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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kaluger – Kamala

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kaluga'

und 36° 15' östl. L. von Greenwich, am linken Ufer der hier 200 m breiten Oka und an der Jatschenka sowie an der Eisenbahn Wjasma-Rjaschsk, ist Sitz des Civilgouverneurs, des Bischofs und hat (1892) 42971 E., in Garnison das 5. Grenadierregiment, die 2. Grenadier-Artilleriebrigade, 35 Kirchen, ein Mönchs- und ein Nonnenkloster, Priesterseminar, Gymnasium, eine Realschule, landwirtschaftliche Gesellschaft, 2 Zeitungen; Filiale der Reichsbank, Arsenal und viele Fabriken, besonders für Leder und Segeltuch; Flußhafen, Handel mit Öl, Obst, Getreide u.a. K. war Sitz des zweiten falschen Demetrius (s. d.), der hier 1610 ermordet wurde, und 1859–68 Sitz Schamyls.

Kaluger (Kaludjer), die serb. Form für Kalogeros (s. d.).

Kalugyer (spr. kálludjer), Dorf, s. Bihargebirge.

Kalumnǐe (lat.), Verleumdung (s. d.).

Kalumnǐeneid, s. Calumnia.

Kalunda oder Lunda, Bantuvolk im südl. Westafrika, im Reiche Lunda, zwischen 9 und 12° südl. Br. (S. Muata Jamvos Reich.)

Kałusz (spr. -lusch). 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien, hat 1182,82 qkm und (1890) 77875 (38687 männl., 39188 weibl.) meist ruthen. E. (6173 Deutsche, 6195 Polen), 12503 Häuser und 16652 Wohnparteien in 69 Gemeinden mit 122 Ortschaften und 51 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke K. und Wojnilów. –

2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft, im hügeligen Karpatenvorlande an der rechts zum Dnjestr gehenden Lomnica, auf der viel Holz geflößt wird, und an der Linie Stryj-Husiatyn der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 7526 meist poln. israel. E., Post, Telegraph, Bezirksgericht (896,39 qkm, 58693 meist ruthen. E.), Brauereien, eine große Salzsiederei, Kalibergbau sowie Fabrikation von Branntwein, Unschlitt und Seife, Handel mit Leinwand, Getreide und Holz und große Viehmärkte.

Kalvarǐenberg (vom lat. caIvaria, Hirnschädel), Schädelstätte, soviel wie das biblische Golgatha, dann auch die mittelalterlichen Darstellungen Christi mit den Schächern am Kreuz, oft auch mit den trauernden Frauen, den röm. Kriegern und den Hohenpriestern. Berühmt sind u.a. die sieben Leidensstationen Christi (vom Hause des Pilatus bis zum K.) von Adam Kraft (s. d.) in Nürnberg, vom Tiergärtnerthor bis zum Johannisfriedhof.

Kalvillen, 1. Klasse des Diel-Lucasschen Apfelsystems, s. Apfel.

Kalw, württemb. Stadt, s. Calw.

Kalwárija. 1) Kreis im mittlern Teil des russ.-poln. Gouvernements Suwalki, hat 1357,4 qkm, 79827 E., wenig Ackerbau und Industrie. –

2) Kreisstadt im Kreis K., an der Szeszupa, hat (1888) 10265 E., darunter drei Viertel Israeliten, in Garnison das 18. Schützenregiment, kath., evang. Kirche, Synagoge; Ackerbau, Handel. K. ist der Geburtsort des poln. Rechtshistorikers Maciejowski.

Kalydon, Hauptstadt Ätoliens, am rechten Ufer des Euenos in einer fruchtbaren Ebene, ist berühmt durch die Sage vom Kalydonischen Eber. Als einst König Oineus allen Göttern ein feierliches Opfer gebracht, dabei aber die Artemis vergessen hatte, sandte diese aus Rache einen furchtbaren Eber, der Fluren und Gärten verwüstete. Diesen zu erlegen, berief Meleagros (s. d.), des Oineus Sohn, die tapfersten Helden Griechenlands, Theseus, Kastor und Polydeukes, Peleus u.a. Eine Reihe von Helden fiel dem wütenden Tier zum Opfer; ↔ endlich verwundete ihn Atalante (s. d.) mit dem Pfeile, worauf ihn Meleagros erlegte.

Kalykádnos, Fluß in Kleinasien, s. Gök-su.

Kalypso (d. h. die Verhüllerin), bei Homer eine Tochter des Atlas, nach andern des Nereus und der Doris, oder auch des Okeanos und der Tethys, bewohnte die weit im Ocean liegende waldige Insel Ogygia und lebte fern von allem Umgange mit Göttern und Menschen. Als Odysseus an ihrer Insel Schiffbruch litt, nahm sie ihn gütig auf und versprach ihm die Unsterblichkeit, wenn er sich mit ihr vermählen wolle. Sieben Jahre hielt sie ihn fest, in welcher Zeit sie ihm nach dem Anhange der Hesiodischen Theogonie zwei Söhne, Nausinoos und Nausithoos, gebar, bis endlich Zeus durch Hermes ihr gebot, Odysseus in die Heimat zurückkehren zu lassen. – K. ist auch der Name des 53. Planetoiden.

Kama, s. Hartebeest und Fuchs (Bd. 7, S.397a).

Kama, tatar. Tscholman-idel (d. i. weißer Fluß), der größte Nebenfluß der Wolga, entspringt unter 58° 12' nördl. Br. im Kreis Glasow des russ. Gouvernements Wjatka, durchfließt den nordöstl. Teil des letztern, dann das Gouvernement Perm (erst nordöstlich, dann südlich), bildet darauf (in südwestl. Richtung) die Grenze zwischen Wjatka und Ufa und mündet, 90 km unterhalb der Stadt Kasan, links in die Wolga. Die K. ist 1886,1 km lang und hat ein Flußgebiet von 524768 qkm. Hauptnebenflüsse sind rechts die Wjatka; links die Südliche Keltma, Wischera, Kolwa, Tschussowaja und Bjelaja. Die K. ist schiffbar auf 1280 km bis zur Mündung der Wischera; bis dahin gehen auch Dampfschiffe sowie noch weiter auf der Wischera und deren Nebenfluß Kolwa bis zur Stadt Tscherdyn (79km). Dampfschiffahrt haben auch die Bjelaja und Wjatka. Die K. bildet eine Hauptverkehrsader Rußlands mit dem Ural und Sibirien; an ihr liegen die Städte Laischew, Sarapul, Perm, Solikamsk u. a. Der jährliche Warentransport bat einen Wert von 20 Mill. Rubel.

Kāma oder Kāmadēva, der ind. Liebesgott. Er gilt als Sohn der Mājā (Täuschung) und des Brahma. Als er versuchte, den Gott Çiva von seinen Bußübungen abzulenken und durch einen Liebespfeil zu verwunden, wurde er durch einen Zornesblick desselben zu Asche verbrannt und heißt deshalb auch Ananga (körperlos). Seine Frau ist Rati (Wollust). Er wird dargestellt als ein schöner Jüngling, der auf einem Sperling oder Papagei reitet. In der Hand trägt er einen Bogen aus Zuckerrohr, dessen Sehne aus Blumen oder einem Bienenschwarm besteht, in seinem Köcher fünf mit bestimmten Blumen umwundene Pfeile. In seinem Banner führt er den Delphin (makara).

Kamăla (bengal., Glendulae Rottlerae), Waras oder Wurrus, ein feines, weiches, lockeres, geruch- und geschmackloses Pulver von roter oder braunroter Farbe, besteht im wesentlichen aus den hochroten Drüsen und den Sternhaaren, welche die kirschgroßen Kapseln der zu den Euphorbiaceen gehörigen, in Abessinien, Ostindien, China und Australien heimischen Rottlera tinctoria Roxb. (Mallotus Philippinensis Müll. Arg., s. Rottlera) bedecken und durch Abbürsten dieser Früchte gewonnen werden. Die K., welche außer Spuren von ätherischem ÖL, Citronen- und Oxalsäure hauptsächlich Harze (Kamalarot) und das aus ätherischen Lösungen in gelben Krystallen sich ausscheidende Rottlerin (C11H10O3) enthält, dient in Indien zum Gelbfärben der Seide sowie als Heilmittel gegen den Band-

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