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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Karnevalslieder - Kärnten
unterdrückte man in den meisten prot. Ländern die
Volksbelustigungen des K. mit Strenge. Nur in
I<(Mn ist dcrK., wie Goethe in semer Beschrei-
bung des römischen K. sagt, bisher ein Fest ge-
blieben, das das Volk sich selbst giebt und an dem
sich die ganze Bevölkerung in der einen oder an-
dern Weise beteiligt. Früher zeichnete sich Venedig
durch den Glanz und die Pracht seines K. aus; später
lies ihm derK. zu Rom den Vorrang ab und wurde
zugleich zum Vorbilde für die andern Städte Ita-
liens. In Mailand wird der K., dort (^arnevli-
Ions genannt, an den drei Tagen nach Ascher-
mittwoch gefeiert, weil nach dem Mailänder (Am-
brosianischen) Nitus die Fastenzeit erst mit dem
Sonntag nach Aschermittwoch beginnt. In der
neuern Zeit hat der K. in Deutschland in den kath.
Städten am Rhein einen größeren Aufschwung ge-
nommen. Nicht allein in den Hauptsitzen der
Kunst, wie in Düsseldorf, werden forgfältig vor-
bereitete, künstlerisch ausgeführte Maskenzüge ver-
anstaltet, sondern auch in Mainz, Bonn und vor
allem in Köln (seit 1823), wo er wieder zur Volks-
sache geworden ist, wo sogar, wie in alten Zeiten,
Narrenvereine u. dgl. auflebten. Versuche, den K.
in andern Städten, wie z. V. Leipzig und Berlin,
einzubürgern, sind dagegen bald gescheitert.- Vgl.
I. P. Schmidt, Geschichtsmäßige Untersuchung der
Fastelabendsgebräuche in Deutschland (2. Aufl.,
Rost. 1752); Fahne, Der K. mit Rücksicht auf ver-
wandte Erscheinungen (Köln 1854).
Karnevalslieder, s. (^anti cHi'QÄ8oiHi68c1ii.
Karnickel, mundartliche Form für Kaninchen
(s. d.).
Karnies, architektonisches Glied, dessen Prosit
ungefähr die Form eines 8 hat, d. h. aus einem
konvexen und einem konkaven Teil besteht. Da es
in verschiedener Weise angeordnet wird, so unter-
scheidet man: den stehenden, aufrechten, steigenden,
bekrönenden K. oder die Rinnleiste (f. Fig. 1), den ver-
kehrt steigenden oder tragenden K. (auch Keblsto ß,
Fig. 2), den fallenden K. (Sturzrinne oder Ablauf,
Fig. 3) und den verkehrt fallenden K. (Glockenleiste,
Fig. 4). Erstere beiden werden als bekrönende Glie-
der bei Hauptgesimsen, Verdachungen u. s. w., letz-
tere als Fuß- oder (^ockelglieder verwendet.
Karnieshobel, s. Hobel.
Karnifikation (lat.), Umwandlung in Fleisch,
ein krankhafter Zustand einiger Gewebe im mensch-
lichen Körper, namentlich der Lungen. In Bezug
auf letztere ist der Ausdruck Hepatisation, d.h.
Verleberung, Umwandlung in leberartigcn Zustand,
angemessener. (S. Lungenentzündung.)
Karnische Alpen, s. Kärnten und Ostalpen.
Karnische Stufe, eine Abteilung der alpinen
Trias (s. Triasformation).
Karnivören ((^ai-nivöi-a, lat., d. h. Fleisch-
fresser), im Gegensatz zuHerbivoren (s. d.) diejenigen
Tiere, welche vom Fleische anderer Tiere leben. Auch
die Insektenfressenden Pflanzen (s. d.) nennt man K.
Karnöffelspiel, beliebtes Kartenspiel des 15.
und 16. Jahrb., in dem die niedern Zählkarten die
hohern und die Unter die Ober stechen, der Unter,
Artikel, die man unter K verm
das Hauptblatt, d.i. der Karnösfel, die Kaiser und den
Papst, nur die Sieben nicht. Das ganze Spiel hatte
eine polit.-satir. Bedeutung und wurde in diesem
Hinne auch in der Schrift Cyriak Spangenbergs
(s. d.) "Wider die böse Sieben ins Teufels K."
(Jena 1562) gebraucht. Karnöffel heißt soviel als
Leibschaden; karnöffeln "spielen" und "durchprügeln".
Kärnten oder Kärnthen, Herzogtum und Kron-
land der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, zu
deren cislcithanischem Teile gehörig, grenzt im N.
an Salzburg und Steiermark, im O. an Stciermark,
im S. an Kram, Görz und Gradisca und Italien
(Veneticn), im W. an Tirol und hat einen Flächen-
inhalt von 10327,46 <ikm, d.i. 3,44Proz. der Fläche
der österr. Reichsbälfte. (Hierzu eine Karte: Kärn-
ten, Krain, Salzburg, Steiermark, Tirol,
Vorarlberg.)
Obcrftächcllgestaltullg. Der Boden ist großen-
teils gebirgig (s. Ostalpen), mit langgestreckten Thä-
lern, welche sich nur im Innern, wie das Drauthal
bei Villach und Klagcnfurt, zu größern Ebenen
erweitern. Das Drauthal durchzieht das Land von
W. gegen O. und scheidet zwei Hauptgebirgszügc.
1) Im N. die vom Großglockner an der Grenze gegen
Salzburg und Tirol, ostwärts nach Untersteiermark
binziehendcn Centralalpen, und zwar die Hohen
Tauern mit dem Großglockner (3798 m, s. Glöckner/,
dem Hocknarr (3258 m), dem Ankogcl (3263 m> und
Hochalmspitz (3355 m). Vom Großglockner streicht
nach Süden eine Bergkette mit dem Petzeck (3283 w),
welche die Grenze gegen Tirol bildet. In dem eis-
bedeckten Hasner Eck (3060 m) zweigen sich ab die
Norischen oder Kärntnisch-Steierschen Alpen, die
im Königstuhl 2331 m, im Eisenhut 2441 in er-
reichen. Im O. des Landes zweigen davon die
Große Saualpe (2081 m) und die Koralpc (2144 m)
an der steirischen Grenze ab, beide getrennt durch
das breite Lavantthal. 2) Im S. die südl. Kalk-
alpen (hier Kärntner oder Karnische Alpen ge-
nannt). Sie bilden eine mächtige Kette, die von
Tirol aus auf der Wafferfcheide gegen Piave und
Tagliamento bis zum Triglav in Krain einerseits
und in mehr östl. Richtung als Karawankengebirge
zwischen der Dran und Save nach Steiermark fort-
zieht, mit nackten und wilden, im allgemeinen 1600
- 2200 m hohen Gipfeln, dann an der Ostgrmze
in den Steiner Alpen bis 2500 m aufsteigt. Ein
nördlicherer Zweig davon, die Gailthaler Alpen,
zwischen dem Dräu- und Gailthale, endigt etwa
15 km von dem in der 500 m hohen Villachcr Ebene
stattfindenden Zusammentreffen beider Thäler mit
dem kahlen Fclfcnkamme des Dobratfch oder der
Villacher Alp (2167 m hoch). Die Dräu (s. d.)
nimmt links die Moll, Lieser, Gurk und Lavant,
rechts den Wcißenbach und die Gail auf; nur die
Fella hat ihren Abfluß außer Landes in den Ta-
gliamento. Von den Seen sind bemerkenswert der
Millstätter-, Ossiacher- und Wörthcrsee im N., der
Weißcnsce im S. der Dräu und der Faakersee bei Vil-
lach. An Mineralquellen sind bemerkenswert das
^t. Leonhardsbad (bei Feldkirchen) und der Pre-
blauer Sauerbrunnen (im Lavantthal). Das Klima
ist im Gebirge rauh, in den untern Thälern mild.
Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Klagen-
furt 7,3°, in Hüttenberg 7,4°, in Sachsenburg 7,i",
dingegen in Heiligenblut nur 5,3° 0. Die jährliche
Regenmenge beträgt in Klagenfurt 988, in Pon-
tafel 1870 und in Naibl 2183, aber in Heiligcnblut
636,i uiiu. Die Zahl der Gewitter beträgt durch-
ißt, sind unter C aufzusuchen. 12*