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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Köln
hauptstelle, Handelskammer, eines städtischen Stati-
stischen Bureaus, eines Gouvernements und einer
Kommandantur, der 7. Festungsinspektion, eines
Artilleriedepots, Proviantamtes, einer Fortifikation,
'Artilleriewerkstatt, sowie der Kommandos der 15. Di-
vision, 29. Infanterie- und 15. Kavalleriebrigade.
Unterrichts- und Bildungswesen. Drei
lonigl. kath. Gymnasien: an MarZellen, 1450 ge-
gründet, 1815 reorganisiert; an der Apostelnkirche,
1860 gegründet und das Kaiser-Wilhelmsgymna-
sium, 1871 gegründet; ferner ein königl. simultanes
Friedrich - Wilhelmsgymnasium, ein Realgymna-
sium mit Gymnasial-Parallelklassen, 1828 gegrün-
det, eine Obcrrealschule, erzbischöfl. Priesterseminar,
Schullehrerseminar, 4 höhere Mädchenschulen, dar-
unter 2 mit Lehrerinnenbildungsanstalten. Der
Zoologische Garten und die Flora enthalten reiche
Gewächshäuser und eine Gartenbaulehranstalt.
Sammlungen. Die Stadtbibliothek (115000
Bände und 2000 Inkunabeln, sowie Karten, Pläne
u. s. w.), Bibliotheken der höhern Schulen, der Re-
gierung, der Justizbehörden, der Handelskammer,
mehrerer Kirchen und Vereine, sowie ein reiches
städtisches Archiv. Das städtische (Wallraf-Richartz-)
Museum, erbaut durch die Schenkung des Kommer-
zienrats Richartz (gest. 1861) und begründet durch
die Gemälde- und Altertümersammlung des Pro-
fessor Wallraf (gest. 1824), enthält Gipsabgüsse,
röm. Altertümer, Wandmalereien von Steinte und
Gemälde, endlich die dauernde Ausstellung des Köl-
nischen Kunstvereins; das Kunstgewerbemuseum ist
1888 eröffnet, das erzbischöfl. Museum befindet sick
in einer 1665 aufgeführten Kapelle; endlich bestehen
zum Teil bedeutende Kölner Privatsammlungen des
Freiherrn von Oppenheim, des Bürgermeisters The-
wald und des Domkapitulars Schnütjen.
Das Stadttheater (1700 Zuschauerplätze) ist
für 30000 M. jährlich verpachtet, hat ein Solo-
personal von 48 Personen und eine Spielzeit von
8 bis 9 Monaten. Das Konservatorium der Musik
(1851 gegründet, mit städtischer Subvention) und
die berühmten Gürzenichkonzerte stehen unter Lei-
tung des Kapellmeisters Dr. Wüllner.
In K. erscheinen 5 polit. Zeitungen und Tages-
blätter, darunter die "Kölnische Zeitung" (s. d.) und
die "Kölnische Volkszeitung" (s. d.).
Der Gesang wird in vielen Vereinen gepflegt,
unter denen der Kölner Männergesangverein und
der Kölner Liederkranz die berühmtesten sind.
Die Stadt hat (1893) 19 Orts-, 15 Betriebs- und
11nnungskrankenkasse, sowie zahlreiche Stiftungen
und Wohlthätigkeitsanstalten.
Industrie und Handel. Die Industrie er-
streckt sich auf die Fabrikation von Zucker, Tabak,
Leim (Kölnischer Leim), Goldleisten, Tapeten, Nau
äs O0I03N6 (s. d.), Seife, Leder, Möbeln, Kla-
vieren, Maschinen (Deutzer Vasmotorenfabrik),
Chemikalien, Spiritus, Korsetts, Schirmen, Hand-
schuhen u. s. w. In K. haben ihren Sitz die 5.
Sektionen der Papiermacher- und der Rheinisch-
Westfälischen Vaugewerks-, die 10. der Müllerei-
und Brennerei-Berufsgenossenschaften, die 2. Sek-
tionen der Buchdrucker- und der Lemen-, die 4. der
Steinbruchs-, 6. der Rheinisch-Westfälischen Ma-
schinenbau- und Kleineisenindustrie-, 9. der Nord-
deutschen Holz-, 11. der Ziegelei-, 23. der Fuhrwerks-
Berufsgenossenschast und die 4. Sektion der Verufs-
genossenschast der chemischen Industrie. Der be-
deutende Handel wird unterstützt durch eine Han-
delskammer und eine Reichsbankhauptstelle (Ge-
samtumsatz 1892: 3219,520 Mill. M.). Dem Geid-
und Kreditverkehr dienen der A. Schaafhausensche
Bankverein, die Kölner Gewerbebank, Bank für
Rheinland und Westfalen, Kölnische Wechsler- und
Kommissionsbank, Bergisch-Märkische Bank, Rhei-
nische Volksbank und zahlreiche private Bankhäuser;
das Versicherungswesen ist vertreten durch die
Lebensversicherungsgesellschast Concordia, Feuer-
versicherungsgesellfchaft Colonia, eine Hagelver-
sicherungsgesellschast, die Versicherungs - Aktien-
gesellschaft Rhenania, Kölnische Unfallversicherungs-
Aktiengesellschaft, Rückversicherungsgesellschaft, Ne-
trocessions- und Rückversicherungsgesellschaft Mi-
nerva und die See-, Fluß- und Landtransport-Ver-
sicherungsgesellschaft Agrippina.
Verkehrswesen. O. liegt an den Linien Han-
nover-K.(326,6^m),Hamburg-Vremen-K.(448,i^m),
Kalk-Deutz-K.-Varmen (52Fkm), Deutz-K.-Gießen
(166,8 km), Frankfurt-K. (220,i km), K.-Cleve
(119,9 km), K.-Aachen-Herbesthal (85,4 km), K.-
Trier(180km)undK.-Koblenz-Bingerbrück(153,6km)
der Preuß. Staatsbahnen und hat vier Bahnhöfe
(s. den Stadtplan). Der gesamte Eisenbahngüter-
verkehr betrug (1892/93) 2446 715,y t, darunter
abgegangen 743 752,6 t.
Straß enb ahn enführennachBayenthal,Ehren-
feld, Lindenthal, Kalk, Mülhcim a. Rh. und Nippes,
eine solche mit Dampfbetrieb nach Frechen, außer-
dem durchziehen zahlreiche Pferdebahnlimen die
Stadt und verbinden die Altstadt mit den Vororten.
K. hat 4 Postämter erster Klasse, ein Tele-
graphenamt erster Klasse mit Zweigstelle, Stadt-
fernsprechamt, 4 Bahnpostämter, 2 Postämter zwei-
ter Klasse, 7 Stadtpostanstalten und 4 Postämter
dritter Klasse, sämtlich mit Telegraphen-, eins der
letztern mit Fernsprechbetrieb. Die Fernsprechein-
richtung hatte (1893) 2417 Fernsprechstellen.
K. hat mehrere Häfen und einen bedeutenden
Schiffsverkehr, direkte Fracht- sowie Personen-
dampferverbindung mit zahlreichen Orten. K. ist Sitz
der Kölnischen Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft,
der Preuhifch-Rheinischen Dampfschiffahrtsgefell-
schaft sowie der Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft.
1892 kamen an (gingen ab) 5259 (4753) Fahrzeuge
mit Ladungen von 372835 (170729) t.
Festung. Nach 1872 erfolgte deV Umbau von K.
zu einem Waffenplatze. Auf dem linken Rheinufer
liegen, zum Teil bis 6 km vorgeschoben, acht starke
Forts und in deren Iwischenräumen kleinere Werke:
die Stadtumwallung ist in die Höhe der alten Forts-
linie hinausgeschoben. Die neue Nmwallung schließt
die 1888 eingemeindeten Vororte (Ehrenfeld u. s. w.)
nicht ein. Auf dem rechten Rheinufer sind gleich-
falls starke Forts vorgefchoben worden.
Gefchichte der Stadt und des Erzstifts.
K., Oolonia, ist als röm. Militärkolonie entstanden.
Marcus Agrippa versetzte 38 v. Chr. die Ubier
von dem rechten auf das linke Rheinufer, und
zwei röm. Legionen erhielten hierauf ihr Stand-
quartier bei der ^ra Ildiorum. Agrippina, Ge-
mahlin des Kaifers Claudius, würd? in diefem
Lager geboren und führte dort 50 n. Chr. eine Ve-
teranenkolonie ein; feitdem hieß die neue Römer-
stadt Oolonia ^Fi-ii)piii6N8i8 oder kurz ^rippina,
gedieh rasch zu boher Blüte und war in der röw.
Kaiserzeit wiederholt der Schauplatz wichtiger Er-
eignisse. Im 4. Jahrh, siel sie an die Franken und
wurde Sitz der ripuarischen Könige, kam 511 an
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.
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