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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kette (in der Jägersprache) - Kettenbruch
Vreitenrichtung durch einen eingesetzten Steg ver-
spreizt sind, der die Zugfestigkeit der K. erhöht und
das Verwirren und gegen-
seitige Verknoten der Glie-
der beim Zusammenhäu-
fen der K. verhindert; die
Laschen- oder Gelenk-
kette von Galle (Gal-
lesche K., Fig. 7 u. 8),
die - als Last- wie als
Treib kette verwendet wird
und deren Glieder aus
plattenförmigen Laschen
und cylindrischen Gelenk-
bolzen derart zusammen-
gesetzt sind, daß letztere
die an den Enden durch-
bohrten Laschen gegen-
seitig verbinden; die
Graykette (Fig.9) und
die als Förderkette die-
nende Gastonkette (Fig. 10), die an einzelnen
oder allen Gliedern angegossene Ösen zur Befestigung
der Fördergefäße besitzt.
Fig. 10.
Kette, Kitte, in der Jägersprache Bezeich-
nung für eine Familie von Auer-, Birk-, Zaselwild,
wilden Enten und Gänsen.
Kette, kinema tische, s. Kinematik.
Kette, als Maß früher die deutsche Nebenbezeich-
nung für das Dekame-ter von 10 ni; durch das
Reichsgesetz vom 11. Juli 1884 abgeschafft.
Kette, als Münzeinheit, s. Kauri.
Kette, in der Weberei, f. Kettenfäden.
Kettet, soviel wie Krampe (s. d.).
Ketteler, Gotthard, Ordensmeister, s. Kettler.
Ketteler, Wilh. Emanuel, Freiherr von, Bischof
von Mainz, geb. 25. Dez. 1811 zu Münster in
Westfalen, wurde 1824-28 im Iesuitenkollegium
zu Brieg im Wallis erzogen, studierte zu Göttingen,
Berlin, Heidelberg und München die Rechte, wurde
1835 Referendar bei der Regierung zu Münster,
nahm 1836 die Tonsur, trat 1837 aus den Staats-
dienst und entschloß sich 1841, Priester zu werden.
Er studierte nun in München und in dem Priester-
seminar zu Münster Theologie, erhielt 1844 die
Priesterweihe, war Kaplan in Beckum, seit 1846
Pfarrer in Hopsten in Westfalen, 1848 Mitglied
des Frankfurter Parlaments, seit 1849 Propst an
St. Hedwig in Berlin und wurde 1850 vom Papst
statt des zuerst vom Domkapitel vorgeschlagenen
freisinnigen Gießener Professors Leop. Schmid zum
Bischof von Mainz ernannt. Seitdem stand K. an
der Spitze der Ultramontanen Deutschlands, beson-
ders auch als Publizist unermüdlich thätig. 1851
errichtete er ein Priesterseminar in Mainz, um die
kath.-theol. Fakultät in Gießen entbehren zu können,
deren Thätigkeit er durch das kirchliche Verbot des
Besuchs dieser Fakultät lahm legte. Der Regierung
des Großherzogtums Hessen, an deren Spitze der
Freiherr von Dalwigk stand, gewann K. 1854 eine
"vorläufige Übereinkunft" ab, die dem Vifchof un-
beschränkte Autonomie und Alleinherrschaft in allen
kirchlichen Angelegenheiten einräumte, und deren
Zugeständnisse 1856 dem Papst gegenüber noch er-
weitert wurden. Trotzdem der GrohherzogSept. 1866
diese Konvention außer Geltung setzte, blieb die Hess.
Kirchenpolitik gegenüber dem allmächtigen Einfluß
K.s nachgiebig, bis endlich 1871 das Ministerium
Dalwigk gestürzt wurde. Gegenüber der von Las-
salle geleiteten socialdemokratischen Bewegung sprach
er der kath. Kirche die Mission zur Lösung der so-
cialen Frage zu. Seine Schrift "Die Arbeiterfrage
und das Christentum" (Mainz 1864) fand selbst
Lassalles Beifall. Auf focialem Gebiete veröffent-
lichte K. noch "Die Arbeiterbewegung und ihr Streben
im Verhältnis zu Religion und Sittlichkeit" (1.
und 2. Aufl., ebd. 1869). Auf dem Vatikanischen
Konzil gehörte K. zunächst der Opposition an, ver-
öffentlichte aber bereits 20. Aug. 1870 das Infalli-
bilitätsdogma und bemühte sich eifrig für dessen
Anerkennung. Nach der Aufrichtung des Deutfchen
Reichs war K. einer der einflußreichsten Führer der
ultramontanen Partei und wurde 1871 vom Kreise
Tauberbischofsheim in den Deutfchen Reichstag ge-
wählt. Als Hessen seit 1874 mit seiner kirchenpolit.
Gesetzgebung dem Vorbilde Preußens nachfolgte,
vermied K., trotzdem der Inhalt der Hess. Gesetze
zum Teil noch über den der preuß. Maigesetze hinaus-
ging, vorsichtig alle Konflikte; nur seine Mitwirkung
an der geplanten Wiederherstellung der kath.-theol.
Fakultät zu Gießen verweigerte er. K. starb 13. Juli
1877 auf der Rückkehr vom päpstl. Jubiläum im
Kloster Burghaufen in Oberbayern. Von seinen
Schriften feien genannt: "Freiheit, Autorität und
Kirche, Erörterungen über die großen Probleme der
Gegenwart" (1. bis 7. Aufl., Mainz 1862), "Das all-
gemeine Konzil und feine Bedeutung für unfere Zeit"
l5. Aufl., ebd. 1869), "Das unfehlbare Lehramt des
Papstes nach der Entfcheidung des Vatikanischen
Konzils" (4. Aufl., ebd. 1871), "Die Centrums-
fraktion auf dem ersten Deutschen Reichstage"
(3. Aufl., ebd. 1872), "Die Katholiken im Deutfchen
Reiche, Entwurf zu einem polit. Programm" (5. Aufl.,
ebd. 1873), "Der Kulturkampf gegen die kath. Kirche
und die neuen Kirchengefetzentwürfe für Hessen"
(ebd. 1874), "Warum können wir zur Ausführung
der Kirchengesetze nicht mitwirken?" (2. Aufl., ebd.
1876); "Predigten" (2 Bde., ebd. 1878) gab Raich
aus K.s Nachlaß heraus. - Vgl. Briese von und
an W. E. von K. (hg. von Raich, Mainz 1879);
Liesen, Bischof W. E. von K. und die sociale Frage
(Franks, a. M. 1882).
Kettenbaum, ein Teil des Webstuhls, s. Weberei.
Kettenbremfe, s. Eisenbahnbremsen.
Kettenbruch, kontinuierlicher Bruch, ein
Bruch, dessen Nenner aus einer ganzen Zahl nebst
einem Bruche besteht, dessen Nenner wieder eine
ganze Zahl nebst einem Bruche ist u. s. w. Bei den
gewöhnlichen K. sind alle vorkommenden Zähler
der Einheit gleich, z.B.:
2-j-i
3^-1
2-i-i
5
21
63
Die Nenner derjenigen gemeinen Brüche, aus denen
jeder K. scheinbar zusammengesetzt ist, nennt man
die Partialnenner des K. Jeder gemeine Bruch
läßt sich in einen K. verwandeln; man findet dessen
Partialnenner, wenn man mit dem Zähler des ge-
wöhnlichen Bruchs in den Nenner dividiert^ dann
mit dem Rest in den Zähler und so fort immer mit
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.