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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Italienische Litteratur

1506), die ältere Geschichte Venedigs von Bernardo Giustiniani (gest. 1489), die Geschichte Genuas von Georgius Stella (gest. 1480). Auch zwei Künstler haben sich als Schriftsteller ausgezeichnet: Leon Battista Alberti (gest. 1472), der außer Gedichten eine Reihe von Traktaten in Dialogform und ein größeres Werk "Del governo della famiglia" schrieb, von dem bis jetzt nur ein Teil veröffentlicht ist, und Leonardo da Vinci (gest. 1510), der einen "Trattato della pittura" schrieb.

III. Periode. Das 16. Jahrh. (Cinquecento, s. d.) zeigt trotz der höchsten Blüte der ital. Poesie und Bildung schon den Beginn des Verfalls. Mit den Kämpfen für die polit. Freiheit schwindet auch der freie schöpferische Geist. Die absolute Fürstengewalt und die Reaktion der Kirche gegen das Eindringen der Reformation erstickten die freie Forschung und die edle klassische Bildung. Im Anfang des 16. Jahrh. blühen noch die klassischen Studien, und nicht wenige ausgezeichnete Männer verschmähen noch, sich der Muttersprache zu bedienen. Viele der besten neuern lat. Dichter, wie Sadoleto, Sannazaro, Vida, Navagerus, Faërno, Marcantonius Flaminius, Marcellus Palingenius Stellatus, Antonio Paleario, der Arzt und Naturforscher Girolamo Fracastoro gehören diesem Zeitraume an, ja selbst ein lat. episches Gedicht, die "Syrias" des Angelo Pietro da Barga, erschien ungefähr gleichzeitig mit der "Gerusalemme liberata" des Tasso. Aber im allgemeinen errang doch nun das Italienische die Herrschaft, zum guten Teil durch die Verdienste des Pietro Bembo. Lodovico Ariosto gab der Sprache den höchsten künstlerischen Ausdruck in seinem romantischen Rittergedicht "Orlando furioso", worin er Bojardo, sein Vorbild, fortsetzte und weit überflügelte. Eine Menge geistloser Nachahmer, wie Lodovico Dolce, Vincenzo Brusantini, Dragoncino da Fano und viele andere sind nur zu erwähnen. Andere strebten in Nachahmung der Antike, besonders Homers, das wahre Epos herzustellen, so Giangiorgio Trissino mit seiner pedantischen "Italia liberata dai Goti", Luigi Alamanni mit seinem "Girone il cortese" und in der "Avarchide". Bernardo Tasso folgte anfangs derselben Richtung, wandte sich aber dann mit geringem Talent zur Nachahmung Ariostos zurück in seinem "Amadigi". Sein Sohn Torquato Tasso hat wie kein anderer seiner Muttersprache die süßesten Töne zu entlocken gewußt; aber oft wird der Genuß seiner Werke durch Anschmiegungen an fremde Vorbilder und durch die Dürftigkeit der Ausführung gestört. Die in seinem Wesen vorhandenen Gegensätze spiegeln sich auch in seinem besten Werke, in der "Gerusalemme liberata", noch mehr in der spätern Umarbeitung des Werkes, in der "Gerusalemme conquistata" wider. Seine "Sette giornate", seine letzte poet. Arbeit, sind durch scholastische Gelehrsamkeit entstellt. Sein Beispiel reizte eine Menge obskurer Dichter, sich gleichfalls im Epischen zu versuchen; aber ihre Werke, wie der "Fido amante" von Curzio Gonzaga, "Il mondo nuovo" von Giov. Giorgini, "La Multeide" von Giov. Fratta, "La Gerusalemme distrutta" von Francesco Potenzano sind vergessen.

Wenn sich in Tasso sittlicher Ernst und bis zur Schwärmerei und Trübsinn gesteigerte Religiosität offenbart, so zeigt sich dagegen bei vielen andern die Neigung der Zeit zu Spott und Satire, die Parodien, Karikaturen und lockere Scherze hervorbringt; so in den maccaronischen Dichtungen Teofilo Folengos, so in seinem "Orlandino", oder in den kleinen humoristischen Epen Grazzinis: "Nanea" und "La guerra de' mostri". In der burlesken Poesie haben sich in dieser Zeit viele Dichter versucht, und unter ihnen manche ernste Gelehrte und Staatsmänner, am besten Francesco Berni, nach dem man die scherzhafte Poesie auch Poesia Bernesca, nannte. Neben ihm sind seine Freunde Giov. Mauro und Cesare Caporali zu nennen. Zu den besten Satiren in echt röm. Sinne gehören die Ariostos, Tansillos und Ercole Bentivoglios (gest. 1573). Die didaktische Dichtung, der stets Virgil als Vorbild galt, hat einige vorzügliche Werke aufzuweisen. Dahin gehören die "Coltivazione" des Luigi Alamanni und die "Api" des Giov. Rucellai (gest. 1526). In zweiter Reihe stehen zwei Gedichte über die Jagd: "La caccia", das eine von Tito Giov. Ganzarini, genannt Lo Scandinese, das andere bedeutendere von Erasmo da Valvasone; die "Nautica" von Bernardino Baldi (gest. 1617) und die "Fiscica" von Paolo del Rosso (gest. 1569). Außerdem ist Luigi Tansillo (gest. 1568), auch sonst bekannt durch das religiöse Gedicht "Le lagrime di S. Piero", als Dichter des "Podere", des "Vendemmiatore", der "Due pellegrini" und der "Balia" anzuführen.

Noch im 16. Jahrh. erschienen mehrere dramat. Werke in lat. Sprache; die besten sind der "Imber aureus" des Antonio Tilesio und der "Christus" von Angelo Martirano (gest. 1551). Die Bewunderung der Alten that indes der dramat. Poesie der Italiener Abbruch; was hiervon in dieser Zeit hervortritt, ist mehr oder weniger nur kalte Nachahmung jener, so Trissinos "Sofonisba", Rucellais "Rosamunda", Tassos "Torrismondo", Speronis "Canace", die Tragödien Giovan Battista Giraldis, die "Merope", deren Stoff von drei verschiedenen Dichtern, Ant. Cavallerino, Liviera und Pomponio Torelli bearbeitet wurde. Origineller und wohl die beste Tragödie des Jahrhunderts ist die "Orazia" von Pietro Aretino. Auch die Komödie (Commedia, s. d.) entstand aus der gelehrten Nachahmung der Alten; sie diente hauptsächlich zur Erheiterung der Höfe und der höhern Gesellschaft. Diese gelehrte Komödie (Commedia erudita) ward zuerst von Ariosto, Bibbiena und Machiavelli gepflegt; von Ariosto haben wir fünf Komödien, wovon die beiden ersten anfänglich in Prosa geschrieben waren, von Bibbiena das Stück "Calandria", von Machiavelli "La mandragola" und "La Clizia", die drei letzten in Prosa; weiter sind anzuführen P. Aretino, Grazzini, Lodov. Dolce, Firenzuola, Parabosco, Ercole Bentivoglio, Gelli, Giammaria Cecchi und Francesco d'Ambra. Auch der Philosoph Giordano Bruno hat ein burlesk-komisches Stück "Il candelajo" verfaßt. In den meisten Lustspielen des 16. Jahrh. ist der Einfluß der altröm. Komödie fühlbar und überall herrscht eine große Freiheit der Sitten. Neben dieser gelehrten Komödie entstand die improvisierte (Commedia dell' arte) mit ihren populären Masken, setzte sich immer mehr im Geschmack des Publikums fest und verdrängte schließlich die andern fast ganz. Auch das Schäferdrama, die Pastorale, erreichte im 16. Jahrh. die höchste Blüte. Vorauf ging das Schäfergedicht und der Schäferroman, so der "Ameto" des Boccaccio und die "Arcadia" des Sannazaro. Pastoralen von dramat. Äußern waren Giraldis "Egle" und "Il sacrifizio" von Beccari. Sie übertraf weit Tassos "Aminto", als dramat. Wert ein schwaches Produkt, aber bezaubernd durch