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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kinogerbsäure – Kioto

Kinogerbsäure, die ihrer chem. Konstitution nach noch unbekannte Gerbsäure des Kino (s. d.).

Kinróß. 1) Grafschaft in Schottland, nach Clackmannan die kleinste des Königreichs, von Fife und Perth ganz umschlossen, nur 201,6 qkm groß mit (1891) 6289 E. (gegen 6699 im J. 1881), enthält im Südosten den herrlichen See (Loch) Leven (134 ha), welcher fast alle Gewässer aufnimmt und durch den Leven in den Forthbusen abfließt. Die Umgebung ist fruchtbar (66 Proz. sind angebaut), während die höhern Gegenden sehr unergiebig, meist mit Moor und Moos bedeckt sind. Die Grafschaft wurde 1426 von Fife abgetrennt und wählt mit Clackmannan einen Abgeordneten. –

2) Hauptstadt der Grafschaft K., mit 1902 E., liegt nahe westlich des Loch Leven, dessen eine Insel die Ruinen des Schlosses trägt, das vom 16. Juni 1567 bis 2. Mai 1568 Maria Stuart als Gefangene beherbergte.

Kinsale (spr. -séhl), Seestadt in der irischen Grafschaft Cork, nördlich am Bandon-Ästuar, 23 km südlich von Cork, hat (1891) 2209 E., ein Schloß, eine Kirche (14. Jahrh.) und Fischerei. Lange die bedeutendste Seestadt Südirlands, trieb K. wichtigen Handel mit Spanien. Hier landete 1689 Jakob II.

Kin-scha-kiang, Fluß, s. Jang-tse-kiang.

Kin-schan, chines. Name des Altai (s. d.).

Kinsky, böhm. Adelsgeschlecht, dessen Ursprung bis ins 12. und 13. Jahrh. zurückreicht, und dessen Stammhäuser Wchinitz bez. Tettau (von diesem nannte sich eine besondere Linie) im Böhmerwalde liegen. Die Grafenwürde kam an das Haus durch Wilhelm K. 1628 (mit dessen Enkel im Mannsstamme erloschen) und durch Wenzel Norbert Octavian 1676; die nach dem Recht der Erstgeburt vererbende Fürstenwürde erwarb dessen Sohn Graf Stephan Wilhelm 1746 und 1747. Bemerkenswerte Glieder des Hauses sind: Wilhelm Graf K., als Unterhändler Wallensteins mit Frankreich und Schweden in dessen Katastrophe verwickelt und 25. Febr. 1634 zu Eger ermordet. (Vgl. Schebek, K. und Feuquières, Berl. 1882.) Franz Joseph Graf K. (1739–1805) war als Direktor der Wiener-Neustädter Militärakademie Schöpfer vieler Reformen und Verfasser militärwissenschaftlicher Schriften. Er focht als Feldzeugmeister 1794 und 1795 in den Niederlanden. (Vgl. Eymer, Graf Franz Joseph K. als Pädagog, Prag 1887.) Haupt der fürstl. Linie ist jetzt Ferdinand Fürst K., geb. 22. Okt. 1834, Fideikommißherr auf Mosić und Chlotzen in Böhmen, erbliches Mitglied des Herrenhauses, der verfassungstreuen Partei angehörig. Jetziges Haupt der gräfl. Linie ist Octavian Graf K., geb. 13. März 1813, Fideikommißherr auf Chlumetz in Böhmen und gleichfalls erbliches Mitglied des Herrenhauses des Reichsrates. – Vgl. Folkmann, Die gefürstete Linie des uralten und edlen Geschlechtes K. (Prag 1861).

Kintál, Handelsgewicht, s. Cantaro und Artal.

Kintampo, das Tintinpoh der Mohammedaner, Handelsplatz mit 3000 E. in Nordwestafrika, 120 km von Kumase, der Hauptstadt der Aschanti, entfernt, steht unter der Herrschaft von eingewanderten Haussa. K. exportiert hauptsächlich Kolanüsse, außerdem vermittelt es den Verkehr aus dem Innern nach Assinie an der franz. Elfenbeinküste.

Kintâr, Handelsgewicht in Marokko, s. Artal.

Kintyre (spr. -teir), schott. Halbinsel, s. Cantire.

Kinyras (lat. Cinyras), in der cyprischen Sage der erste Priester der Aphrodite auf Cypern. Er galt ↔ für den Ahnherrn des Priestergeschlechts der Kinyraden zu Paphos, das er gegründet haben sollte, und zu Amathus. Ein Liebling der Aphrodite, wurde er von dieser mit allen Gaben des Glücks überhäuft, bis er im höchsten Alter entschlief. Nach späterer Sage wurde er durch seine Tochter Vater des Adonis und gab sich nach Entdeckung des Frevels, den er unbewußt begangen, selbst den Tod.

Kinzig. 1) Rechter Nebenfluß des Mains, entspringt im SO. von Schlüchtern am Südabhange der Kinzberge, berührt Steinau, Salmünster, Wächtersbach, Gelnhausen und mündet bei Hanau. Der 82 km lange Fluß gehört ganz dem preuß. Reg.-Bez. Cassel an und bildet die Scheide zwischen Spessart im S. und Vogelsberg im N. –

2) Rechter Nebenfluß des Rheins im Großherzogtum Baden, entspringt im württemb. Schwarzwald südlich von Freudenstadt, durchfließt das Ehlenbogenthal über Alpirsbach, vereinigt sich bei Schenkenzell mit der Schwabach, nimmt die Schiltach, Wolfach, Gutach und den Harmersbach auf, tritt bei Offenburg in die Ebene und mündet nach Aufnahme der Schutter, 112 km lang, bei Kehl. Ihr Thal wird bis Alpirsbach aufwärts von einer Kunststraße und der Schwarzwaldbahn durchzogen und ist mit seinen Nebenthälern der gewerbreichste Teil des Schwarzwaldes, besonders in Uhrenfabrikation und Holzflößerei.

Kinzigthalbahn, von Offenburg nach Hausach (33,1 km, 1866 eröffnet), bad. Staatseisenbahn.

Kios, Kolonie an der Propontis, s. Gemlik.

Kiósk (türk.), ein rundes oder viereckiges, auf Säulen ruhendes, freistehendes oder angebautes Gartenzelt: dann ein ähnlicher, nach vorn offener, an den Seiten nur durch Gitterwerk verschlossener, an die obern Gemächer der orient. Paläste sich anschließender, erkerartiger Vorbau; schließlich ein größeres Gartenhaus. Aus dem Orient ist der K. zuerst in die engl. Gärten, dann auch in die des Kontinents übergegangen. Jetzt versteht man meist unter K. leichte, aus Holz oder Eisen und Glas errichtete Bauten in den Straßen der Großstädte, die zum Verkauf von Zeitungen, Erfrischungen, Cigarren u.dgl. dienen.

Kiöstendil, bulgar. Stadt, s. Köstendil.

Kiot, s. Kyot.

Kiōto, Kyoto, Miako, Mijako oder oft Saikio («Hauptstadt des Westens»), früher die Residenz des Mikado auf der Insel Nipon, in einer fruchtbaren Thalebene am Jodo, im W. des Biwasees und an der nach Osaka und nach N. führenden Eisenbahn, hat (1890) 289588 E. und gerade, reinliche Straßen. Die frühere Residenz bildet im nordöstl. Teile ein eigenes Viertel; doch sind die Paläste leer und meist verfallen. Die Zahl der Shintotempel beläuft sich auf 2000, die buddhistischen sind zum Teil verfallen, seitdem der Buddhismus nicht mehr Staatsreligion ist, auch zu andern Zwecken verwendet worden. Die merkwürdigsten sind der Nishi-Hongantschi, ein prachtvoller, dem Amida (Buddha) gewidmeter Doppeltempel und der an einem Bergrand erbaute Kiomitsu, der Tempel des Daibuts, d. h. Großen Buddha, mit einer 25 m hohen, vergoldeten Buddha-Statue aus Holz, sowie der Sanjo-sanjendo (12. Jahrh.) mit 686 vergoldeten Götzenbildern. Durch die polit. Neugestaltung Japans, infolge deren Tokio Residenz wurde, hat K. sehr gelitten; früher betrug die Bevölkerung an 600000. K. ist noch immer die erste Industriestadt Japans, besonders ausgezeichnet durch ihre Seidenwebereien,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 351.

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