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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kammerstil - Kammhuhn
Kammerstil, s. Kammermusik.
Kammerstücke, s. Kammer.
Kammerton, der gegenwärtig sowohl in der
Kirche als in der Konzert- und Theatermnsik ans-
schließlich herrschende Stimmgabel- oder Normal-
ton, nach welchem die Tonhöhe aller Instrumente
reguliert wird. Der in älterer Zeit neben dem K.
herrschende und etwa einen Ton hoher stehende sog.
Chorton ist außer Gebrauch gekommen, denn auch
die Orgel stimmt man in neuerer Zeit in den K. All-
gemein als K. angenommen ist das eingestrichene a,
von Scheibler ans 440 Doppelschwingungen in der
Seknnde firiert; diese Tonhöhe blieb jedoch nicht
allerwärts dieselbe und wnrde meist unerträglich in
die Höhe getrieben. Deshalb machte sich eine Reaktion
geltend, die 1858 in Par'es zu dein sog. Di^MLon
uorinai mit 870 einfachen oder 435 Doppelschwin-
gungen des eingestrichenen a. führte und in den
meisten Orchestern Aufnahme gefunden oder doch
ähnliche Verbesserungen angeregt hat. - Vgl. Ellis,
Ilistoi^ ol inu8ic3.1'Mcii (1880).
Kammertuch, auch Kambrick oder Cambric
genannt, ursprüuglich niederländ. Leinwand ans
Eamerich (Cambrai, ^aineiiiciuu), jetzt feiner Hem-
dcnkattun, oder starkes lcinwandartiges Gewebe aus
Baumwolle, das unter dem Namen Baumwoll-
täffet zu Regenschirmen verwendet wird.
Kammerunteroffizier, s. (^piwwo ä'lliiil63
und Kammer.
Kammervermögen, s. Kammer.
Kammerziel, im frühern Deutschen Reiche die
von den Neichsständen znr Unterhaltung für das
Reichskammergericht (s. d.) zu steuernden Beiträge,
die aber so nnregelmäßig gezahlt wurden, daß die
Zahl der Beisitzer dieses Gerichts nie vollständig
gemacht werden konnte.
Kammfadrikation, die fabrikmäßige Herstel-
lung der Haarkämme, deren hanptsä'chliche Arbeiten
in der Zndereitung entsprechend geformter Platten,
im Einschneideu und Zuspitzen der Zälme bestehen.
Dem gewöhnlichen Hansbedarf dienen die Horn- und
Kautschukkämme; feinere Kämme werden aus Schild-
patt und Elfenbein sowie ans Bnchsbaum- nnd
Ebenholz, ordinäre Sorten, besonders zum Kämmen
der steifen Haare der Haustiere, aus Messing und
andern Metalllegierungen, znm Einsammeln der
Waldbecrcn u. s. w. aus hartem Holz verfertigt. Je-
doch sind Vleikämme, die znm Dunkeln der Haare
benutzt werden, als gesundheitsschädlich zu bezeich-
nen. !lber die vorbereitenden Operationen zur Fabri-
kation der Hornkämme s. Horn (tierisches). Die
Hornplatten müssen, weil die zu bildenden Zähne
spitz zulaufen, an den betreffenden Stellen keilförmig
zuge^chärst werden. Schildpatt und Elfenbein erfor-
dern weit weniger Vorarbeit. Das erstere kommt
schon in dünnen, schwach gebogenen Platten im Han-
del vor, die man mittels einer Laubsäge in die er-
forderlichen Stücke schneidet' diese werden mäßig
erwärmt, zwischen warmen Eisenplatten gerade ge-
preßt und mittels der sog. Vestoßfeile vollkommen
geebnet. zu Elfenbeinkämmen fchneidet man den
Zahn in Platten oder Streifen und glättet sie mittels
des Vehaumcssers und der Hand- oder Stoßseile.
Anch die zur K. verwendeten Holzarten lassen sich
leicht zu dünnen Platten verarbeiten. Die Zähne
werden dnrch Einschneiden hervorgebracht, hierauf
mittels der Spitzfcile zugespitzt und abgestumpft.
Namentlich bei der Herstellung der Kautschukkämmc
wendet man zum Formen der Zähne Maschinen an,
Artikel, die man unter K verm
durch welche gleichzeitig zwei Kämme erzeugt wer-
den, indem bei jedem Schnitt ein Zahn des einen
Kammes eine Zahnlücke des andern bildet. Vei
den feinen elfenbeinernen Stanbkammen werden
die Zähne einzeln von einer Kreissäge geschnitten
uud mittels des Handschabemcssers geglättet nnd
dann poliert. Auch werden bisweilen parallel mit
den Kanten des Kammfeldes anf der Fläche desselben
mittels der sog. Falzer (Messer mit umgebogener
scharfer Spitze) Nnten hervorgebracht, während man
Zacken, kleine bogenförmige Vertiefuugen u. s. w.
an den Kanten des Feldes dnrch Feilen erhält.
Durchbrochene Muster werden unt dn L^ö^e
ansgesägt; gepreßte Verziernngen in einer zwei-
teiligen, gut durchwärmten Metallform dnrch Drnck
hervorgebracht. Die Erweichuug durch Wärme bietet
auch die Möglichkeit, fertige Kämme aus Horn oder
Schildpatt zu biegen. Das Beizen des Horns, wo-
dnrch demselben ein dem Schildpatt ähnliches Aus-
sehen erteilt wird, fällt stets am schönsten auf der-
jenigen Seite ans, welche im natürlichen, unzer-
teilten Znstande des Horns die innere war. Die
bessern und feinsten Kämme aller Arl lvei"n Pari^
uud London, anch Wien, in Deutschland Fürtb,
Nürnberg, Berlin u. a. O. Ein- und Ausfuhr sind
nur abzuschätzen, da die Kammwarcn je nach ihren:
Material in mehrern Posten der Handelsstatistik
erscheinen und dort mit andern Artikeln verrechnet
werden. 1892 betrug in Deutschland dem Werte
nach die Einfuhr etwa "/.2, die Ausfuhr 1^/4 MiU. M.
- Vgl. Friedrich, Die K., ihre Geschichte und gegen-
wärtige Bcdentnug in Bayern (Nürnb. 1883).
Kannnfenchel^ s. I^oenicuwm.
Kammfett, eigentlich das am Kamm des Halses
der Pferde befindliche Fett; meist bezeichnet man
aber im Handel das gesamte, dnrck Ausdämpfen
der Kadaver von Pferden gewonnene Fett mit die-
sem Namen. Es wird namentlich als Maschinen-
schmiere, znm Einfetten von Leder und in der Seifen-
fabrikation benutzt.
Kammgarn, Wollgarn, bei dessen Herstellnng
man dnrch Kämmen die knrzen Haare ansschcide:
nnd dnrch wiederholte Streckprozesse eine gestreckte
Lage der Haare und eine glatte Oberfläche des
Fadens herbeiführt. Das K. wird zu glatten ft. b.
nicht in der Walke nach Tnchart verfilzten) Stoffen,
wie Merino und Tibet, Kamelott, Wollmnssclin, Ehe-
viot u. s. w. (K ammw 0 llzeugen) verwendet. (Vgl.
Halbkammgarn, Harrasgarn.) - Das Streich-
garn dagegen ist ans den kurzen und seinen, dabei
stark getränselten, dnrch Kratzen oder Streichen unter
Vermeidnng des Streckens und Doublierens vor-
bereiteten Wollhaaren gesponnen; es zeigt daher
eine lockere und rauhe Beschaffenheit, die es zu
tuchartigen (nach dem Weben einem Verfilzungs-
prozeß unterworfenen) Stoffen geeignet maM.
Kammgeier, deutfche Bezeichnung für die Geier-
gattnng 3ai'c0i'1imnplni3 (s. Kondor).
Kammgras, s. (^iwZui-nZ und Tafel: Futter-
pflanzen I, Fig. 22 (Bd. 7, S. 446).
Kammgrind, f. Hantkrankheiten (der Haustiere,
Bd. 8, S. l)07d).
Kammhafer (Fahnenhafer), s. Hafer und Ta-
fel: Getrcidearten,Fig.19HU.I)(Vd.7,S.l)52).
Kannnhöhe ist die Meereshöhe eines wagerecht
ausgccbnct gedachten Gcbirgskammes. (S. Gebirge
und Oromelrie.)
Kammhuhn, deutsche Benennung sür die Gat-
tung OlllluZ (s. Hühner, echte).
ißt, sind unter (5 aufzusuchen.