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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kastenbein - Kastoria
Völkerstämme waren. Daß die niedrigsten K. ur-
sprünglich von fremden Eroberern unterworfene
Volksstämme waren und die höchsten K. aus diesen
Eroberern hervorgegangen sind, darf man fast sür
gewiß halten. Im Orient ist die Kasteneinteilung
seit den frühesten Zeiten mit den gesellschaftlichen
Verhältnissen der alten Naturstaaten eng verschmol-
zen, weil sie dem in denselben herrschenden Geiste
der Unbeweglichkeit und Unfreiheit entsprach. Nir-
gends war die Kasteneinteilung so ausgebildet und
so ganz die Grundlage der gesellschaftlichen Einrich-
tung als in Ägypten und in Ostindien. Die gesam-
ten brahmanischen Inder zerfallen in vier K.: 1) die
Vi'älimaiMg oder Brahmanen (s. d.), d. i. die Prie-
ster, 2) die KickatriMZ oder Krieger (s. d.), 3) die
V^i^HL oder Ackerbauer (der Nährstand überhaupt),
und 4) die ^ücli'ä8, die dienende Klasse. Von jeher
bilden die Cüoräs den bei weitem größten Bestand-
teil des ind'. Volks. Sie teilen sich in eine Menge
Zünfte lvon den Europäern ebenfalls K. genannt),
wie Fischer, Hirten, Lastträger, Barbiere, Wäscher
u. s. w., die untereinander wiederum eine Rang-
ordnung bilden. Letztere ist jedoch nicht in allen
Teilen Indiens dieselbe' auch finden sich an man-
chen Orten Zünfte, welche an einem andern nicht
angetroffen werden. Gegenwärtig sind diese neuen
Unterabteilungen der eigentlichen Masse des Volks
gewissermaßen an die Stelle der alten Kastenglic-
derung in vier Stände getreten. Außerdem gab es
schon im alten Indien und giebt es noch heute viele
und zum Teil sehr zahlreiche Abteilungen des Volks,
welche außerhalb des eigentlichen brahmanischen
Kastensystems stehen (die sog. Mischkasten oder Out-
ca3ts), sich aber, dem Grundzuge des ind. Lebens
folgend, in eine Menge ebenfalls als K. bezeichnete
Vereine gespalten haben. Dazu gehören z. B. die
Tschandalas (s. d.) und die Parias (s. d.). - Vgl.
Hopkins, 11i6 nnitu^i i'6lHti0N8 ok tlio tour ca3t68
Nccoi'6inF to tlie Nü.u3.vaäkai-m:i^8train (Lpz.
1881), und sür die Neuzeit: M. A. Sherring, llinän
tri!)68 anä ca3t68 (2 Bde., Kalkutta 1879 - 81);
Nessield, I^rikl vie^v ol tlio c^äts Latein ok tk6
Nolt1i-^V68t6i'ii z)rovinc68 anä Onäli (Allahabad
1885). l(s. d.).
Kaftenbein, C., Erfinder einer Setzmaschine
Kasten blau, Schilderblau, für den Zeugdruck
bereitete Indigfarbe. 5 Teile Indigo, 6 Teile Oper-
ment, 6 Teile Pottasche und 5 Teile Kalk werden
mit 80 Teilen Wasser gekocht, die vom Unlöslichen
getrennte tlare Flüssigkeit wird mit Gummi verdickt;
nach dem Druck entwickelt sich die blaue Farbe beim
Lüsten der Zeuge.
Kastenfafsung, die Befestigung eines geschliffe-
nen Edelsteins in einem nach unten zu geschlossenen
Goldkästchen, das gleiche Größe wie die Nundiste
des Schmucksteins besitzt und deshalb den Unterteil
des Steins vollkommen verdeckt. Die K. wird an-
gewendet bei minderwertigen oder etwas fehlerhaf-
ten Steinen, oder bei solchen, die, ähnlich der Naute,
nur den Pavillon facettiert haben. Die fehlerfreien,
farbigen oder farblosen Juwelen werden hingegen
H ^oui- gefaßt.
Kastenformerei, f. Formerei und Formkasten.
Kaftenqebläfe, s. Gebläse (Bd. 7, S. 623 d).
Kastengeist, s. Kasten.
Kaftenssußstücke, s. Formkasten.
Kastengut, ein zum Kirchcnvermögcn oder dem
des Landesherrn gehöriges Gut.
Kastenmange, s. Appretur (Bd. 1, S. 763 d).
Artikel, die man unter K vcrm
Kastenprotzen, Protzen (s. d.), die zum Zweck
des Transports der Munition, der Vorralsftücke,
Werkzeuge u. s. w. einen oder mehrere, jetzt meist
aus Blech hergestellte Kästen besitzen. In diesen
befinden sich besondere Munitionsbehälter.
Kastenrinne, s. Dachrinne.
Kastenschloß, s. Schloß. ^Stärkemehl.
Kastensieb, Apparat der Starkefabrikation, s.
Kastenvoat (Kastvogt), im Mittelalter ein
Beamter, welcher die Aussicht über die Verwalter
der einzelnen Güter der Kirche führte; gewöhnlich
der Kirchenvogt (s. d.) oder der über ein Kloster oder
Htift zu deren Schirm bestellte weltliche Vogt.
Kastenwerk, ein Paternosterwerk (s. d.).
Kaftigation (lat.), Züchtigung: (^stiZHtio
patsrna, väterliche Züchtigung; kasti gieren,
züchtigen.
Kastner, Keller, Nentmeister, seit dem
13. Jahrh, ein für einen Amtsbezirk bestellter Be-
amter, welcher mit der Verwaltung des fürstl.
Kammergutes, insbesondere des Kastens, des Spei-
chers, in welchem alle von den Unterthanen des Be-
zirks geschuldeten Natural-(Getreide-) Abgaben zu-
sammenflössen, betraut war.
Kästner, Abrah. Gotthelf, Mathematiker und
Epigrammdichter, geb. 27. Sept. 1719 zu Leipzig,
benutzte schon von seinem 10. Jahre an die jurist.
Lehrstunden seines Vaters, der Professor in Leipzig
war, und studierte seit 1731 Philosophie, Physik und
Mathematik. Nachdem er sich 1739 habilitiert hatte,
hielt er mathem. und philos. Vorlesungen und bekam
1746 in Leipzig eine außerordentliche Professur.
1756 folgte er dem Rufe als ord. Professor der
Mathematik und Physik nach Göttingen, wo er 1765
den Hofratstitel erhielt und 20. Juni 1800 starb.
Unter der großen Zahl seiner mathem. Schriften,
durch welche nach und nach die Wolfschm Lehr-
bücher verdrängt wurden, sind seine "Anfangs-
gründe der Mathematik" (4 Bde., Gott. 1758-69;
teilweife in 6. Aufl. 1800) die vorzüglichste. We-
niger Wert hat feine "Geschichte der Mathematik"
(4 Bde., Gott. 1796-1800). Den größten Nuf er-
warben ihm seine witzigen und bissigen, aber doch
vielfach überschätzten "Sinngedichte". Sie erschienen
zuerst ohne seine Genehmigung (Gieß. 1781) und
dann, wenigstens zum Teil, in seinen "Vermischten
Schriften" (2 Bde., Altenb. 1783), neu hg. von
Minor in "Fabeldichter, Satiriker und Popuiar-
philosophen des 18. Jahrh." (in Kürschners "Deut-
scher Nationallitteratur"). Eine neue Auflage der
ersten Sammlung beforgte noch mit K.s Einwilli-
gung Iusti (2 Bde., Marb. 1800). Seine "Gesam-
melten Poet. und prosaischen schönwissenschaftlichen
Werke" crfchienen in vier Bänden (Berl. 1841).
Kastnersches Mittel, s. Hausschwamm.
Kastor, Stern 2. Größe, einer der beiden Haupt-
stcrne im Sternbild der Zwillinge und zugleich ein
schöner Doppelstern von sehr langsamer Bewegung;
seine Umlaufszeit beträgt nach "Thiele 253 Jahre,
seine Distanz 5",6. sturen.
Kastor und Polydeukes (Pollux), s. Dios-
Kastorhüte, Viberhaarhüte; über ihre Herstel-
lung s. Filzfabrikation.
Kaftoria, türk. Kesrie, Stadt und ehemals
Festung im türk. Wilajet Monastir in Macedonien,
am Westufer des Sees von K. auf einer schmalen
Landzunge gelegen, hat 8000 E. Man schätzt
40 Proz. christl. Slawen, 30 Proz. Griechen, je
10 Proz. Türken, Albanesen und Zinzaren.
ißt, sind unter C aufzusuchen.