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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karlmeinet - Karlsbad
das Neich nüt seinem Bruder Karl d. Gr. und er-
hielt Burgund, Provence, Gothien, einen Teil Aqui-
taniens, Alamannien. Die Brüder wurden 9. Okt.,
K. zu Noyon, Karl zu Soissons, von den Großen
zu Königen der Franken erhoben, gerieten aber bald
in Streit, der 771 in offenen Krieg auszudrehen
drohte. Da K. starb, 4. Dez. 771, nahm Karl d. Gr.
dessen Neich an sich, und die Witwe K.s, Gerberga,
floh mit ihren Kindern und einigen Getreuen zu
dem Langobardenkönige Desiderius.
3) K., der älteste Sohn Ludwigs des Deutschen, er-
hielt 856 die Verwaltung der östl. Marken, war bis
872 mehrfach in Empörung gegen den Vater, er-
hielt bei dessen Tode 876 durch Vertrag mit den
Brüdern (Ludwig dem Jüngern und Karl dem
Dicken) Bayern, Kärnten, Pannonien, Böhmen
und Mähren, zog nach Italien, wo er schon 875 im
Auftrage des Vaters die Anfprüche der Linie gegen
Karl den Kahlen verteidigt hatte, wurde in Pavia
877 zum König von Italien erhoben, trat aber,
durch Schlaganfälle gelähmt, 879 Italien an feinen
Bruder Karl ab, während Bayern von seinem Sohne
Arnulf befetzt wurde. Diefem aber entriß es bald
K.s Bruder Ludwig der Jüngere. K. starb 22. März
880. - Vgl. Dümmlcr, Geschichte des Ostfränkifchen
Reichs (3 Bde., 2. Aufl., Lpz. 1887-88).
Karlmeinet (d. i. Charlemagne), eine große,
aber rohe, niederrheinifche Poet. Kompilation des
14. Jahrh., die zwifchen umgearbeitete deutfche und
niedcrländ. Gedichte aus dem Gebiet der Karlsfagc
(s. d.) meist des 12. Jahrh, zur notdürftigen Verbin-
dung Partien einfchob, welche wesentlich auf dem
"8pecu1um Iii8wrial6" des Vincenz de Beauvais be-
ruhen. Ausgabe von A. von Keller sin der "Biblio-
thek des Litterarischen Vereine in Stuttgart", Nr.45).
- Vgl. Vartsch, Über K. (Nürnb. 1861).
Karlöcza, ungar. Name von Karlowitz (s. d.).
Karlövac (fpr.-watz), kroat. Name von Karl-
stadt (s. d.) in Kroatien.
Karlovy Vary, czech. Name von Karlsbad (f.d.).
Karlowa, Tbeodor Rudolf Ferdinand, See-
mann, geb. 30. Aug. 1844 zu Vraunfchweig, be-
fuchte 1866 die Hamburg. Navigationsfchule, trat
1871 als Echisfskapitän in den Dienst derHamburg-
Amenkanifchen Paketfahrt-Gefellfchaft. K. war der
erste deutfche Seemann, der Franklins fast in Ver-
gessenheit geratene Verfuche vom Ölen der Brech-
feen in fystematischer Weise wieder aufnahm und
dann auf Grund feiner Beobachtungen Regeln zur
Beruhigung der Wellen durch Ol aufstellte, die bei
allen Seefahrern Anerkennung und praktifche Ver-
wendung gefunden haben. Seine Schrift "Die Ver-
wendung von Öl zur Beruhigung der Wellen"
(Hamb. 1888) wurde vom Nautischen Verein zu
Hamburg preisgekrönt und in die Sprachen der
meisten feefahrenden Nationen überfetzt.
Karlowitfch, Nicolai, Pseudonym von Karl
Nik. von Gerbel-Embach (s. d.).
Karlowitz (Carlovicz), ungar. I^ai'ioc^a, serb.
Ivki-Iovce, selbständige Stadt im Komitat Syrmien
(Szere'm) in Kroatien-Slawonicn, rechts an der
Donau, an der Linie Vudapest-Semlin der Ungar,
^taatsbahnen, Dampfschifsstation, Sitz des griecb.-
orient. Patriarchen und Metropoliten der Serben,
hat (1890) 5490 griech.-orient. serb. E., Post, Tele-
graph, große Kirche mit alten Fahnen, griech.-thcol.
Lehranstalt und serb. Obergymnasium. K. ist be-
sonders durch den ausgezeichneten Wein berübmt,
der auf den umliegenden Höhen gebaut wird;
Artikel, dn' man untl'l K vc'r
namentlich der rote zählt zu den besten und
stärksten in Österreich und wird auch ausgeführt,
ebenso der Karlowitzer Pflaumenbranntwein Sli-
wowitz). Hier versammelte sich der Nationalkongreß
und die Synode der serb. griech.-orient. Kirche. In
den I. 1848-49 war K. ein Hauptsitz der serb. Er-
hebung gegen Ungarn. Historisch berühmt ist der
hier 26. Jan. 1699 auf 25 Jahre abgeschlossene
Karlowitzer Frieden zwischen Osterreich, Nuß-
land, Polen und Venedig einerseits und der Pforte
andererfeits, die das Land zwifchen Donau und
Theiß abtreten mußte. Oberhalb der Stadt die
Kapelle Mariafried.
Karlsaue, f. Casscl (Bd. 3, S. 988 a).
Karlsbad. 1) Bezirkshauptmaunschaft in Böh
men, hat 448,12 c^m und (1890) 66672 (31711
männl., 34 961 weibl.) deutfche E., 7014 Häufer,
14 881 Wohnparteien in 68 Gemeinden mit 92 Ort-
schaften und umfaßt die Gcrichtsbezirke K. und
Petfchau. - 2) K. oder Kaifer-Karlsbad, czech.
Xariov^ varx, Stadt und Sitz der Vezirkshaupt-
mannfchaft K., einer der berühmtesten Kurorte
Europas, liegt sehr romantifch in dem engen, von
hohen, bewaldeten Bergen umfchlosfenen Teplthale
in 374 m Hohe, an der Linie Prag-Eger der Bufch-
tiehrader Eifenbabn und hat (1890) 12033 E., Post,
Telegraph, Bezirksgericht (232,8i ^m, 50114 E.),
ein ftädtifches Nealgymnasium; Fabrikation von
Gegenständen aus Sprudelsteinen, von Tischlcr-
und Stahlwaren, Nadeln und Zuckerwaren (Karls-
bader Oblaten). K. ist freundlich gebaut und besitzt
ein trefflich ausgestattetes, 1865 vollendetes neues
Kurhaus, ein kaiserl. Militärbadehaus, eine über
dem Sprudel (1879) errichtete Kolonnade aus Eisen
und Glas mit zwei Kuppeln, die 1873-80 von Zilct
im korinth. Stil erbaute Mühlbruunenkolonnade,
die kath. Magdalenenkirche, eine evang., eine russ.
Kirche und eine Synagoge (1876-77), ein neues
Stadttheater, ein '^ommertheater, ein Lesekabinett,
Buchhandlungen, sowie etwa 900 gut eingerichtete
Privatbauscr mit 9500 Wohnungen für Fremde,
deren Zahl sich von Jahr zu Jahr mehrt. 1756
wurden 247, 1811: 1334, 1869: über W000 Par-
teien, 1377: 15636 Parteien mit 20766 Personen,
1880: 19502 Parteien mit 26450 Personen, 1893:
35124 Personen verzeichnet. Berühmt ist das
Etablissement Pupp (Hotel, Restaurant, Logier-
baus u. s. w.). Sehr fchöne Gartenanlagen befinden
fich bei demselben und im Stadtpark. Den Mittel-
punkt der ^tadt bildet der Marktplatz und die Alte
und Ncue Wiese. Erstere, am linken Ilfcr der durch
sieben Brücken überbrückten Tepl, ist die Hauptver-
kehrsstraße. Auf der Goethcwiese steht das 5. Juli
1883 enthüllte Denkmal Goethes von Donndorf.
Hoch über der Stadt der (^chloßberg mit dem 1608
an Stelle des Schlosses Karls IV. erbauten Turme.
Die anmutige Gobirgsnatur in den Nmgcbunacn
ist durch eine Menge künstlicher Anlagen zugänglich
gemacht. Zu den besuchtesten Fußpartien "gehören
die Berghöhen des Hirschensprungs (494 m), des
Dreikreuzbergs (551 m), der Franz-Iofephshöhe
(507 m), des Äbergs (603 m), dcsV.'itsbergs (597 m),
des Ewigen Lebens (633 m) mit der Stephanie-
wartc (1889 erbaut), der König-Ottoshöhe (663 m)
mit reizender Aussicht auf das Erzgebirge und das
Egerthal; ferner die Spaziergänge in der Ebene nach
den Kaffecrestaurationen: Sansfouci, Schweizerhof,
Scbönbrunn, Posthof, Freundfchaftssaal und dem
Kaiscrpark; die weitern Wege na<h Pirkcnhammer
Mlkt, sind unter t! aufzusuchen.