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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann II. (König von Schweden) - Johann (von Speyer)
von Valm, Rudolf von der Wart, Konrad von
Tegernfeld u. a., die gleichfalls Kränkungen erlitten
hatten, gegen des Königs Leben. Als Albreck!
1. Mai 1308 bei Windisch über die Neuß gesetzt
war, drängten sich die Verschworenen an ibn und
mordeten ihn auf dem Grund und Boden seines
Stammgutes. Die Verschworenen entflohen, jeder !
einzeln, I. aber ist verschollen. Nach einigen soll er
von Papst Clemens V. zu Avignon Verzeihung er-
halten haben und als Augustinermönch zu Pisa
gestorben sein; nach einer zweiten Überlieferung
soll er hier mit Heinrich VII. 1313 zusammen-
getroffen sein und Verzeihung ersieht haben; nach
einer dritten soll er als Mönch auf dem Stamm-
gute Eigen gelebt und erst bei seinem Tode, 1368,
sich zu erkennen gegeben haben. Kaiser Heinrich VII.
sprach bald nach seinem Regierungsantritt zu Speyer
übsr die Mörder seines Vorgängers die Acht aus. -
Vgl. Mücke, Albrecht I. (Gotha 1866).
Johann!!.,König von Scbweden, s. JohannI.,
König von Dänemari (S. 927).
Johann III., König von Schweden (1569
-92), geb. 1537, war der zweite Sohn Gustavs I.
Wasa und vom Vater mit dem südwestl. Finland
ausgestattet worden, während der ältere Bruder
Erich XIV. 1560 in Schweden nachfolgte. Zwischen
beiden Brüdern brach offene Feindschaft aus, als
I.sich mit der kath.Katharina aus dem poln. Königs-
hause der Jagellonen verheiratete und in nähere Ver-
bindung mit dem König von Polen, dem Feinde
Erichs, trat. Nach Stockholm vorgeladen, kam er
nicht, wurde zum Tode verurteilt, m Äbo 12. Aug.
1563 gefangen genommen und dann auf dem Schlosse
Gripsholm in Hast gehalten. In einer Anwandlung
von Neue ließ Erich den Bruder (8. Okt. 1567)
plötzlich frei, zu seinem Verderben. Denn I. und
sein jüngerer Bruder Karl von (^üdermanland er-
hoben bald offenen Aufruhr, bemächtigten sich Stock-
holms (29. Sept. 1568), ließen Erich von den Stän-
den abfetzen und zu ewiger Gefangenschaft ver-
urteilen. An feiner Statt wurde I. 24. Jan. 1569
zum Könige gewählt und sicherte sich die Krone 1577
durch die Ermordung Erichs. Der lange Krieg, den
er mit den zeitweise mit den Polen verbündeten
Russen um den Besitz der livläno. Provinzen zu
führen hatte, erschöpfte die Hilfsmittel Schwedens.
Im Innern herrschte in der Verwaltung und den
Finanzen Unordnung. Den Bekchrungsversucken
des Jesuiten Antonio Posfevino kam I. so weit ent-
gegen, daß man an seinen hcimlicken Übertritt
glaubte. Als jedoch der Papst die Bedingungen,
die I. für fein öffentliches Bekenntnis zum Katho-
licismus stellte, nicht annahm, lenkte er wieder ein,
und 1580 verließen die Iefuiten das Land. 1587 ge-
lang es I., feinem Sohne Sigismund die poln.
Krone zu verschaffen. I. starb 17. Nov. 1592.
Johann Gaston de' Medici, letzter Groß-
herzog von T o s c an a, s. Medici, Johann Gaston de'.
Johann George, Chevalier deSare, sächs.
Feldmarschall, natürlicher Sohn Augusts des Star-
ken von Ursula Katharina Lubomirska, der Gemahlin
des poln. Kronoberkammerherrn Fürsten Lubomirski,
geborenen von Vockum, die, kurz nach der Geburt
dieses Sohnes vom Kaiser zur Reichsfürstin erhoben,
1722 sich mit Prinz Friedrich Ludwig von Württem-
berg vermählte und 4. Juli 1744 starb. Ihr Sohn,
21. Aug. 1704 geboren, wurde zunächst in Rom von
den Jesuiten für den geistlichen Stand erzogen und
nat in den Malteserorden ein, trat aber 1729 in
sächs. Kriegsdienste und machte in diesen, nachdem
er 1732 seinen Stiefvater nach Corsica begleitet hatte,
zunächst den poln. Thronfolgekrieg und den Türken-
krieg von 1737 mit; später kommandierte er in den
Schlesischen Kriegen unter seinem Halbbruder, dem
Grafen Rutowfki. Im Beginn des Siebenjährigen
Krieges geriet er mit den sächs. Truppen in preuß.
Gefangenschaft, sodaß er während der ganzen übri-
gen Dauer desselben unthätig sein mußte. Nach der
Beendigung übernahm er 30. März 1762 als einst-
weiliger Befehlshaber der Armee deren Wiederher-
stellung und wurde 25. Juli zum Feldmarschall, Di-
rektor des Geh. Kriegsratskollegiums und Gouver-
neur von Dresden ernannt, legte aber 30. Jan. 1770
alle seine Würden nieder und starb 25. Febr. 1774
als letzter sächs. Feldmarschall. - Vgl. O'Byrn, I.
G. Chevalier de ^are sDresd. 1776).
Johann Ciudad (Johannes von Gott oder
IuandeDio), s. Barmherzige Brüder.
Johann von Leiden, eigentlich Johann
Beukelszoon, Bockelson, auch Bockold ge-
nannt, Führer der Wiedertäufer (s. d.) in Münster,
wurde um 1510 zu Leiden geboren und ließ sich dort
nach seinen Wanderjahren als Schneider nieder.
Von der Lehre der Wiedertäufer ergriffen, wurde er
einer ihrer eifrigsten und begabtesten Wanderpro-
pbeten. So kam er mit Jan Matthys 1533 nach
Münster, unterstützte diefen bei feinem Bekehrungs-
werk und ward, als Matthys 1534 siel, dessen Nach-
folger. I. richtete nun Münster zum "Königreich
Zion" ein, bildete die Gesetzgebung nach den theo-
tratischen Anschauungen des Alten Testaments und
ließ sich zum König von Zion ausrufen. Er führte
die Vielweiberei ein, schwelgte in Üppigkeit und
königl. Prackt und machte die Stadt zum Schau-
platz zahlloser religiös-fanatischer und grobsinn-
licher Ausschweifungen. Nachdem im Juni 1535
Münster durch den Bischof erobert war, wurde I.
23. Jan. 1536 unter furchtbaren Martern hinge-
richtet und sein Körper in einem eisernen Käfig am
Turme der Lambertikirche aufgehängt. In Hamer-
lings "König von Sion" sind die Schicksale I.s
episch behandelt. - Vgl. Cornelius, Geschichte des
münsterischen Aufruhre, Bd. 1 u. 2 (Lpz. 1855-60);
Hase, Neue Propheten (2. Aufl., ebd. 1860); Ludw.
Keller, Geschichte der Wiedertäufer (Münst. 1880).
Johann vonLigne, s. Arenberg.
Johann vonNepomuk, s. Nepomuk.
Johann von Speyer, der erste Buchdrucker
Venedigs. Sein Erstlingsdruck wc^n ^469 die
< ^piswlas ad lami1iHi68" des Cicero, dem vor Ab-
lauf von vier Monaten eine 2. Ausgabe, jede zu
300 Exemplaren, folgte. Im September desselben
Jahres erhielt er vom Senat ein Privilegium für
den ausschließlichen Druck und Verkauf von Büchern
in Venedig auf fünf Jahre, starb aber schon 1470
über dem Druck von Augustinus' "1)6 civit^w
äei". Dieser wurde von seinem Bruder W end e lin
sV6iiä6iinu8 8pii'6N8i8) beendigt, der (mit andern
Typen) aucb weiter druckte, eine kurze Zeit (1472-
73) in Verbindung mit Johann von Köln. Der
Studienrichtung in Italien entsprechend betreffen
seine Drucke, die noch heute sehr geschätzt werden,
hauptsächlich lat. Klassiker und Humanisten, aber
auch national-ital. Schriften von Tante, Petrarca
u. a. Jenes Druckprivileg wurde auf Wendelin
nicht übertragen. Seine Thätigkeit erlischt mit dem
I. 1477. - Vgl. Pellegrini, i>6l1a prima, oi-i^in^
äeiia Ztampa. in V6ii62ia (1794).