Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

293

Kemble (John Philip) – Kemi

in Göttingen fort. Der Ausgabe des «Anglo-Saxon poem of Beowulf» (Lond. 1833; Neudruck 1835) folgte als zweiter Band eine engl. Übersetzung des Gedichts (ebd. 1837). In Cambridge hielt er 1834 die ersten Vorlesungen über angelsächs. Litteratur, die als «First history of the English language or Anglo-Saxon period» (Cambr. 1834) erschienen. Ferner veröffentlichte er: «Über die Stammtafeln der Westsachsen» (Münch. 1836), «The poetry of the Codex Vercellensis» (2 Bde., Lond. 1843–56), «The Saxons in England» (2 Bde., ebd. 1848; neue Ausg. 1876; deutsch von Brandes, 2 Bde., Lpz. 1853–54). Sein «Codex diplomaticus aevi Saxonici» (6 Bde., Lond. 1839–48) erschien auf Kosten der von ihm mitbegründeten English Historical Society of Science. K. war Redacteur der seit 1835 erscheinenden «British and Foreign Review», verlebte aber von 1849 an wieder mehrere Jahre in Deutschland. Sein letztes Werk waren die «State papers and correspondence illustrative of the social and political state of Europe from the revolution to the accession of the house of Hanover» (Lond. 1857); in der Bearbeitung der «Horae Ferales, or studies in the archaeology of northern nations» (vollendet und hg. von Latham, Lond. 1864) wurde er durch seinen in der Nacht vom 26. zum 27. März 1857 zu Dublin erfolgten Tod unterbrochen.

Kemble (spr. kemmbl), John Philip, engl. Schauspieler, Sohn des Schauspielers Roger K. (gest. 1802), Bruder von Charles K., geb. 1. Febr. 1757 in Preston, studierte in Douai, ging aber 1776 zur Bühne, die er zuerst in Wolverhampton mit Beifall betrat, besuchte dann Manchester, Liverpool und York, kam 1781 nach Dublin, 1783 nach London, wo er am Drurylanetheater spielte und zehn Jahre später Regisseur wurde. 1801 zog er sich zurück, bereiste 1802 und 1803 Frankreich und Spanien, kaufte nach seiner Rückkehr einen Anteil am Coventgardentheater, bei welchem er nun mit seiner Schwester, Mrs. Siddons, eine glanzvolle Thätigkeit entwickelte. In heroischen Rollen, namentlich als Hamlet, Macbeth, Othello u. s. w. ist er wohl unerreicht geblieben. Er war von imponierender Gestalt, klarem Organ und wußte von seinen Mitteln einen das Publikum hinreißenden Gebrauch zu machen. Auch als Schriftsteller versuchte er sich mit Erfolg. Aus Shakespeares Dramen hat er viele ungehörige Zusätze wieder entfernt. 1817 verließ er England und starb 26. Febr. 1823 zu Lausanne. Seine Statue von Flaxman wurde 1833 in der Westminsterabtei aufgestellt. – Vgl. Boaden, Memoirs of the life of John Philip K. (2 Bde., Lond. 1825); Fitzgerald, Account of the Kemble family (2 Bde., ebd. 1871).

Kemenāte (auch Kemnad), ein mittelhochdeutsches Wort (entstanden aus dem althochdeutschen cheminâta; mittellat. caminata [scil. camera], d. i. Zimmer mit einem Kamin), das von einigen neuern Dichtern, wie Goethe, Lenau u. a., wieder aufgenommen worden ist; es bezeichnet zunächst das heizbare Wohnzimmer, dann auch das gewöhnliche Wohnhaus gegenüber dem alten Hauptteil der Burg, dem (meist unheizbaren) Saal; im besondern auch ein Frauengemach, Schlafzimmer, Krankenzimmer u. s. w.

Kemenaten, Albrecht von, deutscher Dichter, 1241 in Tirol nachgewiesen und von Rudolf von Ems gepriesen. Sein Name kommt in «Goldemar», einem Gedichte der Heldensage, vor; man hat ihm mit Unrecht auch andere in fast derselben Strophenform verfaßte Gedichte, «Ecke», «Sigenot» und «Virginal», beigelegt. – Vgl. Deutsches Heldenbuch, Bd. 5 (Berl. 1870).

Kemény (spr. kémmehnj), Johann, Fürst von Siebenbürgen, geb. 1607 in Bükös, studierte in Karlsburg und war seit 1622 Page am Hofe Bethlen Gabors, der ihn wiederholt in polit. Sendungen, so 1628 nach Konstantinopel, verwendete. Nach Bethlens Tode (1629) gehörte K. zur Partei der Witwe, ging aber bald zu Georg I. Rákóczy über, beteiligte sich an dem ungar. Feldzuge desselben 1644–45 und hatte wesentlichen Anteil an dem Abschlusse des Linzer Friedens. Unter Georg II. Rákóczy führte er einen glänzenden Feldzug in der Moldau, geriet aber 1657 während des poln. Feldzugs in die Gefangenschaft der Tataren, die ihn zwei Jahre in der Krim zurückhielten. Nach Georgs II. Tode wurde er 1661 Fürst von Siebenbürgen, fiel aber schon 23. Jan. 1662 bei Nagy-Szöllös im Kampfe mit den Türken, den Bundesgenossen des Gegenfürsten Michael I. Apafy. K. schrieb in der Krim einen «Psalter», den 1659 Susanne Lorántffy drucken ließ; seine wertvolle «Autobiographie» (1607–55) gab Karl Rumy (Pest 1817) und aus K.s Handschrift Lad. Szalay (ebd. 1856) heraus.

Kemény (spr. kemmehnj), Sigmund, Baron von, ungar. Dichter und Publizist, geb. 24. Juni 1816 zu Magyar-Kapud in Siebenbürgen, studierte in Zalathna und Nagy Enyed die Rechte und redigierte seit 1840 das Organ der siebenbürg. Opposition («Erdélyi Hiradó»), deren Führer er auf dem neueröffneten siebenbürg. Landtage wurde. 1842 zog er sich auf sein Gut zurück und schrieb den Roman «Gyulai Pál» («Paul Gyulai», Pest 1846). 1848 war er Mitglied der ungar. Nationalversammlung und schrieb nach der Katastrophe von Világos zwei Flugschriften: «Forradalom után» («Nach der Revolution», Pest 1850) und «Még egy szó a forradalom után» («Noch ein Wort nach der Revolution», ebd. 1851) und die zwei meisterhaften Charakterbilder der beiden Grafen Wesselényi und des Grafen Stephan Széchenyi (ebd. 1850). 1851 übernahm er die Redaktion des «Pesti Napló», des Organs der Deák-Partei, und wirkte für einen friedlichen Ausgleich mit Osterreich. Nach 1867 trat er in den Reichstag und starb 22. Dez. 1875 auf seinem Gute Pußta-Kamarás in Siebenbürgen. Er ist als Romanschriftsteller wie als Publizist ein Klassiker der ungar. Litteratur. Seine bedeutendsten Romane sind: «Sziv örvényei» («Die Abgründe des Herzens», 1854), «Férj és nö» («Mann und Weib», 1852), «Az özvegy és léanya» («Die Witwe und ihre Tochter», 1856), «Zord idö» (3 Bde., 1857; deutsch: «Rauhe Zeiten», 3 Bde., Zürich 1867) u. a. Meisterhaft sind seine «Studien» (2 Bde., 1870).

Kemi, finn. Kemi-joki, der größte Fluß Finlands, im Län Uleåborg, entspringt im Bezirk Lappmarken in einem Sumpf des Maanselkä, fließt im allgemeinen südwestlich durch den Kemisee (finn. Kemi-järvi) und mündet an der Nordküste des Bottnischen Meerbusens. Er ist 494 km lang, sehr wasserreich und im Unterlauf schiffbar. Hauptzuflüsse sind der Kitinen und Ounas-joki (beide von rechts). Das Flußgebiet beträgt 53 145 qkm.

Kemi. 1) Bezirk (härad) in der Mitte des westl. Teils des finn. Län Uleåborg, hat 36 976,7 qkm (davon 1166,2 qkm Seen). – 2) Bezirksstadt im

^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.]