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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kirensk - Kirkcaldy
die Weihung vornimmt und das Hochamt hält. Bei
den Protestanten wird die K. durch Gottesdienst
und eine dabei gewöhnlich vom Generalsuperinten-
denten gehaltene Weiherede vollzogen. Schon in
der alten Kirche, in Deutschland seit dem 9. Jahrh.,
wurde der Tag der K., der regelmäßig auf einen
Sonntag fiel, alljährlich festlich begangen, eine Sitte,
die sich in einem großen Teile der christl. Welt er-
halten hat. Man nennt dieses Fest dasKirchweih -
fest, auch Kirchmesse, Kirmeß oder Kirmse,
weil es in der röm. Kirche üblich ist, zum Andenken
an die Stiftung einer Kirche eine Messe zu halten.
Schon früh haben sich an diese Feste allerlei welt-
liche Lustbarkeiten, aber auch Mißbrauche ange-
schlossen. Hauptsächlich deshalb müssen in manchen
Ländern (Österreich, Württemberg, Bayern, Baden)
alle Kirchweihfeste an einem und demselben Tage
im Herbst nach vollendeter Ernte gefeiert werden.
Kirönsk. 1) Bezirk im nordöstl. Teil des russ.-
sibir. Gouvernements Irkutsk, hat 409465,4 ykin,
49630 E. (Russen, Tungusen und Jakuten), Jagd
und Fischfang. - 2) Bezirksstadt im Bezirk K., in
245 ra Seehöhe, an der Mündung der Kirenga in
die Lena, hat (1892) 2140 E., Post, Kirche, Kloster,
2 Schulen, Ackerbau und Viehzucht.
Kirgisen, zweiNomadenvölker türk.-tatar.Stam-
mes, die sich jetzt sprachlich sehr nahe stehen, aber
sich selbst als vollkommen getrennte Völker betrach-
ten und sich stets feindlich gegenüber gestanden haben:
1) die Kara-Kirgisen (s.'d.); 2) die Kasak-Kir-
gisen oder Kirgis-Kasaken (fälfchlich Kai-
sake n) genannt. Die letztern nomadisieren in den
weiten <^teppengegenden, die sich im N. Turkestans
von der untern Wolga und dem Kaspischen Meere
im W. bis an die russ.-chines. Grenze am Altai und
Tarbagatai im O. und vom Aralsee und Syr-darja
im S. bis gegen den Tobol und den mittlern Irtysch
nach N. erstrecken und gewöhnlich unter dem geogr.
Namen der Kirgisensteppe zusammengefaßt wer-
den. Die K. selbst nennen sich nur Kasak und der
Name K. ist ihnen aus Verwechselung mit den
Kyrgys, die die Russen am Abakan trafen, beigelegt
worden. Zum Unterschied von sich selbst nennen sie
die russ. Kosaken Kasak-orus. (S. Tafel: Asia-
tische Völkertypen, Fig. 5.)
Die K. sprechen einen der reinsten türk. Dialekte.
Ihrem physischen Typus nach gehören sie zum
großen Teil der mongol. Rasse an. Sie bekennen
sich zum Islam, die Masse des Volks hängt aber
noch an ihrem angestammten heidn. Aberglauben.
Das Hauswesen beruht ganz auf den Frauen, die
sich durch große Rührigkeit auszeichnen. Die K.
sind ausschließlich Nomaden und Viehzüchter. Ihre
Herden bestehen aus grobwolligen Schafen mit
Fettpolstern, Ziegen, kräftigen und sehr schnellen
Pferden, Rindern und Kamelen, deren sie verhältnis-
mäßig nur eine geringe Anzahl züchten. Aller
Handelsverkehr mit den Russen, Chinesen und Tur-
kestanern beruht auf Tauschhandel. Die K. teilen
sich in Adel und Volk (weiße und schwarze Knochen).
Den Adel bilden die Nachkommen der alten Chane,
welche den Titel Törö (russ. Sultan) sühren. Früher
war die Verwaltung in Händen der Adligen, jetzt
hat die russ. Regierung das Wahlrecht eingeführt
und alle Beamten: Bezirksbeisitzer, Wolostverwal'ter
und Aulälteste werden ohne Rücksicht auf ihre Ab-
stammung vom Volke gewählt.
Ein kleiner Teil der K. wohnt auf chmes. Gebiete
in Tarbagatai und südlich vom Altai bis zu der
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
Quelle des Irtysch- unter russ. Hoheit stehen gegen
2^/2 Mill., über welche der Generalgouverneur des
Steppenbezirks in Omsk den militär. Oberbefehl
führt. Davon Haufen auf europ. Boden (die Innere
oder Vukejewsche Horde) im Gouvernement Astra-
chan mit Orenburg 158624 Köpfe. Die K. in
Asien zerfallen in drei Abteilungen: 1) die Kleine
Horde (Iciäciii clscliüx, d. i. das kleine Hundert),
nördlich vom Kaspischen und Aralsee im Gebiete
Uralsk, und südlich im transkaspischen Gebiete,
etwa 551000 Köpfe; 2) die Mittlere Horde (orta.
li8ckü2, d.i. das mittlere Hundert), in den Ge-
bieten Turgai, Akmolinsk und Semipalatinsk, etwa
712000 Köpfe; 3) die Große Horde (uin ääciiüx,
d. i. das große Hundert), im Generalgouvernement
Turkestan, d. i. den Gebieten Semirjetschensk, Amu-
darja und Syr-darja, etwa 975000 Köpfe. Dazu
kommen noch 61266 in den Gouvernements Tomsk
und Tobolsk. - Vgl. Göbel, Claus und Bergmann,
Reise in die Steppen des südl. Rußlands (2 Bde.,
Dorp. 1838); Baer, Nachrichten aus Sibirien und der
Kirgisensteppe (in den "Beiträgen zur Kenntnis dcs
Russischen Reichs", Bd. 7, Petersb. 1845); Atkinson,
Oi'iLnwi llnä^V68t6i-n 8id6ria. (Lond. 1858); Schott,
Über die echten K. (Berl. 1864); Zaleski, 1.3. vis äes
8t6pp63 Kir<;1ii268 (Par. 1865); W. Radloff, Pro-
ben der Volkslitteratur der türk. Stämme Südsibi-
riens, Tl. 3 u. 5: Kirgisische Mundarten (4 Bde.,
Text und Übersetzung, Petersb. 1870 u. 1885); ders.,
Aus Sibirien (2 Bde., Lpz. 1884).
Kirgis-Kasaken, s. Kirgisen.
Kir Harefeth oder Kir Heres, s. Kerak.
Kirid, der türk. Name der Insel Kreta (s. d.).
Kirilow. 1) Kreis im nordöstl. Teil des russ.
Gouvernements Nowgorod, niedrige sumpfige Land-
schaft, hat 14874,8 hkm (davon 1023,2 hkin Seen),
106408 E., Ackerbau, Fischerei, Waldindustrie. -
2) Kreisstadt im Kreis K., zwischen drei Seen am
Flusse Kopanj und am Herzog-Alexander-von-
Württemberg-Kanalsystem (s. d.), hat (1892) 4230 C'.,
Post, Telegraph, 3 Kirchen, das Kirilo-Vjelosersche
Kloster (gegründet 1369, eins der berühmtesten
Mönchsklöster in Rußland), Ackerbau, Fischerei. Den
Kanal von K.passierten (1890) 733 Kähne, 287 Flöße
und 3 Buasierdampfer. ^(s. d.).
Kirjath-Arba, früherer Name der StadtHebron
Kirjath-Iearlm (hebr, "Wälderstadt"), Stadt
in Palästina, gehörte zu dem Städtebund der Gibeo-
niter (Ios.9,17), später zu dem Gebiete des Stammes
Iuda. Die LadeIahwes, das vornehmste Heiligtum
Israels, stand hier eine Zeit lang, bis David sie
nach Jerusalem brachte. Vielleicht hangt damit der
andere Name dcs Ortes (Kirj athB aal ^V aale-^I)
Iuda, Ort des Herrn (Gottes) von Iuda (da-
neben Baala), zusammen. K. lag jedenfalls west-
lich von Jerusalem, doch ist eine genaue Bestimmung
noch nicht gelungen. Die meisten Gelehrten suchen
es in Karjet el-'Ineb oder Abu Ghosch ander
Straße von Jaffa nach Jerusalem.
Kirjath-Sepher (hebr., "^chnftstadt"), nach
Ios.15,i5 in alten Zeiten die Stadt D ebir in Süd-
palästina, genauer im Stamme Iuda. Ios. 15, 49
wird sie auch Kirj ath-Sanna genannt. Vielleicht
das heutige ed-Daherije südwestlich von Hebron.
Kirkby-Kendal (spr. körbe kennoel), Ort in
England, s. Kendal.
Kirkcaldy (spr. körkahlde), Seestadt in Schott-
land, an der Südostküste von Fife, 19 km nördlich
von Edinburgh, langgestreckt gebaut, hat (1891)