen. Hierbei hatte er sich namentlich der Unterstützung Englands und Frankreichs zu erfreuen. Diese beiden Staaten hatten nach Gladstones Veröffentlichungen von 1851 über die schändliche Behandlung der betrogenen und dann niedergeschlagenen liberalen Parteien in Neapel dort vergebliche Vorstellungen über die Mißwirtschaft gemacht und riefen nun kurz nach dem Kongresse (1857) ihre Gesandten aus Neapel ab. Dieser entschiedene diplomat. Sieg Cavours hatte zur Folge, daß nicht nur die Augen von ganz Europa sich auf I. wandten, sondern auch die von ganz. I. auf Piemont, das gewagt und vermocht hatte, sich zum Anwalte seiner Leiden zu machen. Selbst Republikaner wie Manin erklärten sich nun bestimmt für die Savoyer und gegen das Verschwörertum, und er und andere, wie Garibaldi, traten dem über ganz I. sich ausbreitenden, von La Farina und Giorgio Pallavicino geleiteten Nationalvereine bei. Ein von Mazzini ins Werk gesetzter Handstreich auf Genua scheiterte an der Einsicht der Bevölkerung, und der Versuch, durch eine Landung in Sapri Unteritalien zur Erhebung zu bringen, diente nur dazu, die Aussichtslosigkeit solcher Unternehmungen in Erinnerung zu bringen. Eine ernste Gefahr für die Politik Cavours