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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Kestner, Joh. Christian; Keswick; Keszthely; Ket; Ketah; Ketchoda; Kete; Keteer; Kethubim; Ketj; Ketonalkohole; Ketone; Ketōnsäuren

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Kestner – Ketonsäuren

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Kestenholz'

baut, war die Burg habsburg. Lehen (daher das Löwenthor im innern Burghof) und wurde 1633 von den Schweden genommen.

Kestner, Joh. Christian, s. Buff, Charlotte.

Keswick (spr. kessick), Stadt in der engl. Grafschaft Cumberland, malerisch an der Greta, unweit des Sees Derwentwater, hat (1891) 3905 E., eine Bibliothek, eine Lateinschule, Bleistift- und Wollzeugfabrikation. In der Kirche das Grab des Dichters Southey.

Keszthely (spr. kéßthellj), Groß-Gemeinde und Hauptort des Stuhlbezirks K. (26 746 E.) im ungar. Komitat Zala, am Plattensee (Station der Dampfschiffe) und an der Balaton-Szt. György–Keszthelyer Eisenbahn (10 km), hat (1890) 6195 magyar. E., Post, Telegraph, Bezirksgericht, Pfarrkirche (14. Jahrh), ein gräflich Festeticssches Schloß, ein kath. Untergymnasium, eine landwirtschaftliche Lehranstalt mit Musterwirtschaft, ein Seebad sowie ein Mineralbad beim Bache Héviz (d. i. Warmwasser), Weinbau und Fischerei.

Ket, Ketj, bei den Ostjaken Puni, rechter Nebenfluß des Ob in den russ.-sibir. Gouvernements Jenisseisk und Tomsk, 1088 km lang, auf 600 km schiffbar, bildet ein Zwischenglied des Ob-Jenisseikanals.

Ketah, der Milchsaft des Melonenbaums (s. Carica).

Ketchōda (Ketchuda, pers.), Hausherr, Titel der Dorfvorsteher in Persien; türkisch Kjaja (s. d.).

Kete, Summe von 100 Kaurimuscheln, s. Kauri.

Ketēer, Ketĭer, s. Kithim. Ketel, Cornelis, holländ. Maler, geb. 1548 zu Gouda, gest. 1616 zu Amsterdam, ist einer der bedeutendsten ältern Vertreter der niederländ. Malerei. In seinen Schützenstücken, die freilich noch eine steif schematische Anordnung zeigen, ist er ein interessanter Vorgänger von Frans Hals. Mehrere seiner Werke befinden sich im Museum zu Amsterdam.

Kethubīm (hebr.), soviel wie Hagiographa (s. d.).

Ketj, s. Ket.

Ketōnalkohōle, organische Verbindungen, die die für die Ketone charakteristische CO-Gruppe und die für die Alkohole charakteristische C(OH)-Gruppe verbunden enthalten und infolge davon die Eigentümlichkeiten beider Körperklassen besitzen. Der einfachste Ketonalkohol ist der Acetonalkohol (Acetol, Acetylcarbinol), CH₃·CO·CH₂·OH. Auch der Fruchtzucker, CH₂ OH (CH OH)₃·CO·CH₂·OH, ist ein Ketonalkohol. Alle K. wirken wie die ganz ähnlichen Aldehydalkohole reduzierend, zersetzen z. B. die Fehlingsche Lösung, Silberlösungen u. s. w. und geben mit Phenylhydrazin Osazone. (S. Phenylhydrazin.)

Ketōne, organische Verbindungen, die wie die Aldehyde (s. d.) die Carbonylgruppe CO enthalten. Während aber in den Aldehyden diese Gruppe sich am Ende der Kohlenstoffkette befindet und noch mit Wasserstoff verbunden ist, steht sie in den K. inmitten der Kohlenstoffkette und ist mit zwei organischen Radikalen verbunden:

  • CH₃·CO·H   CH₃·CO·CH₃   C₆H₅·CO·C₆H₅
  • Aldehyd        Aceton            Benzophenon.

Das Aceton ist das einfachste Keton. Aldehyde und K. zeigen manche Ähnlichkeiten. Die hauptsächlichsten allgemeinen Bildungsweisen der K. sind folgende:

  • 1) Sekundäre Alkohole gehen durch Oxydation leicht in K. über. ↔
  • 2) Die Kalksalze organischer Säuren liefern bei der trocknen Destillation unter Bildung von kohlensaurem Kalk K., z. B.:
  • CH₃·CO·O·Ca·O·CO·CH₃ =
  •          essigsaurer Kalk
  • CH₃·O·CH₃ + CaCO₃
  •     Aceton.

Bei Verwendung der Kalksalze zweier verschiedenen Säuren entstehen sog. gemischte K., so z. B. aus essigsaurem und propionsaurem Kalk das Methyläthylketon, CH₃·CO·CH₂·CH₃.

  • 3) Durch Einwirkung von Zinkalkylen auf Säurechloride bilden sich K. nach folgender Gleichung:
  • 2CH₃·COCl     +     Zn(C₂H₅)₂ =
  •  Acetylchlorid               Zinkäthyl
  • 2CH₃·CO·C₂H₅     +     ZnCl₂
  • Methyläthylketon           Zinkchlorid.
  • 4) Aus dem Acetessigester (s. d.) und seinen Derivaten kann man durch Spaltung beliebige K. darstellen.

Die kompliziertern K. bezeichnet man jetzt auch in etwas anderer Weise; so würde das erwähnte Methyläthylketon Ketobutan genannt werden. Die K. sind meist flüchtige Flüssigkeiten von starkem, oft angenehmem Geruch; die K. mit aromatischen Radikalen, wie das Benzophenon, sind feste, aber leicht schmelzende Substanzen. Durch Reduktion entstehen aus den K. sekundäre Alkohole, durch Oxydationsmittel, wie Chromsäure, werden sie zu Säuren oxydiert, indem unter Spaltung der Kohlenstoffkette die Carbonylgruppe CO zur Carboxylgruppe COOH wird. Aceton liefert auf diese Weise Essigsäure und Kohlensäure:

  • CH₃·CO·CH₃ + 4O = CH₃·COOH + CO₂ + H₂O.

Mit saurem schwefligsaurem Natrium vereinigen sich die K. zu krystallisierten (Bisulfit-)Verbindungen, die durch Sodalösung wieder unter Rückbildung der K. zerfallen. Diese Reaktion bietet ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, die K. abzuscheiden und durch Umkrystallisieren zu reinigen. Mit Blausäure geben die K. Cyanhydrine, z. B.:

  • (CH₃)₂CO  +  HCN  =  (CH₃)₂·C(OH)·CN
  •      Aceton      Blausäure       Acetoncyanhydrin.

Durch Verseifung der Cyangruppe CN mit Alkalien lassen sich hieraus hydroxylierte Säuren darstellen. Mit Hydroxylamin und Phenylhydrazin verbinden sich die K. unter Austritt von Wasser. Die entstehenden Verbindungen sind die Oxime und Hydrazone. Mit Ammoniak und Ammen geben sie meist komplizierte stickstoffhaltige Verbindungen u. s. w. Diese große Reaktionsfähigkeit macht die K. zu einer in der wissenschaftlichen Chemie sehr wichtigen Körpergruppe.

Ketōnsäuren, organische Verbindungen, die gleichzeitig die Eigenschaften von Säuren und von Ketonen besitzen, die also außer der Fähigkeit, Salze, Ester u. s. w. zu bilden, auch mit Hydroxylamin, Phenylhydrazin und Natriumbisulfit Verbindungen eingehen u. s. w. In Bezug auf ihre chem. Konstitution sind sie dadurch ausgezeichnet, daß sie die Carboxylgruppe COOH und die Carbonylgruppe CO enthalten. Je nach der Stellung dieser beiden Gruppen im Molekül zueinander unterscheidet man α-, β-, γ-Ketonsäuren. Die nachfolgenden Beispiele erläutern die chem. Konstitution und die Nomenklatur dieser Säuren. CH₃·CO·COOH, Brenztraubensäure oder α-Ketopropionsäure.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 312.

Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.