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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann (von Wesel) - Johanna II.
Johann von Wesel, Vorreformator, eigentlich
Johannes Nuchrath, geb. im ersten Viertel des
15. Jahrh, in Oberwesel, war um 1450 Professor
in Erfurt, später Prediger am Rhein, wahrscheinlich
in Worms, bekämpfte vom streng Augustmischen
Standpunkte ausgehend das Ablaßwesen, das
Fastengebot und die Macht der Hierarchie sowie
die kirchliche Transsubstantiationslchre. Er wurde
deshalb 1479 von den Mainzer Dominikanern ver-
klagt, vom Erzbischof Dicther von Mainz als Ketzer
verurteilt und seine Schriften verbrannt. Dem
Tode auf dem Scheiterhaufen entging er nur durch
seinen Widerruf im Dom zu Mamz, worauf er in
ein Kloster gesteckt wurde und daselbst 1481 starb.
Von seinen Schriften haben sich einzig die beiden "v6
iii<1uiF6iitii3" und "1)6 I)0t68tat6 6(^i68iH8tica" er-
halten (hg. von Walch in seinen (Moiniin^nw ineäii
a6vi", Gott. 1757). - Vgl. Ullmann, Reformatoren
vor der Reformation (2. Aufl., Bd. 1, Gotha 1866).
Johanna, der 127. Planetoid.
Johanna, eine der Comoren (s. d.).
Johanna, die Päpstin (Frau Intte),soll nach
der l^age zwischen Leo IV. (gest. 855) und Vene-
dikt III. (gest. 858) als Johann VIII. den Stuhl
Petri innegehabt haben. Als Tochter eines engl.
Missionars in Mainz oder in Ingclheim geboren,
soll sie in Fulda mit einem Mönch ein vertrautes
Verhältnis unterhalten haben und mit diesem in
Mannskleidern nach Athen geflohen sein. Von dort
unter dem Namen Johannes Anglicus nach Rom
gekommen, wurde sie der Sage nach zuerst Notar der
Kurie, später Kardinal, endlich Papst, bis sie bei einer
Prozession entbunden ward und starb. Dies sei der
Grund zur Einführung der 8611a Ltercoi-aria, die,
um das Geschlecht des Papstes vor seiner Ordina-
tion zu prüfen, thatsächlich seit Mitte des 11. Jahrh,
bis auf Leo X. benutzt wurde. Diese zuerst bei Ste-
phan von Vourbon, einem franz. Dominikaner (gest.
1261), aufgezeichnete, dann allgemein geglaubte Er-
zählung wurde zuerst von dem Reformierten Vlondel
(Mitte des 16. Jahrh.) als unhistorisch bezeichnet.
Sie scheint entstanden zu sein als Verhöhnung des
Weiberregiments unter Johann X. bis XII. (914-
964). Poetisch verwertet wurde sie von Schernberk
("Ein schön Spiel von fraw Iutten", 1480, gedruckt
Eisleb. 1565, und von Achim von Arnim im 19. Vde.
seiner "Sämtlichen Werke", 22 Bde., Verl. 1853
-56). - Vgl. Döllinger, Die Papst-Fabeln des
Mittelalters (2. Aufl., Stuttg. 1890).
Johanna die Wahnsinnige, Königin von
Castilien, geb. 1479 in Toledo als Tochter Fer-
dinands des Katholischen von Aragonien und der
Isabella von Castilien, wurde 1495 mit Philipp
dem Schönen, dem ^ohne Kaiser Maximilians I.,
vermählt. Durch den Tod ihrer ältern Geschwister
wurde sie die alleinige Erbin der span. Reiche und
bestieg nach dem Ableben ihrer Mutter 1504 den
Thron von Castilien. Die Trauer um den Tod
ihres Gemahls (1506) rief eine unheilbare Geistes-
krankheit bei ihr hervor; sie verbrachte den Rest
chres Lebens in dem Schlosse von Tordcsillas, wo
sie 1554 starb. Sie ist die Mutter der Kaiser Karl V.
und Ferdinand I. - Vgl. Villa, 1^3. reina, äoüa.
.luana Ia loca Madrid 1892).
Johanna ^eymour, dritte Gemahlin Hein-
richs VIII. von England, s. Seymour.
Johanna, Königin von Frankreich, geb.
1270, Erbtochter Heinrichs I. von Navarra, mußte
in früher Jugend mit ihrer Mutter nach Frankreich
fliehen und wurde 1284 von Philipp III. mit seinem
Thronfolger, dem spätern Philipp IV. dem Schönen,
vermählt, wodurch Navarra an Frankreich kam.
I. starb 1305 in Vincennes.
Johanna, Königinvon Frankreich, Gemahlin
Ludwigs XII., geb. 1464 als Tochter Ludwigs XI.,
wurde, obwohl sie von abstoßender Häßlichkeit war,
dem erstern, damals noch Herzog von Orle'ans, von
ihrem Vater aufgedrungen. Sie war eine treue
Gemahlin und befreite ihren Gatten durch ihre Für-
bitte bei ihrem Bruder, König Karl VIII., aus lan-
ger Haft, die sie freiwillig geteilt hatte. Trotzdem
ließ sich Ludwig, als er 1498 auf den Thron ge-
kommen war, noch in demselben Jahr durch Papst
Alexander VI. von I. scheiden, um 1499 die Witwe
seines Vorgängers, Anna von Bretagne, zu heiraten.
I. zog sich nach Vourges zurück, wo sie ganz Werken
der Wohlthätigkeit lebte und 1501 den Orden der
Annunciaten (st d.) stiftete. Sie starb 1504 und
wurde von Benedikt XIV. 1743 selig gesprochen.
Johanna von Albret, Königin von Na-
varra, s. Albret.
Johanna I., Königin von Neapel (1343-82),
geb. 1316, Tochter des 1328 gestorbenen Karl von
Anjou, folgte ihrem Großvater Robert in der Re-
gierung. Nachdem sie den ihr von letzterm aufge-
drungenen Gatten, ihren Vetter Andreas von Un-
garn, Sept. 1345 hatte erdrosseln lassen, heiratete
sie Aug. 1346 Ludwig von Tarent, mußte aber mit
diesem 1347 vor Ludwig I. von Ungarn nach der
Provence flüchten. Da jedoch die Ungarn, die sich
schon unter Andreas verhaßt gemacht hatten, aufs
neue mit den Neapolitanern in Konflikt kamen, und
diese sich nach dem Abzug Ludwigs I. erhoben, konnte
I. 1352 nach Neapel zurückkehren, unterstützt von
Papst Clemens VI., den sie durch die Abtretung von
Avignon gewonnen hatte. Nun wurde ein glänzen-
der Hofhalt geführt, während das Volt verarmte.
Um das unruhige Land im Frieden zu erhalten,
suchte sie an Jakob von Mallorca eine Stütze zu ge-
winnen, mit welchem sie sich nach dem Tode Lud-
wigs von Tarent (1362) vennählte, während sie zu-
gleich ihrem Vetter Karl von Durazzo ihre Nichte
zur Gattin gab und ihm die Erbfolge zusicherte.
Jakob, hierüber mißvergnügt, zog sich nach Mallorca
zurück, und als I. nach seinem Tode eine vierte
Ehe mit dem Conoottiere Otto von Braunschweig
einging, erhob sich Karl von Durazzo, unterstützt
von Papst Urban VI., gegen I., für welche sich
Clemens VII. erklärte. Sie wurde gefangen ge-
nommen und 22. Mai 1382 zu Muro erdrosselt,
ehe Ludwig I. von Anjou, den sie zum Erben ein-
gesetzt und Clemens VII. gekrönt hatte, eintraf. -
Vgl. Crivelli, Deiia. prima. 6 äsiia. 86C0uäa. 6io>
V2.NHH, I-6F1N6 äi ^Npoli (Padua 1832); Battaglia,
(^iov^nna, I", r6^wii äi I^kpoli (ebd. 1835); Ellet,
8C6N68 in t1i6 Iif6 0k^0Huii3. ol 3ici1^ (Lond. 1840).
Fohanna II., Königin von N e a p e l (1414-35),
Tochter Karls III. von Durazzo, geb. 1371, folgte
ihrem Bruder Wladislaw in der Regierung. Durch
ihre Liebschaften und Launen zerrüttete sie das Neich
ganz und gar. In erster Ehe (1389) war sie mit
Wilhelm von Osterreich, in zweiter (1415) mit Jakob
von Vourbon verheiratet. Dieser ließ I.s ersten
Liebhaber, Pandolso Alopo, hinrichten und setzte sie
selbst ins Gefängnis; als sie jedoch 1416 durch ihre
Unterthanen befreit wurde, warf sie ihren Gemahl
in den Kerker, der nach Frankreich in ein Kloster
entkam und sie ihrem zweiten Geliebten Gianni Ca-