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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Jakobinermütze - Jakobsleiter
zuerst im Klub die "rote Mütze" (s. Freibeitsmütze)
auf, wurde aber auf Betrieb PMons und Robes-
pierres nach wenigen Tagen wieder verbannt; erst
seit dem Aufstand vom 20. Juni und dem Auf-
tauchen der "roten Fahne" (26. Juli) kam die eine
wie die andere mehr und mehr als Symbol der re-
volutionären Gesinnung in Aufnahme. Mit dem
Zusammentritt des Nationalkonvents (Sept. 1792)
erreichte der Klub den Höhepunkt seiner Bedeutung.
Jetzt erst, 21. Sept. 1792, nannte er sich "Gesell-
schaft der I." und nahm damit offiziell den Namen
an, der ihm längst beigelegt war. Während die
Girondisten (s. d.) ansingen, sich von ihm zurück-
zuziehen, gewann Robespierre dort das volle Über-
gewicht, und unter seiner Leitung entfaltete nun der
Klub die furchtbare Macht seiner Organisation durch
ganz Frankreich. Die Agitation für den Tod des
Königs, der Sturm, dem Mai 1793 die Girondisten
er^^Mn, die Aufwiegelung der Massen gegen den
besitzenden Mittelstand und die Anfänge der Vlut-
berrschaft wurden wesentlich mit Hilfe der I. ins
Werk gesetzt. Der Klub bereitete die Gewaltmaß-
regeln vor, die blutigen Schreckensakte, die Denun-
ziationen und Inquisitionen, die Terrorisierung
jeder unabbängigen Meinung, sowie auch die revo-
lutionäre Propaganda in den angrenzenden Ge-
bieten, die seit Sept. 1793 ins Leben trat. Der
Konvent gab dazu nur die Form der Genehmigung;
die Wohlfahrts- und Sicherheitsausschüsse standen
völlig unter jakobinischem Einfluß. Robespierres
Macht stützte sich wesentlich auf den Klub. Aber
der Sturz, den die eigenen Helfershelfer Nobes-
pierres 9. Thermidor (27. Juli 1794) dem Diktator
und dessen nächstem "Schweife" bereiteten, brachte
auch den I. den Todesstoß. Vergebens suckten sie
gegen die immer mächtiger werdende Reaktion an-
zukämpfen. Ein Gesetz vom 16. Okt. verbot die Affi-
liation der Klubs, und 11. Nov. 1794 ward ohne
Widerstand derIakobinerklub sür immer geschlossen;
das Sitzungsgebäude wurde später demoliert. Der
mißlungene Aufstand vom 12. Germinal (1. April)
und 1. Prairial (20. Mai) 1795 fowie die kommu-
nistische Verschwörung Babeufs waren die letzten
Lebenszeichen des altenIakobinismus; derVersuch,
unter der Direktorialregierung im Juli 1799 das
jakobinische Klubwesen zu reorganisieren, fand be-
reits 13. Aug. fein Ende. - Vgl. Zinkeifen, Der
Iakobinerklub (2Bde.,Verl. 1852-53); A. Schmidt,
Pariser Zustände während der Revolutionszeit,
Tl. 1 (Jena 1874); Taine, OrigiiiLä äs 1a Francs
o0Qt6iup0r3,in6, Bd. 2: I^a. con^uöto ^a,codiu6
(Par. 1881); Aulard, 1^3. Lociöto äeä ^codiiiZ
(2 Bde., ebd. 1889-91).
Jakobinermütze, s. Freiheitsmütze.
Iakobtten nannte sich der Zweig der Mono-
physiten (s. d.) in Syrien und Mesopotamien nach
dem Mönche Jakob Baradäus (s. d.), der sie nach
ihrer Zerstreuung unter Iustinianus zu einer selb-
ständigen Neligionspartei vereinigte, die sich auch
unter der Herrschaft der Araber behauptete. Mih-
brä'uchlicherweise wird der Name I. auch auf die
abessin., kopt. und äthiop. Monophysiten ange-
wendet, wohl wegen der gemeinsamen Sitte, beim
Abendmahl Öl und Salz zu gebrauchen. Die eigent-
lichen I. oder, wie sie sich auch nennen, Syrischen
Christen (s. d.) erkennen nur die drei ersten ökume-
nischen Konzile und die sog. Räubersynode zu Ephe-
sus von 449 an und teilen mit den übrigen Mono-
physiten das Hauptdogma, haß die menschliche Na-
tur Christi in der göttlichen ganz aufgegangen sei.
Das Mönchswesen ist bei den I. sehr verbreitet;
Bilder- und Heiligenverehrung, besonders Marien-
dienste haben sie mit der griech. Kirche gemeinsam,
der sie sich überhaupt von allen monophysitischen
Kirchen am meisten nähern; Kirchensprache ist das
syrische; Oberhaupt ist der Patriarch, der früher
in Diarbekr (Amid) wohnte, seit dem 16. Jahrh,
aber in Karamit bei Diarbekr residiert und seit dem
14. Jahrh, immer den Namen Ignatius führt. Den
zweiten Rang hat der fog. Maphrian, der speciell
die I. in Mesopotamien regiert und seinen Sitz
früher in Tagrit, seit 1089'in Mossul hat. Die
Kirche der I. blühte bis tief ins Mittelalter (s. Sy-
rische Sprache, Schrift und Litteratur), nahm dann
aber ab und zählt jetzt höchstens noch 20-30000
Familien, über ihre gegenwärtige Zahl vgl. Prym
und Socin, Der neuaramäische Dialekt des Tür
'Abdin (2 Tle., Gott. 1881).
Iakobtten, die Anhänger des 1688 aus Eng-
land vertriebenen Königs Hakob II. (s. d.) und sei-
ner Nachkommen. Viele seiner Getreuen waren
Jakob II. nach Frankreich gefolgt, und durch sie sind
Familien wie Macdonald, Fitzjames, Berwick, Dil-
lon, Mac-Mahon u. a. dort heimisch geworden.
Weit gefährlicher als sie waren für die neuen Herr-
scher in England die in der Heimat gebliebenen I.,
die besonders in Schottland, dem Stammlande der
Stuarts, sehr zahlreich waren. Der große Anhang,
den 1715 Jakob Eduard, 1745 Karl Eduard in
Schottland fanden, zeigte, daß der dortige Adel
! zum großen Teil jakobitisch gesinnt war. Alle Ver-
! suche der Herstellung schlugen jedoch mit der Nieder-
lage bei Culloden (27. April 1746) fehl. - Vgl.
^uiioäsli PHP6I-3 (Lond. 1815); Hoggs ^3>col)it6
relics (2 Bde., Edinb. 1819); Chambers' ^acodiw
inkinoirs (ebd. ^834); Jesse, ^leinoirg ok tds ?rs-
t6nä6i-8 anä tdeir 3.ä1i6l6iit8 (2 Bde., Lond. 1845;
neue Aufl. 1856).
Iakobsberg, s. Westfälische Pforte.
Iakobsbrunnen, s. Nabulus.
Iakobshagen, Stadt im Kreis Saatzig des
preuß. Reg.-Bez. Stettin, an einem See und der
Gestohlenen oder Faulen Ihna, Sitz eines Amtsge-
richts (Landgericht Stargard), hat (1890) 1928 meist
evang. E., darunter 59 Israeliten; Post und Fern-
sprechverbindung. I. erscheint zuerst 1336 im Besitz
von Siegfried und Heinrich von Stegelitz.
Iakobskraut, s. senocio.
Iakodslmlch (^Ilium Ü8w1o8uui Iv., frz. Oi-
doul? äe 3t. - ^^qu68), Winterzwiebel, auch
Schnittzwiebel, Johannislauch, Fleisch-
lauch, Hohllauch, Schlotten, in Thüringen
Klöwen (d. i. Klauen) genannt, eine ausdauernde
Zwiebelart mit zahlreichen, sehr langen, dunkelrot-
braunen Zwiebelchen; ihnen entspringen viele grau-
grüne, steife, dicke, röhrige Blätter. Es kommen von
diesem Lauch nur die jungen röhrigen Blätter
(Schlotten) zum Gebrauch und bilden einen Ersatz
für die Blätter der Speifezwiebeln, solange diese
fehlen. Die Pflanze ist winterhart und wird häufig
zu Einfassungen auf Rabatten im Gemüsegarten
benutzt, wo sie alle drei Jahre versetzt werden muß.
Der I. nimmt mit jedem Boden fürlieb und ge-
^ deiht auch im Schatten. Die Vermehrung geschieht
i durch abgetrennte Brutzwiebeln und durch Samen.
Jakobsleiter, die vom Patriarchen Jakob (s. d.)
im Traum erblickte Himmelsleiter (1 Mos. 28,12 fg.).
- I. heißen auch Strickleitern mit hölzernen Spros-