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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italien (Geschichte 1846-49)

geheimen geistlichen Rate die letzte Entscheidung über die Beschlüsse der Kammer vor.

Unmittelbar darauf lief die Nachricht von der Wiener Revolution ein, und alsbald erhob sich Mailand, um nach fünftägigem Ringen Radetzky in der Nacht vom 22. auf den 23. März zum Abzug zu zwingen. Gleichzeitig hatte sich Venedig erhoben. Hier hatten die Österreicher in der ersten Bestürzung die Stadt aufgegeben; Manin übernahm deren Leitung, und in kurzem schlossen sich Treviso, Vicenza, Padua und Rovigo ihr an. Ebenso sahen sich die Herzöge von Modena und Parma zur Flucht genötigt. Während sich die Kurie und Toscana von der nationalen Bewegung nur bis zu ermunternden Erklärungen und zur Entsendung von Truppen an die Grenzen treiben ließen, überschritt diese Karl Albert mit seinem Heere 25. März und drang dem hinter den Mincio zurückgewichenen Radetzky nach. Dieser zog sich auf Verona zurück, um, gestützt auf das Festungsviereck, den Piemontesen den Übergang über die Etsch unmöglich zu machen. Während sich Karl Albert vor Peschiera und Mantua und in fruchtlosen Kämpfen vor Verona hinhalten ließ und aus der Lombardei, Toscana und Modena nur ungenügende Verstärkungen erhielt, hatte der Papst bereits 29. April sich außer stände zu einem Angriffskrieg gegen Österreich erklärt. Auch die röm. Truppen, mit denen Durando auf eigene Verantwortung den Po überschritt, um den Venetianern unter Zucchi die Hand zu reichen, vermochten die Vereinigung der unter Nugent vom Isonzo herbeieilenden Truppen mit Radetzky in Vicenza (10. Juni) nicht zu verhindern. Radetzky, schon vorher von Tirol her verstärkt, ging nun Ende Juli mit starker Übermacht bei Custozza und Sommacampagna zum Angriff auf die lang gestreckte Linie der Piemontesen über; nur mit großer Mühe entging Karl Alberts Heer einer Durchbrechung. Kopflos ließ es sich nach seiner Niederlage durch Radetzky auf Mailand zurückwerfen und mußte auch dies in der Nacht des 6. Aug. räumen. Radetzky bewilligte hierfür einen Waffenstillstand, der die Piemontesen zum Abzug aus der Lombardei, Venetien und den Herzogtümern und zur Rückgabe des kurz zuvor endlich gewonnenen Peschiera verpflichtete.

Schon vor dem Siege der Österreicher in Oberitalien hatte jedoch die Reaktion in Unteritalien triumphiert. Hier hatte nach dem Ausbruch des Kampfes im Norden Ferdinand II. der öffentlichen Stimme zwar scheinbar entsprochen, indem er nationale Erklärungen erließ und Heer und Flotte nach dem Kriegsschauplatz entsandte, untersagte dann aber über den Kopf seiner Minister hinweg beiden Teilen das Eingreifen in den Kampf, und als sich beim Zusammentreten der Abgeordneten für das Parlament Unruhen in Neapel (15. Mai 1848) zeigten, ward das Parlament wieder aufgelöst und ein neues, dem König ergebenes Ministerium gebildet, das alsbald das Heer zurückrief. Diesem Befehle versagte mit einem Teile der Truppen Pepe den Gehorsam und zog Venedig zu. In Neapel suchte man an Stelle der aufgelösten eine gefügigere Kammer zu erhalten durch die Beschränkung des Wahlrechts; das Land sandte jedoch die frühern Abgeordneten wieder. Nun half sich die Regierung, indem sie die Kammer vom 5. Sept. 1848 bis 1. Febr. 1849 wiederholt vertagte und währenddessen die Unterwerfung Siciliens betrieb. Angesichts dieser Entwicklung im Norden und im Süden gewann unter den schwachen Regierungen des Kirchenstaates und Toscanas mehr und mehr die Partei der Republikaner die Oberhand. Um seine auf Österreichs Gebiet vorgedrungenen Truppen völkerrechtlich zu schützen, hatte Pius IX. dieselben zwar dem Oberbefehl Karl Alberts unterstellt, aber zu dem von Gioberti betriebenen Bunde mit Toscana und Piemont konnte er sich nicht entschließen, und der von ihm 16. Sept. 1848 ins Ministerium berufene Rossi überwarf sich vollends mit Piemont. Als Rossi, der die Zahl seiner Feinde namentlich durch die Entschlossenheit, mit der er die Radikalen niederhielt, noch vermehrt hatte, 15. Nov. ermordet worden war, flüchtete der Papst nach Mola di Gaëta (24. Nov.), von wo aus er seine Rückkehr ebenso ablehnte wie die Einsetzung einer Regierung. Auf die Selbsthilfe angewiesen, beschloß nun die Kammer die Wahl einer konstituierenden Versammlung. Diese trat, der Einsprache des Papstes ungeachtet, 5. Febr. 1849 zusammen, erklärte den Kirchenstaat zur Republik und übergab die ausübende Gewalt einem Triumvirat, worin bald Mazzini die ausschlaggebende Persönlichkeit wurde. Ähnlich war die Entwicklung in Toscana. Hier hatten sich nach Karl Alberts Niederlage Unruhen namentlich in Livorno erhoben, und durch das Anschwellen der Macht der extremen Partei waren Montanelli und Guerrazzi ans Ruder gekommen, während sich die Gemäßigten, an ihrer Spitze Gino Capponi, von der Regierung zurückzogen. Dennoch wich der Großherzog erst, nachdem die toscan. Kammer die Einberufung einer konstituierenden Nationalversammlung für ganz I. beschlossen hatte. Wie der Papst flüchtete er aus seinem Lande (7. Febr. 1849) nach Gaëta und verweigerte von hier aus gleichfalls sowohl die Rückkehr als die Einsetzung einer stellvertretenden Regierung. Darauf wurde auch in Toscana ein Triumvirat gebildet, die Gewalt aber ging thatsächlich in Guerrazzis Hände allein über. Für Piemont hatten inzwischen England und Frankreich einen Frieden zu vermitteln gesucht und namentlich das erstere suchte für Karl Albert auch jetzt noch die in der ersten Bedrängnis des Krieges angebotene Lombardei herauszuschlagen; aber während Österreich die Verhandlungen in die Länge zog, bis es in Ungarn wieder Herr geworden wäre, war Mittelitalien mehr und mehr haltlos in den Strudel der Revolution verfallen. Die Unruhe und Ungeduld, die hierüber auch sein Königreich ergriff, bewog endlich Karl Albert 12. März 1849 zu dem verzweifelten Schritte der Aufkündigung des Waffenstillstandes. Trotz eifriger Arbeit war das piemont. Heer noch nicht wieder auf der frühern Höhe; dazu kam Radetzkys Feldherrnüberlegenheit. Kaum über die Grenze gedrungen, schlugen die Österreicher die Piemontesen vernichtend bei Novara 23. März 1849. Karl Albert legte die Krone zu Gunsten seines Sohnes Victor Emanuel II. nieder und dieser mußte den Waffenstillstand dadurch erkaufen, daß er sich von der Erhebung des übrigen I. zurückzog und österr. Truppen bis zum Friedensschluß aufnahm. Während Victor Emanuel unendliche innere Schwierigkeiten zu überwinden hatte, um das Land zu vermögen, den Frieden anzunehmen, schlugen die Österreicher zunächst unter Haynau das letzte nationale Aufflackern in der Lombardei, in Brescia, mit furchtbarer Härte nieder und wandten sich dann gegen Toscana, den Kirchenstaat und Venedig. Gegen die Diktatur Guerrazzis in Toscana hatte