Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann (Päpste)
I. III. (560-573), aus Rom gebürtig.
I. IV. (640 - 642), ein Dalmatier, verdammte
641 auf einer Synode zu Rom die Lehre der Mo-
notheleten und verwarf die von Sergius auf Befehl
des Kaisers Heraklius verfaßte Nnionsformel (d:e
sog. Ekthesis).
I. V. (685-686), aus Antiochia.
I. VI. (701-705), ein Grieche, bewog durch An-
drohung göttlicher Strafe den Herzog von Benevent,
Gisulph, zur Rückgabe der dem Exarchat entrissenen
Städte.
I. VII. (705-707), ebenfalls ein Grieche.
I. VIII. (872-882), ein Römer, verlieh Karl
dem Kahlen (875) und nach dessen Tode Karl dem
Dicken (881) die Kaiserkrone in der Hoffnung, da-
durch die Verfügung über die Kaiserkrone zu einem
Rechte des päpstl. Stuhls zu machen. Auf den Sy-
noden zu Ravenna 877 und zu Troyes 878 entzog er
den niedern Klerus der weltlichen Gerichtsbarkeit
und gestattete ihm das unbedingte Appellationsrecht
nach Rom. Den von Hadrian II. gebannten Pa-
triarchen von Konstantinopel, Photius (s. d.), er-
kannte er an in der Hoffnung, einen günstigen Ver-
gleich mit dem griech. Kaiser Bastlius zu erreichen
und die Bulgarei wieder unter röm. Jurisdiktion
zu erhalten. Deshalb beschickte er auch das zweite
Konzil zu Konstantinopel (879). Da er sich getäuscht
sah, widerrief er feine Anerkennung des Photms
und erklärte das Konzil für nichtig. Die Ruhe vor
den Saracenen mußte er sich durch einen jährlichen
Tribut erkaufen. Infolge einer Verschwörung wurde
er vergiftet und dann erschlagen.
I. IX. (898-900), aus Tiuoli, ein Benediktiner,
stellte die Ehre des Papstes Formosus (s. d.) wieder
her, krönte Lambert von Spoleto Zum röm. Kaiser
und gab ihm eine Mitwirkung bei der Papstwahl.
I. X. (914-929), Erzbischof von Bologna und
Ravenna; mit ihm beginnt die sog. Pornokratie,
die Herrschaft der Vuhlerinnen auf dem päpstl.
Throne. Er wurde durch feine Vuhlerin Theodora,
die an der Spitze der patricischen Partei stand, zum
Papst gemacht, zog in eigener Perfon gegen die Sa-
racenen zu Felde, besiegte sie 916 am Garigliano,
krönte Berengar zum Kaifer und wurde zuletzt durch
Marozia, die Tochter Theoooras, ins Gefängnis
geworfen und dort wahrscheinlich erdrosselt.
I. XI. O31-936), Sohn der Marozia und des
Papstes Sergius III., wurde durch Alberich II. (s. d.),
einen andern Sohn der Marozia, gestürzt und in
der Engelsburg eingekerkert.
I. XII. (955-964), ein Sohn Alberichs II. und
Enkel der Marozia, wurde mit 18 Jahren Papst und
änderte zuerst als solcher seinen bisherigen Namen
Oktavianum, was seitdem gewöhnlich wurde. Um
sich gegen den König Verengar II. von Italien zu
behaupten, rief er 960 den deutfchen König Otto I.
zu Hilfe, krönte ihn als Sieger (962), wurde aber
von demfelben wegen Treulosigkeit abgesetzt (963).
Er starb, nachdem er sich und seine Würde durch die
gröbsten Ausschweifungen geschändet hatte.
I. XIII. (965-972)', ein Römer, vorher Bischof
von Narni, wurde von den röm. Großen vertrieben,
vom Kaiser Otto I. aber wieder eingesetzt und stand
unter de^en besonderm Schutz.
I. XIV. (983-984), vorher Peter, Bischof von
Pavia, wurde durch Kaiser Otto II., dessen Erz-
tanzler er gewesen war, gegenüber seinem Gegen-
papste Bonifacius VII. geschützt, kam aber 983 nach
Ottos Tode in die Hände seines Gegners, wurde
in einen Kerker der Engelsburg geworfen und starb
dort, wahrscheinlich an Gift.
I. XV. (985-996), ein Römer, mußte vor dem
röm. Patricius Johannes Crescentius nach Tos-
cana fliehen und kehrte erst mit Hilfe Ottos III.
zurück. Er vollzog die erste päpstl. Kanonisation,
die des Bischofs Ulrich von Augsburg. Vor ihm
soll ein Sohn des Römers Ropertus ebenfalls unter
dem Namen I. Papst gewefen sein.
I. XVI. (997 - 998), ein calabrischer Grieche
Namens Philagathus, wurde nach Gregors V.
Vertreibung durch den Usurpator Johannes Cres-
centius auf den päpstl. Stuhl erhoben, aber durch
Kaifer Otto III. wieder gestürzt, auf der Engels-
burg in Haft gehalten und geblendet.
I. XVII. (1003), aus der Mark Ancona, mit dem
Beinamen Sicco.
I. XVIII. (1003-9), ein Römer, vorher Fana-
sus oder Fasanus.
I. XIX. (1024-33), aus dem Hause der Grafen
von Tusculum, erkaufte sich als Laie durch Be-
stechung den päpstl. Stuhl und empfing an einem
Tage alle kirchlichen Weihen. König Knut d. Gr. von
Dänemark Wallfahrtete zu ihm und traf mit ihm
eine Übereinkunft wegen Verteilung der Pallien, der
Zahlung des Zehnten und des Peterspfennigs.
Ostern 1027 krönte er Konrad II. zum Kaifer.
I. XX. (1276-77), vorher Peter Iuliani,
geb. zu Lissabon, war Arzt, dann Geistlicher, 1275
Kardinal und Bischof von Tusculum, wurde zu
Viterbo von einer einfallenden Decke erschlagen.
I. hat Briefe, philof. und mediz. Schriften hinter-
lassen. Er zählte sich, fei es, weil nach der Sage
eine Päpstin Johanna (s. d.) als I. VIII. auf Petri
Stuhl gesessen hatte, sei es, weil vor I. XV. (s. d.)
noch ein I. Papst gewefen sein soll, als I. XXI.
I. XXII. (1316-34), ein Handwerkerssohn,vorher
Jakob von Ossa oderEuse, geb. 1244 zu Cahors.
Gewandt, gelehrt und tüchtiger Kanonist, wurde er
Kanzler des Königs Robert von Neapel,später Bischof
zu Fre^us, 1310 Erzbischof von Avignon, Kardinal
und Vifchof zu Porto. Er residierte zu Avignon, von
wo aus er durch die verrufensten Finanzkünste und
Gelderpressungen den päpstl. Schatz vermehrte. Ab-
hängig von Frankreich, fuchte er den Streit zwischen
Ludwig dem Bayer und Friedrich von Österreich zu
benutzen, um die päpstl. Herrschaft über Deutsch-
land zu befestigen. Lange vermied er die Entschei-
dung; erst als 1323 der Sieg sich Ludwig zuneigte,
erklärte er sich gegen ihn und that ihn in den Bann.
Ludwig zog nach Rom und ließ sich durch Sciarra
Colonna krönen. Berühmte Rechtsaelehrte,wie Mar-
silius von Padua, sprachen dem Papste das Recht
ab, in bürgerlichen Angelegenheiten Entscheidungen
zu treffen, und der Kaifer lieh 1328 Nikolaus V.
zum Gegenpapst wählen. Kaum hatte aber Ludwig
Italien verlassen, so nahm I. 1330 Nikolaus V.
gefangen, zwang ihn, seiner Würde zu entsagen,
und trennte hierauf durch ein Edikt Italien vom
Deutfchen Reiche. I. gab die Clementinen (s. d.)
und die Nxtr3.vHFkmt68 (s. d.) heraus, mit denen
das Oolpug ^uri8 03.11011101 schließt. - Vgl. Carl
Müller, Der Kampf Ludwigs des Bayern mit der
Kurie(2Vde.,Tüd.1879-80);Verlaque,^6anXXII
(Par. 1883); Preger, Die Politik der Papstes
I. XXII. (Münch. 1885); Fetten, Die Bulle "Ns
I)ra6t6i-6Ht" (2 Bde., Trier 1885-87).
I. XXIII. (1410-15), ein Neapolitaner, vorher
Balthasar Cossa, soll in seiner Jugend See-