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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kapkolonie
morpben Schiefern gebildet. Die diesen ausgelager-
ten ersten Gebirgsketten bestehen aus oberm Silur
oder teilweise aus dem untern Devon angehörigen
Schiefern und Sandsteinen. Die innern Hochebenen
werden von Schiefern der Trias gebildet, welche
viele Reste vorwcltlicher Tiere (Dieynoden) enthalten
und von zahlreichen Doleritgängen durchbrochen
sind. Iüugere Formatiouen treten nur ganz ver-
einzelt auf. Der zwischen dem Meere und der ersten
Bergkette gelegene, etwa 50 km breite Küstenstrcifen
erhebt sich nicht viel über 100 in, trägt aber ver-
einzelte höbere Bergstöcke, so z. B. den Tafelberg
(1082 m). Am Ostrande der Falschen Bai, am Kap
Hangklip, beginnt die erste Bergkette mit den Hotten-
totts-, Holland- und Drakensteinbergcn, wclck letztere
Ausläufer bis zur Mündung des Oranjeflusses ent-
senden. Sie ist im Durchschnitt 1000 in, im südl.
Teile 1500 und 1800 m hoch. Unmittelbar da-
hinter, nur durch schmale, nach S. vom Breede-
River, nach N. vom Olifants-Niver durchflossene
Thäler getrennt, erhebt sich eine zweite Kette, der
Südrand der ersten Terrasse mit den: Winterhock
(2085 m) und dem Keeromberg bei Worcester (2200m).
Der nördlich des Winterhoek gelegene Teil hciht
Cedarberge, nach den einst dort bestandenen Wäldern
prächtiger Cedern (^Viälii-in^tonia). Nach der an-
dom Richtung führt die Kette die Namen Witfen-,
Hcrriver-, Lange-, Outenia,ua-nndZityikammabergc,
mit welchen sie beim Kap St. Francis die See er-
reicht. Von dieser Kette zweigt beimHerriver-Stocke
ein dritter, höherer Gebirgszug ab, dicZwarteberge.
Sie streichen nach O., erstrecken sich nnter verschiede-
nem Namen bis in die Gegend vonUitenhage, dort
ihren höchsten Gipfel, den Cockscomb, auch Wintcr-
hoek genannt, bildend, und setzen sich weiter östlick
als Zuurberge fort, um schließlich in die niedern
Hügel von Grahamstown überzugeben. Das zwi-
schen den Zwartebergen und dem Küstengebirge also
eingeschlossene Hochthal, die südl. Karroo, durch-
schnittlich 50 km breit und etwa 300 in ü. d. M., ist
einer der fruchtbarsten Erdstriche, denn Weizen z. V.
ergiebt im Durchschnitt fünfunddreißigfache, Mais
eine vielhundertfache Ernte, und die Weingärten
tragen so reichlich, daß von 1000 Stöcken (niedrig
gehalten, ohne Schutzpfäble) 281ü Wein gewonnen
werden. Jenseit der obengenannten, dritten Berg-
kette liegt die eigentliche oder große Karroo (^ dürr,
trocken). Diese, 90 kin breit und etwa 000 in ü. d. M.,
wird im NW. von den Roggeveld-, im N. von den
Nieuweveldbcrgen und weiter im O. von den Schnee-
bergen begrenzt, deren Gipfel 1800 in übersteigen
und im Kompaßberg den höchsten Gipfel des Kap-
landes (2378 iu) bilden. Diefe Kette bildet die mittlere
Wasserscheide; vom iHüdabhang eilen die Flüsse zur
Regenzeit in wildem Lauf von Terrasse zu Terrasse
zum Indischen Ocean (Gouritz-, Gamtoos-, Snnday-,
Großer Fischfluß), der N. wird nach dem Oranje
entwässert. Die nördl. Karroo senkt sich nach N. von
1500 m bis zu 1200 m und am mittlern Oranjefluß
bis zu 1000 m herab. Die Schnccberge teilen sich
in der Nähe von Graaff-Reinet. Die südöstl. Ab-
zweigung, mit dem Großen Wintcrberg (2378 m),
sällt sanft nach dem Keiflusse ab, die nordöstliche er-
hebt sich zu den Stormbcrgcn (2100 m) und zu den
gewaltigen Trakenbergen (s. d.), welche im Mont-aup
i'ources (3651 m) am Zusammenstoß der Grenzen
von Oranje-Frcistaat, Basutoland und Natal ihren
höchsten Gipfel erreichen. Hier entspringt der größte
Strom der K., der Oranjcfluh oder Gariv (1600 km).
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
Klima, Pflanzen- und Tierwelt. Das Klima
gehört zu den gesündesten der Erde. Während des
Sommers, welcher im September beginnt, herrscht
in der Küstcnzonc oft ein in Sturm übergehender
Südostwind, seiner die Luft reinigenden Wirkung
wegen der "Kapdoktor" genannt. (S.Tafelberg.) An
der Küste ist die jährliche Temperaturschwantung ge-
ring; im Innern sind die Sommer heiß und die
Winter kühl. So hat die Kapstadt eine Jahres-
mitteltcmperatur von 16,5°, im Januar 20,6 und im
Juli 12,6°, während Carnarvon (1240 in ü. d. M.)
Jahresmitteltemperatur 16,7, im Januar 24,4 und
im Juli 9,8° <ü. hat. Ein Steigen des Thermometers
bis auf 55° (^. ist im Innern nicht selten, während
es in Winternächten auf - 5, ja felbst bis -10° (,'.
fällt. Diejenigen Berge, welche höher als 1000 in
sind, tragen jeden Winter Schnee, der auch manch-
mal die Hochebene bedeckt. Im Winter kerrscht im
W. Nordwestwind vor, welchen meist Nebel und
Regen begleiten. Gewitter sind namentlich im O.
häusig und balten ost tagelang an. übclstände sind
im Innern die heißen, ungehcnre Staubwolken auf-
wirbelnden Winde und die Unregelmäßigkeit der
Regenfällc, die in manchen Landstrichen jahrelang
ausbleiben, plötzlich aber so gewaltig auftreten, das;
selbst 100 m breite, völlig ausgetrocknete Flußbetten
binnen wenigen Stunden mit Wassermassen über-
füllt werden. Das östl. Kapland ist im ganzen an-
genehmer als der westl. Teil. Im Sommer mildern
dcstige Regen und Gewitter die große Hitze und er-
dalten das Land grün. Die Winter sind zwar oft
sehr kalt, aber die Luft ist klar und trocken.
Die Pflanzenwelt, eigenartig in sich, da nur
wenige ihrer Arten sich nordwärts und nach Mada-
gaskar verbreitet haben, zerfällt in vier Gebiete:
i) Das Busch land mit derKapstadt und Umgebung
ostwärts etwa bis zum Gouritzfluß; Bäume sind
selten, nur bei der Kavstadt wächst der vcrübmle
Silberbaum (I^iicadendi'oii arFsntLiini^ttm.); der
ganze Landstrich erinnert an die norddeutsche Heide,
durch die Menge blühender Gesträucher, wie Uric^,
I'eiai'Loniiiiii, ^10^, ^l636indi')'^MU6i!iu!n und Or-
chideen, in einen buntfarbigen Vlumcntepvich ver-
wandelt. 2) Das vom Gouritzfluß bis zur Algoabai
sich erstreckende Wald land mit Riesenstämmen
von Gelbbolz (?0äocai'imä ^nundtzrzii Üook.) und
vielen andern Nutzhölzern, wie Eisenholz (Olea nn-
cwlHta "/ac^.). 3) Die großen Karrooselder im
Innern, auf deren ausgedörrten Fläcken nur
kümmerliche Futterpflanzen, dornige Akazien und
der "Spekboom" (?"i'tu1acHi'iH ^tVa, </"c^.) gedeihen.
4) Den östl. Küstcnstreif von der Algoadai bis Natal
bedecken große Waldungen und eine säst tropisch ge-
mischte Flora, in der noch die südlichste Palme
Asrikas (?1i0Lnia,) wächst.
Reich, aber der Menge nach sckon sedr im Ab-
nehmen begriffen ist die Tierwelt des Landes so-
wohl an Iagdtiercn, wie Antilopen, Zebra, Ouagga,
als an Raubtieren, wie Leoparden, Schakalen,
Dyänen (hier Wolf genannt) u. s. w.; Elefanten giebt
es nnr noch im Knysnawalde sowie im Busch bci
Port-Elizabeth; unter den Vögeln ist namentlich
der Strauß zu nennen, der jetzt domeNinert ist
(s. unten Landwirtschaft). Die Küstengewässer sind
reich an Robben, Fiscken und einer Art Hummer
<ohne Scheren). Eine Landplage sind die giftigen
Schlangen, Skorpionen und Hcusckreäen.
Landwirtschaft und Bergbau. Man gewinnt den
ausgezeichnetsten Weizen, viel Gerste und Hafer,