Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

553
Könige (Heilige drei) - Königgrätz
schreiben, sondern die Erinnerungen an die Ver-
gangenheit zu religiös belehrenden Zwecken an-
wenden. Daher haben die polit. Ereignisse und be-
sonders die kriegerischen Thaten der Könige sür sie
uur geringes Interesse. Diese Eigenart des Königs-
buches verschuldet es, das; man sich ein einigermaßen
lückenloses Bild von der Entwicklung Israels unter
der Königsherrschaft nicht mehr entwerfen kann.
Den besten Kommentar zum Königsbuch schrieb
Thenius (Lpz. 1849; 2. Aufl. 1873).
Könige, .heilige drei, s. Drei Könige.
Königgrätz. 1) Bezirkshauptmannschaft in
Böhmen, hat 701,91 hkm und (1890) 94671 (46063
männl., 48608 weibl.) czech. E., 149 Gemeinden mit
221 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke
Horic, K. und Nechanitz. - 2) K., czech. HrHä6c
Ki'älove, königl. Kreisstadt und Sitz der Bezirks-
hauptmannschaft, eines Kreis- und eines Bezirks-
gerichts (282,28 ^m, 44827 czech. E.), Bischofs
sowie des Kommandos der 20. Infanteriebrigade,
bis 1884 Festung, an der Einmündung der Adler
in die obere Elbe, in 244 in Höhe, an den Linien
Chlumetz-Geiersberg-^tittelwalde und Deutsch-
Brod-K.-Liebau der Österr. Nordwestbahn und K.-
Wostromer derVöhm. Konnnerzialbahnen, in frucht-
barer Gegend, hat (1890) 7816, mit der benach-
barten Schlesischen Vorstadt und Neu-Königgrätz
10816 meist czech. E., in Garnison 1 Bataillon des
18. Infanterieregiments "Erzherzog Leopold Sal-
vator", den Stab und 2 Bataillone des 42. Infan-
terieregiments "Ernst August, Herzog von Cumber-
land, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg"
und das 27. Divisionsartillerieregiment, eine got.
Kathedrale (1303), St. Clemenskapelle (1574) mit
einer großen Glocke (9800 KZ), ein Rathaus, eine
bischöfl. Residenz mit Bibliothek und den Porträten
sämtlicher Bischöfe, ehemaliges Iesuitenkollegium,
Theater und schöne Maricnstatue (1737). Ferner
bat K. eine bischöfl. Diöcesananstalt und ein thcol.
Seminar, ein czech. Staatsobergymnasium (1642 ge-
gründet), eine czech. Oberrealschule, höhere Mädchen-
schule, Lehrerbildungsanstalt und Fachschule sür
Kunstschlosserei und eine Sammlung von Alter-
tümern. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation
von Maschinen, Blechinstrumenten, Handschuhen,
Wachskerzen, Farben und Steinpappe; weiter be-
stehen eine Brauerei und bedeutender Gemüsebau.
Das alte Schloß wurde 1632 der Königin Elisabeth
als Witwensitz angewiesen, daher der Name Hradec
Krälove, d. h. Königingrätz.
In der Gegend von K. wurde 3. Juli die Ent-
scheidungsschlacht des Deutschen Krieges von 1866
(s. Deutscher Krieg von 1866), die Schlachtvon K.
(häufig, besonders von Franzosen und Engländern,
auch Schlacht von Sadowa genannt) geliefert.
(Hierzu Karte: Die Schlacht von Königgrätz.)
Die österr. Armee (178000 Mann) unter Feldzeug-
meister Benedek, verbunden mit den sächs. Truppen
(20800 Mann), hatte sich nach ungünstigen Gefech-
ten und dem Verluste von Iicin (Gitschin) nord-
westlich von K. versammelt, um hier eine Haupt-
schlacht anzunehmen. Ihre Stellung hinter der
sumpfigen Bistritz war günstig, der rechte Flügel
an den schwer zu überschreitenden Trotinabach, der
linke an das Dorf Necbanitz gelehnt, die Mitte auf
einem terrassenförmig ansteigenden Höhenzuge. Auf
diesem standen von reckts nach links das 2., 4.
(Chlum-Nedelischt), 3. (Lipa-Cblum), 10. österr.
und königlich sa'än. Armeekorps (Popowitz) sowie die
1. leichte Kavalleriedioision (Probluz-Prim). Die
Artillerie (770 fast durchweg gezogene Geschütze)
beherrschte das freie Vorgelände, dessen Entfer-
nungen ihr genau bekannt, zum Teil sogar bezeich-
net waren. Für die Batterien waren Geschütz-
stellungen eingeschnitten, besonders bei Nedelischt,
Lipa und Chlüm. Bei Eadowa und Venatek waren
zwei vorliegende Wäldchen als Stützpunkte mit Ver-
hauen versehen. In Reserve standen das 1. Armee-
korps bei Rosnitz, das 6. bei Wschestar, das 8. hinter
dem sächs. Korps, die 2. leichte Kavalleriedivision
bei Nedelischt, die 1. und 3. Reservekavalleriedivision
bei Swety, die 2. bei Briza. über die Elbe waren
zwischen Lochenitz und Predmeritz sowie bei Placka
Brücken geschlagen. Die preuh. Armee sollte für
den 3. Juli Ruhetag haben, da die Truppen sehr
erschöpft waren. Die Elbarmee, unter General Her-
warth von Bittenfeld, bildete den rechten Flügel bei
Smidar, die Erste Armee nebst dem Kavalleriekorps,
unter Prinz Friedrich Karl, stand bei Horitz; die
Zweite Armee, unter dem Kronprinzen, 22 km ent-
fernt bei Königinbof und Gradlitz. Im ganzen be-
trug die preuß. Streitkraft 220 984 Mann. Am
2. Juli, abends 11 Uhr, ging die Meldung ein, dah
die Österreicher über die Elbe vorgegangen seien
und den Abschnitt der Bistritz besetzt hätten.
Der König beschloß sogleich den Angrifs, und die
Befehle zum Vormarsch gingen an alle Korps ab.
Die Armee des Prinzen Friedrich Karl sollte in der
Front den Feind beschäftigen, während die des
Kronprinzen gegen dessen reckte, die Elbarmee gegen
die linke Flanke ihren Angriff richteten. Um 8 Uhr
morgens, 3. Juli, wurde die Schlacht eröffnet, die
der König von einer Höhe bei Sadowa leitete. Die
Preußen, mit einem furchtbaren Artilleriefeuer em-
pfangen, überschritten die Bistritz und kämpften mit
großen Verlusten um die Wäldchen von Sadowa
und Venatek und die vor der Hauptstellung liegen-
den Dörfer, fanden aber einen so hartnäckigen
Widerstand, daß die Schlacht gegen Mittag zum
stehen kam. Der König hielt mit äußerster An-
strengung das Gefecht durch Artillerie hin, wobei
die österr. Artillerie mit ihren gezogenen Geschützen
sehr im Vorteil war, bis gegen 2 Uhr der Kanonen-
donner der Zweiten Armee in der rechten Flanke
des Feindes erschallte. Dort grifsen die Garden an
und entwickelten ihre ganze Artillerie, die der österr.
Reserve furchlbare Verluste zufügte. Das 6. Korps
erzwang sich den Übergang über den Trotinabach,
und Venedek muhte die Stellung seines durch den
eigenmächtigen Linksabmarsch des 4. Armeekorps
stark gefährdeten rechten Flügels verändern. Im
Centrum zog der König seine letzte Reserve (3. Armee-
korps) vor; die Kolonnen des Kronprinzen, die jetzt
eintrafen, nahmen mehrere Dörfer und erstürmten
endlich die Höhen von Chlum, den Schlüsselpunkt
der Stellung Benedeks. Jetzt gab der König Befehl
zum allgemeinen Vorrücken und setzte sich selbst an
die Spitze der Reservekavallerie. Vor diesem um-
fassenden Angriff konnten die Österreicher ihre Stel-
lungen nicht mehr behaupten. Ihre Reservekavallerie
opferte sich heldenmütig, um den Rückzug der ziem-
lich aufgelösten Infanterie gegen die zur Verfolgung
vorbrechende preuß. Kavallerie zu decken. Zwischen
3 und 4 Uhr war die Schlacht entschieden, aber der
Kampf wütete fort bis unter die Kanonen vonK., so-
daß die Schlacht über 12 Stunden dauerte. Der ver-
einigte Vorstoß der drei preuß. Armeen traf hinter
der österr. Stellung zusammen. Die Elbarmee war
Artikel, die man unter K venuisjt, sind unter E aufzusuchen.