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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kiffhäuser - Kilé
Pferdebahn, Flußhafen mit Dampfschiffahrtsverkehr
auf dem Dnjepr, dem Pripet und der Deßna. K.
hat 89 Fabriken, ist berühmt durch seine eingemach-
ten Früchte und beherrfcht den Zuckermarkt in Ruß-
land. Auch ist es ein wichtiger Handelsplatz für Ge-
treide, Holz und Vieh. Die Ausfuhr von Zucker ins
Ausland beträgt etwa 1^ Mill. Rubel jäbrlich.
Geschichtliches. K., die "Mutter der russ.
Städte", soll nach Nestor von den Brüdern Kij,
Scktschek und Choriw gegründet und nach dem erstern
benannt worden sein. 864 wurde es von den Wa-
rägern Askold und Dir eingenommen, 882 von Oleg
zur Hauptstadt der Großfürsten von Ruhland und
darauf von Wladimir I. zur Wiege des Christentums
in Ruhland gemacht. Durch die Zerstörung der
Tataren 1240 erlosch der bisherige Glanz. K. kam
1340 an Litauen und später an Polen, 1668 an
Ruhland. Von da an beginnt seine Blüte als Han-
delsstadt; namentlich war es berühmt durch seine
Messen ("Kontrakty") im Februar jeden Jahres, die
aber jetzt an Bedeutung verloren haben.
Kiffhäuser, s. Kyfshäusergebirge.
Mfti, Dschemal ed-din Abu l-Hasan Ali ibn
Iusuf, al-, oder richtiger Ibn al-Kifti (Sohn des
K.), geb. 1172, Gefchichtfchreiber, entstammte einer
aus Kufa nach Kift in Oberägypten eingewanderten
Äeamtenfamilie. Als sein Vater nach der Eroberung
Jerusalems durch Paladin (1187) an das Hoflager
des Sultans berufen wurde, ließ er auch den Ali
dahin kommen, wo er längere Zeit verblieb. Nach
dem Sturz der Ejjubiden (s. Ejjüb) wandte dieser
sich (1202) nach Halcb, der Residenz eines Sohnes
des Saladin, wo ihm die Verwaltung hoher Ämter
anvertraut wurde, denen er mit selbsterbetenen
Unterbrechungen bis an sein Lebensende (1248)
vorstand. Neben der gewissenhaften Verwaltung
seines Amtes lebte er vorwiegend seinen Studien
und der Förderung der Litteratur. Ihm ist das
arohe geogr. Lexikon des Iäküt (s. d.), das mit seiner
Unterstützung entstand, gewidmet. Von seinen
Schriften ist nur das biogr. Werk über die griech.,
syr. und Mohammed. Schriftsteller auf dem Gebiete
der exakten Wissenschaften in einem Auszuge er-
halten, welcher eine der wichtigsten Quellen für die
Litteraturgeschickte jener Wissenschaften ist. - Vgl.
Aug. Müller, über das sog. Tarich al-Hukama des
Ibn al-Kifti (Leid. 1890).
Kijas, s. Fikh.
Kijkduin (spr. keikdeun), Fort bei Helder (s. d.).
Kikuju, Landschaft in Englisch - Ostafrika (s. d.,
Kil, s. Meerschaum. ^Bd. 6, S. 153 a).
Kila, Getreidemah, s. Kils.
Kilar, d. i. Keller, ein aus dem Neugriechischen
in das Türkische übergegangener Ausdruck, bedeutet
speciell den Proviant der Hofhaltung des Groß-
herrn. Die beträchtlichen Vorräte, die denselben
ausmachen, werden unter der Leitung des Kilar-
(Chiler-)Vaschi, Großkcllcrmeisters, von dem
Kilar-Odassi, Kellerelbureau, dem eine große
Anzahl Diener unterstehen, verwaltet.
Kilauea, Vulkan auf Hawaii (s. d.).
Kilch, Fisch, s. Felchcn.
Kildare (spr.-dähr). 1) Grafschaft in der irischen
Provinz Leinster, grenzt im O. an Dublin und Wick-
low, im W. an King's - und Queen's - County und
umfaßt 1693,53 qkm, wovon 29 Proz. auf Acker-
land, 1,7 auf Wald, 57 auf Weiden und 12 Proz.
auf Unland kommen, mit (1891) 70206 E., gegen
75804imI. 1881 und 115190im1.1841. 83Proz.
der Bevölkerung sind katholifch. Die Zahl der Aus-
wanderer betrug (1892) 279. Die Oberfläche ist
teils wellenförmig und hügelig, größtenteils aber
flach. Der Boden, tbonig, im Norden zum großen
Torfmoor (LoZ ol^iien) gehörig (16 200 da), ist
im ganzen ergiebig an Getreide, Rübsamen und
Kartoffeln, ist besonders ausgezeichnet durch seine
grüne Rasendecke, wird bewässert vom Barrow,
Liffey und Boyne und vom Königs- und Großen
Kanal sowie von der Westbahn durchzogen. In-
dustrie fehlt. Die Grafschaft schickt zwei Abgeord-
nete in das Parlament. Hauptort ist Athy (s. d.).
- 2) Marktstadt in der Grafschaft K., an der West-
bahn und in der grasreichen Ebene Curragh o f 5i.
gelegen, die jetzt zu einem stehenden Lager benutzt
wird, war früher Sitz irifcher Gelehrsamkeit und eines
Erzbistums, hat (1891) 4570 E., lebhaften Marktver-
kehr, Ruinen einer Kathedrale und von vier Klöstern.
Kildare (spr. -dähr), irischer Grafentitel der
Familie Fitzgerald (s. d.), den zuerst 1316 John
Fitzthomas Fitzgerald, sechster Baron von
Offaly, erhielt. - Ein Nachkomme, Gerald Fitz-
gerald, achterGraf vonK. (gest. 1513), Bevoll-
mächtigter in Irland, wurde von Eduard IV. und
Richard III. begünstigt, dafür unterstützte er später
die yorkistischen Prätendenten Simnel und Warbcck
gegen den ersten Tudor Heinrich VII. Er unterlag
aber und wurde gefangen genommen; nach zwei-
jähriger Haft ernannte ihn auch Heinrich VII. 1496
zum Bevollmächtigten in Irland. Gleichzeitige Chro-
nisten nennen ihn den "Großen Grafen". - Sein
Sohn Gerald Fitzgcrald, neunter Graf von
K., folgte ihm in der Vevollmächtigtenwürde und
kämpfte mit Glück gegen die "wildenIren" außerhalb
des engl. Herrschaftsgebietes, des Pale. Der erb-
liche Hader mit den Rivalen der Fitzgcralds, den
Butlers, brach wieder heftig aus, und als einer der-
felben 1521 zum Bevollmächtigten ernannt wurde,
trat K. mit den wilden Iren gegen den Pale in Ver-
bindung, da er die Vcvollmächtigtenwürde wie einen
erblichen Besitz seines Hauses ansah. Er starb in
cngl. Gefangenschaft 1534. - Auf das Gerücht hin,
er sei hingerichtet worden, erhob sich sein ^ohn Tho-
mas Fitzgerald, Lord Offaly, zehnterGraf
von K., geb. 1513, zu einer Empörung, die erst im
folgenden Jahre niedergeschlagen wurde. Er unter-
warf sich, wurde gefangen genommen und mit fünf
Oheimen 3. Febr. 1537 hingerichtet. Nur einem
Familiengliede gelang die Flucht, seinem Halbbruder
Gerald Fitzgerald, elften Grafen von K.,
geb. 1524, der nach Italien und Rom ging, mit den
Rhodiscrn gegen die Türken focht und in Florenz in
den Dienst von Cosmo de Medici trat. Nach Hein-
richs VIII. Tode (1547) kehrte er nach England
zurück, Maria stellte ihn in der Würde und einen:
Teil des Besitzes seines Vaters wieder her, die Ackt
wurde 1568 formell aufgehoben. Auch er geriet
vorübergehend in Verdacht und Gefangenschaft und
starb Nov. 1585inLondon.-James Fitzgcrald,
zwanzigster Graf von K., wurde 1766 zum
Herzog von Leinstcr (s. d.) in irischer Pairie er-
hoben, unter welchem Namen seine Nachkommen
noch heute blühen.
Kildörkin, engl. Biermaß, der dritte Teil des
Hogshead, das Doppelte des Firkin (s. d.), gleich
dem Wein- und Branntweinmah "Rundlet".
Kile, Kilo, Kilä, Kil^h, Kelä, Kelch, Ge-
treidcmaß auf der Balkanhalbinsel, in Kleinasien,
Syrien und Ägypten. Das K. hat in Konstantinopcl
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.