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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Japan (Bevölkerung)

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Japan (Bevölkerung)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Japan (Klima, Pflanzen- und Tierwelt'

Der japan. Wald besteht selten aus nur einer Art, sondern vielmehr aus einer großen Mannigfaltigkeit von Bäumen. Ein überaus buntes Gemisch von Pflanzen und Kräutern zeigen die hochgelegenen Wald- und Gebirgswiesen (hara). Im nördl. Jesso wird die Flora nordisch. Ganz allgemein ist sie auffallend reich sowohl an nutzbaren Gewächsen als an schönblühenden Zierpflanzen. Die Nahrungspflanzen sind im allgemeinen, und soweit es das Klima zuläßt, die gleichen wie in China (s. d., Bd. 4, S. 193), wie denn auch in der Baumwelt ein solcher Austausch zwischen beiden Ländern stattgefunden hat, daß die Ursprünglichkeit sich oft nicht mehr entscheiden läßt. Von großer ökonomischer Wichtigkeit sind Reis, Weizen, Gerste, Thee, die Baumwollpflanze und der Maulbeerbaum für die Zucht der Seidenraupe. Zur Bereitung der vielen Arten des vortrefflichen Papiers dienen der Bast vom Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera Vent.), welcher in strauchartiger Feldkultur gezogen wird und von höchster Bedeutung für das ganze Land ist, und einige andere Pflanzen; Hanf wird viel, Lein gar nicht gebaut. Der unübertreffbare Lack wird von Rhus vernificera DC., von ihm und von Rhus succedanea L. ein Surrogat des Bienenwachses gewonnen. Vortreffliches Holz gewährt hauptsächlich die durch besonders schöne Arten vertretene Familie der Koniferen. Außer verschiedenen Arten der Gattungen Chamaecyparis, Cryptomeria, Thuja, Juniperus, Thujopsis, Abies und Pinus sind hier als Eigentümlichkeiten besonders Paulownia imperialis Sieb. et Zucc. (Kiri), Zelkowa Keaki Savatier et Franchel, Sciadopitys verticillata Thunb. und Gingko biloba L. zu erwähnen. Der Kampferbaum (Camphora officinalis Nees) ist auf Shikoku, Süd-Kiushiu und den Goto noch in den Wäldern und bis 35⅔° nördl. Br. als Zierbaum bei Tempeln zu finden, ebenso das Bambusrohr, welches bis zum 40. Breitengrade in einer Menge von Spielarten vorkommt und die allgemeinste Anwendung findet. Die japan. Obstsorten sind im allgemeinen von geringer Güte; auch die europ. Arten degenerieren daselbst vielleicht infolge der Feuchtigkeit und des Regenreichtums des sommerlichen Monsunklimas. Wohlschmeckendes Obst liefern folgende einheimische Obstbäume: der Kakibaum (Dattel- oder Lotospflaume), der wichtigste von allen; Mikan oder die Mandarinorange; die Kuri oder eßbare Kastanie, das verbreitetste Schalenobst J.s, welche bis 800 m Meereshöhe sich findet; die Biwa oder japan. Mispel (Photinia japonica Benth.). Die Kaki, Mandarinorange sowie die Biwa sind jetzt auch über das Mittelmeergebiet verbreitet. Die Biwa erträgt in Oberitalien an der Riviera noch die niedere Temperatur von -8 bis 12°C. Birnen, Pflaumen, Äpfel kommen vor, sagen dem Europäer aber nicht zu; die letztern werden, wenn reif, sehr schnell schlecht. Unser Strauchobst fehlt ganz.

Die Fauna der Landtiere zeigt ein Gemisch nordasiat.-europ. und ind. Formen. Von wild lebenden Säugetieren sind ein hauptsächlich auf Jesso lebender Bär (Ursus japnicus Temk.), eine Affenart (Inuus speciosus Temm.), ein Hirsch, eine Gazelle (Antilope crispa Temm.), ein Fuchs, ein Wolf sowie mehrere Arten wilder Hunde und ein Hase die bemerkenswertesten. Viele Arten von Säugetieren (Dachs, Maulwurf, Fledermäuse, Spitzmäuse, Wildschweine, Marder) sind europäischen sehr nahe ↔ verwandt, gewissermaßen nur vikariierende Rassen. Keine Katzenart wird auf J. gefunden, aber an der Küste die seltsame Seeotter. Die Landvögel zeigen die nämliche Mischung ind. und europ.-sibir. Formen und ähnliche vikariierende Arten. In den Reptilien herrschen ind. Elemente vor, während die Amphibien, namentlich die geschwänzten, sehr selbständig entwickelt sind; zu ihnen gehört der wunderbare Riesensalamander. Auch die Fauna der Insekten zeigt ähnliche und noch merkwürdigere Zusammensetzungen wie die der Vögel, die eine Gruppe Käfer enthält mehr ind., die andere mehr sibir., eine dritte gar mehr amerik. Formen. Die Zahl der Haussäugetiere wie der Pferde (1890: 1546368) und Rinder (1044976) ist gering, die der Ziegen und Schafe ganz unbedeutend. Schweine (41000) werden nur für den Gebrauch der Ausländer gezüchtet. Von Vögeln finden sich im gezähmten Zustande Hühner, selten Enten und Tauben. Eine ungleich größere Menge von tierischem Nahrungsstoff liefert das an allen Küsten fisch- und schaltierreiche Meer.

Bevölkerung. Das gesamte Inselreich hat (1892) 40718677 E. Das entspricht einer Dichte von fast 106 E. auf 1 qkm, ein Verhältnis, das nur von wenigen Staaten übertroffen wird. Dem Geschlecht nach zerfallen sie in 20563416 männl., 20155261 weibl. E.; die Zahl der Heiraten betrug 325651, der Geburten 1086775, der Todesfälle 853139. Nach den drei Ständen gegliedert ergeben sich Kwazokus (Adlige) 3844, Shizokus oder Samurai (ehemalige Kriegerkaste) 2009396, Heimins (Volk) 38705437 Personen; 7806369 Haushaltungen. 111 Personen waren 1891 über 100 Jahre. Die Zahl der Christen betrug (1883) 40524, darunter 26382 röm.-kath., 8969 griech.-kath. und 5173 prot. Bekenntnisses. Fremde wurden (1891) 9550 gezählt und zwar 5344 Chinesen, 1708 Engländer, 967 Amerikaner, 523 Deutsche, 378 Franzosen. Im Ausland lebten 32146 Japaner, besonders viel in Hawaii (17696) und Korea (9021); in den Vereinigten Staaten (2582), China (867), engl. Kolonien, Rußland und Westeuropa. 1892 wanderten 24000 Männer und 18000 Frauen aus J. aus. Über 100000 E. haben die Städte Tokio (1161800), Osaka, Kioto, Nagoja, Kobe und Jokohama; 11 Städte haben zwischen 50- und 100000 E.

Mit Ausnahme von Jesso und den Kurilen, wo die Japaner nur spätere Einwanderer und Ansiedler sind, den Hauptteil der Bevölkerung aber die Ainu (s. d.) bilden, und den Liu-kiu, wo seit Jahrhunderten durch Vermischung von Chinesen und Japanern mit den ursprünglichen Bewohnern, welche wahrscheinlich Malaien waren, ein neuer Volksstamm von mildem Charakter und liebenswürdigen Sitten entstanden ist, besteht die einheimische Bevölkerung aus einem der homogensten und am wenigsten vermischten Völker der Erde. Die Japaner bilden einen Zweig der turan. oder mongol. Völkerfamilie und sind wahrscheinlich in vorhistor. Zeit von dem asiat. Festlande eingewandert. In der Gesichts- und Schädelbildung und ebenso auch in dem Körperbau der Japaner ist der Typus der mongol. Rasse unverkennbar. Hinsichtlich der Größe und Körperkraft stehen sie ungefähr mit den Bewohnern Italiens und des südl. Frankreich auf gleicher Stufe. Die Frauen zeichnen sich durch kleine und zarte Gestalten aus. Die Hautfarbe zeigt alle Übergänge von einem gelblichen Weiß bis zu einem bräunlichen Gelb.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 858.