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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kálmán - Kalmius
öffentlichen Geschäfte. Tas Fest scheint ursprüng-
lich eine Beziehung auf das Reifen der Feldfrüchte
aehabt zu haben, für die man fich der Gunst der
"Vört'm versichern wollte.
Kalman, König von Ungarn, s. Koloman.
Kalmank, älterer Name für Lasting (s. d.).
Kalmar, Hauptstadt des schwed. Kalmar-Län
if. d.), liegt am Ufer und größtenteils auf der
Insel Qvarnholmen des hier 7,5 km breiten Kalmar-
lundes, und an der Linie K.-Emmaboda (57 km, An-
schluß anKarlskrona-Weriö) derEchwed.Privatbab-
ncn. K. ist Sitz des Landeshauptmanns und eines
Bischofs, hat (1892) 11779 C., eine Domkirche aus
Kalkstein im Renaissancestil, 1660-99 nach Zeich-
nungen von Nik. Tefsin dem Ältern, erbaut auf
Qvarnholmen, ein altes Schloß Kalmarnabus mit
Wällen und Gräben, jetzt restauriert, Gvmnasium mit
Bibliothek, naturhistor. Sammlungen und Münz-
kabinett sowie ein Denkmal zur Erinnerung an die
Landung Gustav Wasas (1520). Der Hafen ist gut.
Ausgeführt wurden 1892: Hafer (4,74 Mill. KZ),
Kleie, Zündhölzer l87 390 kx), Maschinen, Steine (sür
53615 Kronen), Sparren und Balken (34284 cdm),
Planken (10482 cdm", Bretter und Grubenstützen
<31195 cdm), Vrenndolz (24500 clim). Zur Ein-
fuhr kamen: gesalzene Heringe (1,04 Mill. K3),
Roggen (4,2i), Weizen (13,5i), Superphosphat und
Guano (2,73 Mill. kF), Speck, 5iohlen, Petroleum,
Wein und Gewebe. Von den 657 nach dem Aus-
land gebenden schiffen waren 210 deutsche und
296 dänische. Die Industrie erstreckt sich auf Fa-
brikation von Zündhölzchen, Papier und Bier,
Schiffbau und Holzsägerei. K. ist ^itz eines deutschen
Konsuls. - Bekannt ist die Kalmarische Union (s. d.).
Kalmare (I^oliZo), die schlanken zehnarmigen
Kopffüßer (s. d.) mit einer hornigen Binnenfchale und
einer breiten Ruderflosse am Hinterende, während
die plumpen mit Kaltschale als Sepia (s.d.) bezeich-
net werden; die K. sind häusig in fast allen Meeren,
leben pelagifch und gern gesellig, crrcicben oft
cine bedeutende Größe und vermögen durch Aus-
stößen des Wassers nicht bloß rückwärts, sondern
durch Ilmbiegung des Trichters auch vorwärts zu
schwimmen. Die Bewegungen des ganzen Schwarms
erfolgen gleichmäßig wie auf Kommando. Der
Name kommt vom lat. tdeca caiinki-ill, Schreib-
zeug, Tintenfaß, entspricht also der Bezeichnung
Tintenfisch. Junge K. gelten, z. B. in Italien, alö
Leckerbissen. Den gemeinen Kalmar (I^oli^o
vul^ariä ^nm.) zeigt die Tafel: Kopffüßer, Fig. 2.
Kalmarifche Union, die durch die Königin
Margarete (s. d.) 1397 bewirkte Vereinigung der
drei nordischen Reiche zu einer Monarchie. Die
Union wurde zwar (ebenfalls zu Kalmar) 9. Juli
1438 sowie durch König Johanns Receß vom
7. Sept. 1483 erneuert, aber durch die Wahl des
Gustav Wasa zum König von Schweden in Strengnäs
6. Juni 1523 und definitiv durch den Receß von
Malmö 1. Sept. 1524 aufgelöst. Die fog. Nnions-
akte vom 20. Juli 1397 hat sich bei genauer Prü-
fung als ein nie zu voller Gültigkeit gelangter
Präliminarvertrag erwiesen; doch kann die Union
der drei Länder bis auf weiteres von da an gereck-
net werden. - Vgl. Erslev, Unionsbrevet fra Kal-
marmodct 1397 chopenh. 1889).
Kalmar-Län, einer der südl. Bezirke Sckwe-
dens, besteht aus dem östl. Teile der Provinz ^ma-
land und aus der Insel Öland, hat 14496,7 ykin,
darunter 443 hkm Gewässer, und 232 847 E., d. i.
Artikel, die man uut^r K vcrm
20 auf 1 hkm. 14 Proz. sind Ackerland, 9 Proz.
Wiesen und 50 Proz. Waldungen. Ackerbau ist der
wichtigste Erwerbszweig: auch sind Fischerei und
Bergbau (Eisen und Kalkstein) von Bedeutung. Das
Län wird von sieben Privateisenbahnen mit einer
Gesamtlänge von 319 km durchzogen. Städte sind
Kalmar, Westervik, Osharshamn, Wimmerby und
Borgholm. Wichtig ist auch der Flecken Mönsteräs.
Kalmar-Sund, Meerenge zwischen der Insel
Qland und der schwed. Ostküste, ist 130 km lang und
bis 23 km breit.
Kalmäuser oder Kahlmäuser, auch Kla-
müser, ein mehrdeutiges Wort, zuerst von Fischart
im Sinne von Schmarotzer gebraucht, nahm dann
die Bedeutung von Kopfhänger, Stubenhocker,
Federfuchser, armer Schlucker an. Die Herkunft
des Wortes ist unsicher; nach verbreiteter Ansicht
wäre es eine Verstümmelung aus Kamaldulenfer,
nach andern gehörte es zu cai^inus, "Schreibrohr";
wahrscheinlicher ist es ebenso wie Duckmäuser deut-
schen Ursprungs, soviel wie kahler Schleicher.
Kalmen, Windstillen, auch Gegenden, über denen
solche vorwaltend sind. Von Wichtigkeit sind be-
sonders drei Gürtel von K., die unter 35° nördl.
und südl. Breite liegenden Roßbreiten (s. d.) und die
äquatorialen K. oder Doldrums (s. Atmosphäre,
Bd. 2, S. 46 d). Die K. verschieben sich mit der
Sonne; im Juli liegen sie mehr dem Nordpol zu
als im Januar, die Doldrums befinden sich stets
nördlich vom Äquator.
X2.I1N12. !>., ein zur Familie der Ericaceen (s. d.)
gehörige, nur 5 Arten umfassende Gattung kleiner
immergrüner Sträucher Nordamerikas. Wegen der
schönen meist weißen oder rosenroten, bald Hellern,
bald dunklern Blumen und der oft glänzenden und
glatten, länglichen oder elliptischen Blätter werden
diese herrlichen, wiewohl bei uns nur halbharten
Sträucher in den Gärten sehr geschätzt. Die be-
kanntesten Arten sind X. lrnFuätiloliii ^. mit schma-
len Blättern und tiefrofenroten Blumen, X. F^nca
^1?'t. mit oben glänzend dunkelgrünen, unten grau-
lichen Blättern und hellrosenroten, langgestielten
Blumen, und Iv. ikMolia ^. mit verhältnismäßig
großen langgestielten, lederartigen, auf beiden
Fläzen glänzenden lorbeerartigen Blättern und
mit tellerförmigen roten, auch weißen Blumen.
Von jeder diefer Arten giebt es mehrere Garten-
formen. Man kultiviert die X. am besten in Töpfen
mit starkfandiger Heideerde, im Sommer an einem
fchattigen Standorte bei reichlicher Feuchtigkeit, und
durchwintert sie an einem frostfreien, hellen und
luftigen Orte. In den mildern Gegenden Deutsch-
lands kultiviert man sie auf geschützten Standorten
ganz im Freien auf besonders dazu mit Heide- oder
Moorerde präparierten Beeten und bedeckt sie bei
stärkerer Kälte mit Tannenreisig oder Laub.
Kalmieren (frz.), berubigen, besänftigen, be-
schwicbtigcn; kalmierende Mittel, soviel wie
Beruhigende Mittel (s. d.).
Kalmit, die, Berg in der Hardt in der bayr.
Pfalz, 6 kin im SW. von Neustadt, trägt einen
Aussichtsturm und ist 681 ni hoch.
Kalmius, früher Kalka, Fluß ander Grenze
des russ. Gouvernements Iekaterinoslaw und des
Doniscden Gebietes, 185 kin lang, mündet bei Ma-
riupol in das Asowsche Meer. Er ist nicht schiffbar,
die Mündung bildet einen bequemen Hafen. Der
K. ist bekannt durcb die Schlackt an der Kalka 1223
zwischen Russen und Tataren.
ißt, sind unter (3 aufzusuchen.