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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Jäderbahn; Jadrin; Jadwiga; Jaen; Jaffa; Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn; Jaffe; Jaffe (Theod. Jul.)

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Jäderbahn – Jaffé

Jäderbahn, norweg. Staatsbahn von Stavanger nach Ekersund (76 km, 1. März 1878 eröffnet).

Jadrin. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Kasan, ein erhöhtes, mit tiefen Schluchten durchfurchtes Land rechts von der Wolga, hat 3279,8 qkm, 141181 E. (Tschuwaschen und nur etwa 5 Proz. Russen), Acker-, Hopfenbau, Viehzucht, Kleinindustrie. –

2) Kreisstadt im Kreis J., links von der Sura, hat (1890) 2941 E., Post, Telegraph, 4 Kirchen, 2 Schulen; Ackerbau und Getreidehandel.

Jadwiga, Königin von Polen, s. Hedwig.

Jaen (spr. chaēn). 1) Provinz des Königreichs Spanien, der nordöstlichste Teil Andalusiens, hat 13480 qkm und (1887) 437842 (221702 männl., 216140 weibl.) E., d. i. 32 auf 1 qkm; 346638 konnten nicht lesen. Zwischen den Provinzen Ciudad Real im N., Albacete im O., Granada im S. und Cordoba im W. nimmt J. einen Rhombus ein, dessen große Diagonale von SW. nach NO. gerichtet ist, von der Stadt Alcala Real bis zur Sierra de Alcaraz. Der Guadalquivir durchfließt von O. nach W. die Provinz. Von Baeza im Centrum breitet sich sein Thal mehr und mehr gegen W. Hin aus. Im übrigen ist J. von Gebirgen durchzogen, welche zum großen Teil von der Sierra Morena im N., von Alcaraz und Segura im O. ausgehen. J. ist die bleireichste Provinz Spaniens. Berühmt sind insbesondere die Minen von Linares und La Carolina. Landwirtschaft ist nicht bedeutend; auch die Industrie beschränkt sich auf Verwertung der Bergwerksprodukte. Nur eine Bahnlinie mit zwei kurzen Abzweigungen durchzieht das Land. J. zerfällt in 13 Gerichtsbezirke. –

2) Hauptstadt (Ciudad) der Provinz J., liegt 92 km östlich von Cordoba in 549 m Höhe links über dem Thale des Guadalbullon malerisch am nordöstl. Fuße und Abhange des Monte-Jabalcuz, der mit einem, noch jetzt als Festung dienenden maur. Kastell gekrönt ist, an der Bahnlinie Espeluy-J. (36 km). Die Stadt ist Sitz eines Bischofs, hat (1887) 25706 E., alte, mit Zinnen und Türmen versehene Mauern, steil ansteigende, aber reinliche Straßen, 12 Pfarrkirchen, Hospitäler, Kasernen, Museum, ein Theater und einen Stierkampfplatz für 8000 Personen. Die bemerkenswertesten Gebäude sind die Kirche des Nonnenklosters Santa Clara und die im höchsten Teile gelegene Kathedrale, ein im röm. Stil aufgeführtes Bauwerk des 16. Jahrh., mit großer Marmorpracht.

Jaffa, richtiger Jāfā, Stadt in der türk. Provinz Syrien, auf der felsigen, unmittelbar aus dem Meer sich erhebenden Küste, hat steinerne Häuser, darunter alte Klöster der Griechen, Armenier und Lateiner, zählt 8–10000 E., meist Moslems, und ist mit Jerusalem, dessen Hafenort es bildet, durch eine fahrbare Straße, seit 1892 auch durch eine Eisenbahn (s. Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn) verbunden. Berühmt sind die schönen Orangegärten neben der 1869 gegründeten deutschen Kolonie der Tempelgemeinde. Sehr lebhaft ist der Pilgerverkehr. – J. wird bereits auf ägypt. Inschriften um 2000 v. Chr. unter dem Namen Ipu mit kanaanit. Bevölkerung erwähnt, assyr. Ja-pu-ú, hebr. Japho, grch. Joppe oder Jope. Es war wahrscheinlich ein Kultusort der Fischgottheit Derketo (s. d.) und ist deshalb wohl die Heimat der griech. Sagen von Perseus und Andromeda. Der Hafen von J. galt als der beste an der südl. Küste Palästinas, obwohl die Einfahrt wegen der zahlreichen Klippen stets gefährlich war, und befand sich im Altertum ↔ meist in den Händen der Phönizier, deren Holzlieferungen zum Bau des ersten und zweiten jüd. Tempels über J. nach Jerusalem geschafft wurden. An J., den Hafenplatz für den fernen Westen, knüpft auch die Sage vom Propheten Jonas an. Erst die Makkabäer eroberten J. für die Juden, denen es dann die Römer nahmen, doch auch zeitweise zurückgaben. Als der Apostel Petrus in J. die Tabea erweckte und aus dem Hause des Gerbers Simon, das jetzt an mehrern Stellen der Stadt gezeigt wird, nach Cäsarea gerufen wurde (Apostelgesch. 9 fg.), stand J. unter dem röm. Prokurator der Provinz Judäa. Unter Konstantin d. Gr. wurde J. Bischofssitz. Zur Zeit der Kreuzzüge war es der Hauptlandungsplatz der Kreuzfahrer und daher viel umstritten, bis es 1268 den Christen endgültig verloren ging. Napoleon Bonaparte eroberte J. 1799 und ließ hier 2000 Arnauten als Meineidige erschießen. Mehemed-Ali von Ägypten nahm J. 1832 ein, aber durch engl. und österr. Hilfe wurde es 1841 den Türken zurückgegeben.

Jaffa-Jerusalemer Eisenbahn, erste Eisenbahn nach Jerusalem, 87 km lang (1,04 m Spurweite), 31. März 1890 begonnen und 26. Sept. 1892 dem Betriebe übergeben, führt von Jaffa über Lydda und Ramleh nach der württemb. Templerkolonie bei Jerusalem,in der Nähe des Josaphatthals. Die Linie wurde von einer franz. Gesellschaft für 8500000 Frs. erbaut und für jährlich 600000 Frs. auf 5 Jahre verpachtet. Die Betriebsgesellschaft plant den Bau von Zweiglinien nach Nabulus und Gaza (über Askalon) mit einer Verlängerung nach El-Arisch zum Anschluß an die ägypt. Eisenbahnen.

Jaffé, Phil., Geschichtsforscher, geb. 17. Febr. 1819 zu Schwersenz bei Posen, studierte zu Berlin Geschichte, gewann 1843 mit seiner «Geschichte des Deutschen Reichs unter Lothar dem Sachsen» (Berl. 1843) einen von der Berliner philos. Fakultät ausgeschriebenen Preis und veröffentlichte sodann die «Geschichte des Deutschen Reichs unter Konrad III.» (Hannov. 1845). Großes Verdienst erwarb sich J. durch sein Werk «Regesta pontificum romanorum ad annum 1198» (Berl. 1851; 2. Aufl., Lpz. 1881–86). Da er aber als Jude von der akademischen Wirksamkeit in Preußen ausgeschlossen war, studierte er 1850–53 in Berlin und Wien Medizin, wurde jedoch 1854 zum Mitarbeiter der «Monumenta Germaniae historica» berufen; seine Arbeiten für die «Monumenta», für die er lange in Italien reiste, gehören zu dem Besten, was die philol.-histor. Kritik geleistet hat. Doch kam J. mit Pertz in Konflikt, sodaß er 1863 aus dieser Stelle schied, nachdem er 1862 zum außerord. Professor der Geschichte an der Berliner Universität ernannt war. Ein Meisterwerk ist seine «Bibliotheca rerum germanicarum» (6 Bde., Berl. 1864–73). Schließlich verfiel J. In Schwermut und tötete sich 3. April 1870 zu Wittenberg. Nach seinem Tode veröffentlichte Wattenbach die mit J. bearbeitete «Ecclesiae metropolitanae Coloniensis codices» (Berl. 1874).

Jaffé, Theod. Jul., Schauspieler, geb. 17. Aug. 1823 in Berlin, gab das Studium der Rechte auf, um sich der Bühne zuzuwenden. Nachdem er 1842–44 auf dem Liebhabertheater Urania gespielt hatte und im Gesang von Elsler und Kugler in Berlin und Gentiluomo in Wien ausgebildet worden war, debütierte er 1844 in Troppau. Seine nächsten Engagements (als Sänger und Schauspieler) führten ihn nach Lübeck, Halle, Magdeburg und Köln.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 823.