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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Johann Orth - John
linnenen kreuze auf der linken Seite desselben
tragen. Die Ehrenritter haben einen roten Leib-
rock, weißen Kragen und Aufschlage mit goldenen
ritzen, weiße Beinkleider ohne Tresse und dreieckigen
Hut ohne Federn. (S. Tafel: Die wichtigsten
Orden I, Zig. 28.) - Vgl. Herrlich, Die Ballen
Brandenburg/des I. (2. Aufl., Verl. 1391).
Johann Orth, s. Johann Nepomuk Salvator,
Erzherzog von Österreich (S. 929 d).
Johannot (fpr. schoannoh), Francois, Zeichner
nnd Lithograph, geb. zu Offenback, 'stammte von
einer franz. Familie, die nach der Aufhebung des
Edikts von Nantes sich in Deutschland nieder-
gelassen hatte; er arbeitete zu Anfang des 19. Jahrb.
und machte gleichzeitig mit Senefelder (s. d.) litho-
graphische Versuche, woran Charles Andre aus
Offenbach teilnahm. Doch siedelte I. nach Paris
über und gründete daselbst mit Andre die erste
lithographische Anstalt, die kein besonderes Glück
machte. Seine drei Söhne waren:
Charles I., geb. 1793 zu Frankfurt a. M., war
Kupferstecher, lieferte Umrisse zum Leben der heil.
Genoveva von Brabant (12 Blätter, Par. 1813)
sowie Vignetten für die Werke von Bouillr" und
starb 1825 zu Paris.
Alfred I., geb. 21. März 1800 zu Offenbach,
erlernte bei seinem ältern Bruder die Kupsersteck-
kunst und verfertigte die Kupfer und Vignetten zu
den Ausgaben der franz. Übersetzungen von Walter
Scott, Cooper und Byron, später widmete er sich
der Malerei und übertrug auf seine meist der Ge-
schichte entlehnten Malerwerke die gefällige Weise,
die seinen Kupferstichen eine günstige Aufnahme
verschafft hatte. I. starb 7. Dez. 1837 zu Paris.
Tony I., geb. 9. Nov. 1803 zu Offenbach, gest.
4. Aug. 1852 zu Paris, half seinem Bruder und
Lehrer Alfred bei dessen Kupfern und Vignetten
und erwarb sich ebenfalls großen Ruf als Kupfer-
stecher. Seine zahlreichen Radierungen, Kupfer-
stiche und Holzschnitte, die von oder nach ihm für
Prachtausgaben angefertigt wurden, zeichnen sick
durch liebenswürdige Grazie aus. 1831 trat er
ebenfalls als Maler auf; so malte er sür den Her-
zog von Orleans den Tod des Connetable Du-
guesclin (1834) und im Auftrag des Königs für das
Historische Museum in Versailles die schlachten
bei Rosebecque (1839), bei Fontenay (1840), Er-
stürmung des Engpasses Meandre (1841).
Johannsdorf, Albrecht von, ein Minnesänger,
der in den 1.1185-1209 als Ministeriale der Bi-
schöfe von Passau und von Bamberg vorkommt und
wohl am Kreuzzuge von 1190 tellnahm; er dick-
tete Liebeslieder von natürlicher individueller Em-
pfindung, der sich ein schwärmerisch religiöser Zug
einmischt (hg. in "Des Minnesangs Frühling" von
Lachmann und Haupt, Nr. 12, 3. Aufl., Lpz. 1882".
^olin lengl., spr. dschonn), Johann.
John, Eugenie, Romanschriftstellerin, unter dein
Pseudonym E. Marlitt, geb. 5. Dez. 1825 zu
Arnstadt in Thüringen, war die Tochter eines Ma-
lers und wurde im 16. Jahre von der regierenden
Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen wegen
ibrer schönen stimme als Pflegetochter angenom-
men, ^ie ging auf Kosten der Fürstin zu ihrer
musikalischen Ausbildung nach Wien, wo sie drei
Jahre lebte, betrat auch die Bühne, mußte jedock
wegen eines plötzlich auftretenden Gehörleiden^
der theatralischen Laufbahn entsagen und kebrte
als Vorleserin in die Umgebung der Fürstin zu-
Vrockhaus' AmiM'rsations ^cxikmi. 14. Aufl. IX.
rück. Nachdem sie 1863 ihre Stellung aufgegebeil
hatte, ging sie nach Arnstadt, wo sie lange leidend
bei ihrem Bruder lebte und 22. Juni 1887 starb.
Ihre erste Arbeit war die Novelle "Die zwölf
Apostel", die 1865 in der "Gartenlaube" erschien.
Dieser Novelle folgten die Romane "Goldelse" (Lpz.
1866), mit der sie ihren litterar. Ruf begründete,
"Blaubart" (ebd. 1866), "Das Geheimnis der alten
Mamfell" (2 Bde., ebd. 1867), "Reichsgräsin Gisela"
(2 Bde., ebd. 1869), "Heideprinzeßchen" (2Bde.,
ebd. 1871), "Die zweite Frau" (ebd. 1874), "Im
Hause des Kommerzienrars" (2 Bde., 1877), "Im
Schillingshof" (2 Bde., ebd. 1880), "Amtmanns
Magd" (1881), "Die Frau mit den Karfunkelsteinen"
(2 Bde., 1885). Den nachgelassenen Roman "Das
Eulenhaus" vollendete W. Heimburg (1888). Die
Romane der Marlitt sind spannend und von leb-
hafter Darstellung, wenn ihnen auch jeder feinere
künstlerische Reiz und tiefere poet. Wahrheit mangeln.
Sämtliche Arbeiten wurden zuerst in der "Garten-
laube", dann in Buchform veröffentlicht und hatten
viele Auflagen. Eine illustrierte Gesamtausgabe
ihrer "Gesammelten Romane und Novellen" erschien
in 10 Bänden (Lpz. 1888-90).
John, Franz, Freiherr von, öfterr. Feldzeug-
meister, geb. 20. Nov. 1815 zu Brück an der Leitha,
trat 1835 in das österr. Heer und war 1848 General-
stabshauptmann beim Feldmarschall Radetzky, wo
er sich namentlich in der Schlacht bei Cuftozza aus-
zeichnete. In den spätern Jahren war I. General-
stabschef der Truppen in Toscaua und im Römifchen
und wurde 1857 zum Obersten befördert. Wäh-
rend des Italienischen Krieges von 1859 war I.
Generalstabschef des 6. Armeekorps in Südtirol,
bis er nach Abschluß des Friedens von Zürich zum
Chef des Generalstabes der Zweiten Armee im
Lombardisch - Venetianischen Königreich ernannt
wurde. Im Kriege gegen Preußen und Italien
war I. 1866 Generalstabschef der Südarmee, die
unter dem Erzherzog Albrecht 24. Juni den Sieg
bei Cuftozza erfocht, wofür I. zum Feldmarschall-
lieutenant ernannt wurde. Als der Erzherzog in-
folge der für Osterreich unglücklichen Ereignisse auf
dem nördl. Kriegsschauplätze an die Spitze der gan-
zen Armee gestellt wurde, stand I. ihm abermals
als Chef des Generalstabes zur Seite. In dieser Stel-
lung blieb er auch nach beendetem Kriege, außerdem
wurde er mit der Leitung des Kriegsministeriums
betraut, im Okt. 1866 definitiv zum Kriegsminister
ernannt und 1867 von der stelle eines General-
stabschefs enthoben. Nach dem Ausgleich mit Un-
garn wurde I. Dez. 1867 Reichskriegsminister, doch
schied er schon Jan. 1868 aus dem Ministerium aus.
I. wurde 1869 Generalkommandant in Graz, 1873
Feldzeugmeister, 1874 wieder Chef des Generalstabs
der Armee und starb 25. Mai 1876 zu Wien.
John, Richard Eduard, Jurist, geb. 17. Juli
1827 zu Marienwerder in Westpreuhen, studierte in
Leipzig, Berlin und Göttingen und habilitierte sich
1853 in Königsberg, wo er 1856 eine außerord.
und 1859 eine ord. ProfeMr erhielt. Im Mai 1862
in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt, gehörte
er der Fortschrittspartei, seit 1866 der nationallibe-
ralen Partei an. 1867 legte I. sein Mandat nieder.
Er wurde 1868 ord. Professor der Rechtswissenschaf-
ten in Kiel, 1869 in Göttingen, 1870 zum Mit-
gliede des hanseatischen Oberappellationsgerichts
zu Lübeck gewählt, 1876 Professor des Strafrechts
in Göttingen, wo er 7. Aug. 1889 starb, ^ein
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