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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kautionswechsel – Kautschuk

eine solche K. eingeführt und gleich den andern Gesellschaften eingehende Versicherungsbedingungen dafür veröffentlicht. Eine besondere Kautionsversicherungsanstalt besteht seit einigen Jahren unter dem Namen «Fides» in Mannheim.

Kautionswechsel, s. Depotwechsel.

Kautscheen, s. Kautschuk.

Kautschen, eine Manipulation der Papierfabrikation (s. d.).

Kautschīn, eine durch Destillation von Kautschuk erhaltene Flüssigkeit, die sich als identisch mit Dipenten (s. d.) erwiesen hat. (S. Kautschuk.)

Kautschuk (frz. Caoutchouc), elastisches Gummi (Gummi elasticum, Resina elastica), auch Federharz, im Englischen India Rubber genannt, der getrocknete geronnene Milchsaft verschiedener Baum- und Straucharten aus der Familie der Euphorbiaceen, Urticaceen, Apocynaceen u. a. m., deren Heimat die Tropengegenden Amerikas, Afrikas und Asiens sind. Das K. ist eine Substanz, welche sich in der Form mikroskopisch kleiner Kügelchen im Milchsaft verteilt vorfindet und dessen Abscheidung beim Stehen des Saftes von selbst erfolgt, häufig auch durch Zusatz einer Säure, von etwas Alaun oder Salzwasser beschleunigt wird. Die chem. Beschaffenheit der Gummikügelchen ist noch nicht genügend bekannt, sie scheint aber bei den verschiedenen Pflanzenfamilien zu variieren, was aus der voneinander abweichenden Beschaffenheit der Handelssorten gefolgert werden kann, da man nicht gut annehmen kann, daß die verschiedene Art der Gewinnung einen so weitgehenden Einfluß auf den Ausfall des Produkts bildet. Im allgemeinen scheinen alle Gummiarten Kohlenwasserstoffe zu sein, welche durch ihre Zusammensetzung den ätherischen Ölen, durch ihre Nichtflüssigkeit, ihr Verhalten gegen Lösungsmittel und ihre Zersetzungsprodukte den Harzen nahe stehen. In den milchenden Pflanzen Deutschlands, wie im Mohn, den Cichoriaceen, Campanulaceen, den Wolfsmilcharten, treten die Gummikörper nur in verhältnismäßig geringer Menge auf, während sie in den Milchsäften zahlreicher Tropenpflanzen einen überwiegenden Bestandteil bilden. Im Handel unterscheidet man folgende Hauptsorten von elastischem K.: 1) Südamerikanisches K. oder Paragummi, welches hauptsächlich von Siphonia elastica Pers. (s. Siphonia) stammt und aus Brasilien zu Anfang des 18. Jahrh. nach Europa gebracht wurde. Die ersten Notizen über Vorkommen und Gewinnung gab 1757 der berühmte Reisende Condamine. 2) Centralamerikanisches K., von Castilloa elastica Cerrant. (s. Castilloa) abstammend, von Mexiko, Nicaragua und Guatemala hauptsächlich nach Nordamerika exportiert. 3) Afrikanisches K., von Vahea-, Landolphia- und Ficusarten abstammend und von der Ostküste (Madagaskar, Mozambique, Mauritius) wie auch von der Westküste (Gabun, Kongo, Benguella, Kamerun, Liberia) in den Handel gelangend. 4) Ostindisches K., welches 1818 in London auf den Markt kam und seit 1832 technische Verwendung fand. Zu seiner Darstellung dienen Ficus elastica L. (s. Gummibaum) und Urceola elastica Roxb., und man klassifiziert das Produkt als Assam-, Borneo-, Rangun-, Singapur-, Pinang- und Javagummi.

Die Art der Gewinnung und Einsammlung weicht nach den verschiedenen Ländern sehr voneinander ab. Der frische Milchsaft, in Flaschen gefüllt, kommt nicht mehr zur Versendung, sondern nur der eingetrocknete Saft. In der Regel macht man behufs der Gummigewinnung Einschnitte in die Bäume und läßt den rahmähnlichen Saft über thönerne Formen, z. B. Flaschen, Schuhe u. s. w., ausfließen und über Holzfeuer eintrocknen, wobei er vom Rauche geschwärzt wird; hat sich auf diese Weise ein dünner Überzug gebildet, so wird die Form mit frischem Milchsaft begossen, der wieder eingetrocknet wird, und dies wird so oft wiederholt, bis eine Schicht von genügender Stärke entstanden ist. Der Überzug wird dann entweder durch Aufschneiden und Abziehen von der Form entfernt oder es wird letztere zerklopft und so beseitigt. Jetzt bedient man sich meist der drei Fuß langen ruderförmigen Formhölzer, die man in gleicher Weise bis zu einem Gewicht von 10 bis 15 Pfd. bestreicht; dann schlitzt man mit einem scharfen Messer das K. auf und nimmt es ab. Man erhält dadurch flache, etwas gekrümmte Klumpen, die man im Handel Biskuits nennt. In Salvador verdünnt man den Milchsaft mit seinem vierfachen Volumen Wasser, läßt ihn dann ruhig stehen, wobei sich das K. als Rahmschicht an der Oberfläche sammelt; das darunter befindliche schmutzige Wasser wird so oft durch frisches ersetzt, bis keine Unreinigkeiten mehr aufgenommen werden; schließlich werden auf 100 l rohen Saftes 60 g Alaun, in wenig Wasser gelöst, zugefügt, wodurch sich das K. absondert, das dann geknetet und getrocknet wird. Das K. kommt in den verschiedensten Formen und mehr oder weniger beschwert auf den Markt. Während das feine Paragummi, die anerkannt beste Sorte, nur 12–15 Proz. beim Reinigen und Trocknen an seinem Gewicht verliert und dieser Verlust hauptsächlich durch die Entfernung des in der rohen Ware befindlichen Wassers entsteht, verlieren andere Sorten, hauptsächlich afrikanisches und ostindisches K., 30–80 Proz., je nachdem mehr oder weniger Sand, Schlamm, Holz oder Wasser an den Produktionsplätzen in das K. hineingeknetet wird.

Die chemischen und physikalischen Eigenschaften des K. haben besonders Faraday, Payen u. a. untersucht. Von Bedeutung für die Technik sind insbesondere die Elasticitäts- und Löslichkeitsverhältnisse. Bei mittlerer Temperatur ist das reine K. (Federharz) ein höchst elastischer Körper; bei 0° jedoch verliert es diese Eigenschaft fast ganz, ohne indes brüchig zu werden. Die gewöhnlichen Lösungsmittel wirken auf das reine K. gar nicht. In heißem Wasser erweicht es, tritt aber bei dem Trocknen in seinen frühern Zustand wieder zurück. Alkohol übt keine Wirkung aus; dagegen führen wasserfreier Äther, ätherische Öle, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Petroleum, Steinkohlenteeröl, Benzin und besonders die flüchtigen Destillationsprodukte des K. selbst zunächst ein starkes Aufquellen, dann eine teilweise Lösung herbei. In diesem Zustande ist die Masse leicht zerteilbar und kann in den meisten Fällen eine vollkommene Lösung vertreten. Gegen starke chem. Agentien verhält sich das K. sehr indifferent; nur konzentrierte Schwefel- und Salpetersäure zersetzen dasselbe. Gegen wässerige Flüssigkeiten ist K. als undurchlässig zu bezeichnen, dagegen ist es nach Untersuchungen von Graham von Gasen durchdringbar und zwar zeigen die einzelnen Gase ein sehr verschiedenes Durchdringungsvermögen. Bei Temperaturerhöhung ändert das K. seine chem. und physik. Eigenschaften. Bei 50° wird es etwas weicher, bei 100–200° fängt es an

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