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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kettenbrücken - Kettenschleppschiffahrt
dem letzten Rest in den vorigen Divisor, bis die Di-
vision aufgeht; die erhaltenen Quotienten bilden
nach der Reihe die Partialnenner des K., während
die Zähler desselben sämtlich der Einheit gleich sind.
Behält man von den Partialnennern nur den ersten
oder die zwei, drei, vier ersten mit Weglassung aller
solgenden bei und verwandelt den so entstehenden
unvollständigen K. in einen gemeinen Bruch, so
heißt dieser ein Näherungswert des K. Von diesen
ist der erste größer, der zweite kleiner und so alle
folgenden abwechselnd größer und kleiner als der
K., dem aber jeder folgende Näherungswert näher
kommt als der vorhergehende. Die K. mit ihren
Näherungswerten dienen dazu, einen gemeinen
Bruch, dessen Zähler und Nenner große Zahlen sind,
oder eindurch großeZahlen ausgedrücktes Verhältnis
durch kleinere Zahlen mit beliebig großer Genauig-
keit auszudrücken. In der Algebra wendet man sie
an zur Auflösung unbestimmter Gleichungen, in der
Analysis zum Ausdruck von Funktionen. Ein un-
endlicher K., dessen Partialnenner periodisch wieder-
kehren, ist eine Wurzel einer bestimmten quadra-
tischen Gleichung, und jede irrationale Quadrat-
wurzel läßt sich durch einen periodischen K. darstellen.
- Vgl. Günther, Darstellung der Näherungswerte
von K. in ind ep end enter Form (Erlangen 1873).
Kettenbrücken, s. Hängebrücken (Bd. 8, S.782 3.).
Kettendruck, s. Zeugdruck.
Ketten-Glevatoren, s. Elevatoren.
Kettenfäden oder kurz Kette, in der Weberei
die vor Beginn des Webens im Webstuhl ausge-
spannten, die Grundlaqe des Arbeitsprozesses bil-
denden, beim fertigen Stoff in der Längsrichtung
verlaufenden Fäden, mit denen beim Weben die
querlaufenden Schußfäden nach gewissen Regeln
verschränkt werden.
Kettenfähren, s. Fähre.
Kettengarn, ziemlich stark gedrehtes Garn, wel-
ches zu den Kettenfäden verwendet wird.
Kettengaze, s. Fadengebilde (Bd. 6, S. 516 a).
Kettengebirge, s. Gebirgsbildnng.
Kettengebläfe, s. Gebläse (Bd. 7, S. 024 a).
Kettenhemd, s. Kettenpanzer.
Kettenkokken, s. Streptokokken.
Kettenkorallen, s. Tabulaten.
Kettenkugel, zwei mit einer Kette verbundene
Zohl- oder Vollkugeln (s. Geschoß, Bd. 7, S. 903d),
die aus einem Geschütz gleichzeitig verschossen wur-
den, um eine größere Wirkung zu erzielen; da die
Kette jedoch meist zerriß, wurde dieser Zweck nur
selten erreicht.
Kettenkunst, soviel wie Paternosterwerk (s. d.).
Kettenlinie, diejenige krumme Linie, die ein in
allen Teilen gleich schwerer, vollkommen biegsamer,
undehnbarer Faden bildet, sobald man ihn an
zwei Punkten, deren Entfernung geringer ist als die
Länge des Fadens, frei aufhängt. Die K. ist in der
Baukunst wichtig, indem Gewölbe, nach derselben
ausgeführt, geringsten Druck auf die Widerlager
üben. Dagegen bildet die Kette bei einer Ketten-
brücke mit horizontaler Gehbahn keine K., sondern
nähert sich der Parabel. Auf Tafel: Kurven II,
Fig. 3 ist in der starken Linie eine K. gezeichnet;
Fig. 12a derselben Tafel zeigt die K. als Evolute
einer tzuyghensschen Traktorie.
Kettenmeffung, s. Meßkette.
Kettenpanzer, Panzerhemd, aus eisernen
Ringen bestehende oder aus Eisendraht geflochtene
Panzer (s. d.), durch die Kreuzzüge vom Orient her
Artikel, die man unter K vern,
in Europa eingeführt. Er wurde vom 11. bis zum
Ende des 13. Jahrh, getragen. Zum Schutze des
Oberkörpers diente das langärmelige, bis an die
Knie reichende Kettenhemd, unter dem man ein
gestepptes Wams trug; dazu kamen Kettenhand-
schuhe und eine die Beine und Füße schützende
Kettenhose, außerdem zum Topfhelm (s.Helm, Fig. 3)
die Helmbrünne. (S. auch Brünne.)
Kettenpumpe, s. Pumpe.
Kettenrechnung,, in der Arithmetik das Ver-
fahren, zwei Größen mit Hilfe von Mittelgrößen
zu vergleichen. Will man z. B. wissen, wie viel Ar
ein preuß. Morgen ausmacht, so schließt man so:
1 prcuh. Morgen ist 180 Quadratruten, 1 Quadrat-
rute ist 144 preuß. Quadratfuß, 1 Quadratfuß ist
0,0985 Quadratmeter, 100 Quadratmeter ist 1 Ar.
Das Produkt dieser Verhältnisse (180 X144 X0,0985
X'/ioo) giebt 25,533, die Anzahl der Ar, die auf
einen Morgen gehen. Die Zusammenstellung und
Anordnung der verbundenen Größen bei dieser Rech-
nung nennt man in den Rechenbüchern einen Ket-
tensatz und die Vorschrift dieses Verfahrens Ket-
tenregel oder auch Reessche Regel nach K. F.
de Rees. - Vgl. Olbncht, Lehrbuch der Schluß-
und Kettenrechnung (Stuttg. 1891).
Kettenregel, s. Kettenrechnung.
Kettenrolle, eine bei Flaschenzügen, Kränen
oder auch als Transmissionsteil vorkommende Rolle
zur Leitung einer Last- oder Treibkette. Für Ning-
ketten haben die K. die in Fig. 4 des Artikels Flaschen-
zug ersichtliche Form; zur Ausnahme einer Galleschen
oder Ewartschen Treibkette bestimmte K. müssen mit
Daumen versehen sein (Daumenrolle, s. Fig. 7
beim Artikel Kette).
Kettensäge, s. Säge.
Kettensatz, s. Kettenrechnung.
Kettenfchermafchine, s. Weberei.
Kettenfchleppschiffahrt, Drahtseilschlepp -
schiffahrt, Tauerei, eine Art der Schiffahrt, die
auf dem Gedanken beruht, die Bewegung eines
Schiffs und der daranhängenden Schleppkähne da-
durch zu erleichtern, daß man das schiff mit einer
in der Sohle des Flusses oder Kanals gelegten, an
den Enden verankerten Kette (oder Seil) derart ver-
bindet, daß die Kette sich über zwei am Schiff an-
gebrachte Trommeln auf- und abwickelt und dadurch
feste Stützpunkte für die Vorwärtsbewegung schafft.
Die Trommeln werden durch eine Dampfmaschine
in Umdrehung versetzt; um sie windet sich die Kette
und wird dann ins Flußbett zurückgeführt. Die
Steuerung besteht aus zwei Steuern, einem vordern
und einem hintern, die das Schiff nach Bedürfnis
zur Seite bewegen lassen. Die K. hat gegenüber
der gewöhnlichen Schleppschiffahrt den Vorteil
besserer Ausnutzung der Maschinenkraft, insbeson-
dere beim Transport stromaufwärts.
Die Idee der K. ist schon alt; die ersten Versuche
damit im großen wurden 1820 von Courteaud und
Tourasse auf der Saöne angestellt; die Fortbe-
wegung geschah jedoch noch in der Art, daß, wäh-
rend ein Schiff eine Strecke von 1000 m befuhr,
eine zweite solche Strecke erst vorweg mit einer
gleichlangen Kette belegt werden mußte, und so fort
abwechselungsweise. Die K. in ihrer jetzigen Ver-
vollkommnung ist erst seit 1853, und zwar auf der
Seine, in Anwendung. In Deutschland gebührt
der Hamburg-Magdeburger Dampfschisfahrtskom-
pagnie das Verdienst, dieses System zuerst in An-
wendung gebracht zu haben (1866), und zwar auf
liißt, sind unter C aufzusuchen.