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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Konrad Fleck - Konradin
die Kaiserchronik (s. d.) bearbeitet. - Vgl. Golther,
Das Rolandslied des Pfaffen K. (Münch. 1887).
Konrad Fleck, s. Fleck. hausen.
Konrad von Ammenhaufen, f. Ammen-
Konrad von Fußesbrunnen, Dichter aus
Niederösterreich, wo er urkundlich 1182-86 in
Klosterneuburg erscheint, verfaßte um 1210 nach
dem Evangelium Pfeudo-Matthaei und andern
apokryphen lat. Quellen fein Gedicht "Die Kindheit
Jesu" in anmutig behaglichem Idyllenton, mit guter
Stoffwahl und Naturschilderung; besonders gelang
ihm die Flucht nach Ägypten. Ausgabe von Kochen-
dörffer (Straßb. 1881).
Konrad von Marburg, deutscher Kreuzpre-
diger und Ketzermeister, geboren in der zweiten
Hälfte des 12. Jahrh, in oder bei Marburg a. d.
Lahn, fcheint seit 1214 als Kreuzprediger in Nie-
derdeutschland gewirkt zu haben und gewann als
geistlicher Berater des Landgrafen Ludwig IV. von
Thüringen und als Beichtvater der Landgräfin
Elisabeth (s. d.) einen weitgehenden Einfluß. Ge-
lehrt und perfönlich durchaus unbescholten, aber
roh und leidenschaftlich, trieb er die letztere nach
dem Tode ihres Gemahls (1227) zu einer felbst für
die damalige Zeit maßlosen Ascese. Ebenso gewalt-
thätig und unbarmherzig verwaltete K. das ihm von
Gregor IX. übertragene Amt eines kirchlichen Visita-
tors und Ketzerrichters, wütete am Rhein und in
Mitteldeutschland gegen Katharer und Waldenser
und im Oldenburgischen gegen die Stedinger (1232).
Zur Verantwortung vor eine Ncichsversammlung
in Mainz geladen (25. Juli 1233) und mit einem
Verweis entlassen, wurde er auf der Heimreife
31. Juli 1233 in der Nähe von Marburg von meh-
rern Edelleuten erschlagen. - Vgl. Henke, K. von
Marburg (Marb. 1801); I. Bcck, K. von Marburg
(Brest. 1871); Hausrath, K. von Marburg (in
den "Kleinen Schriften religionsgefchichtlichen In-
halts", Lpz. 1883); zur Verteidigung K.s: Kaltner,
K. von Marburg und die Inquisition in Deutsch-
land (Prag 1882).
Konrad vonMegenb er g,wohlderfruchtbarste
deutsche Schriftsteller des 14. Jahrh., geb. 1309 bei
Schweinfurt, 1337 Schulrektor in Wien, seit 1342
als Pfarrer, dann als Domherr und als Ratsherr
in Regensburg, wo er 11. April 1378 starb. Neben
einer großen Anzahl lat. Schriften über Philosophie,
Ökonomie, Regensburgcr Lokal- und allgemeine
Weltgeschichte, neben Heiligcnbiographien und papst-
freundlichen polit. Traktaten verfaßte er auch zwei
deutsche: eine "Deutfche Sphära", ein Handbüchlein
der Astronomie und Physik, und 1349 das "Buch
der Natur" (hg. von Pfeiffer, Stuttg. 1861), die
erste deutsche Naturgeschichte, eine glückliche und
freie Bearbeitung der Schrift "1)6 nawi-ig rei-um"
des Thomas von Cantimpre.
Konrad von Würz bürg, mittelhochdeutscher
Dichter, stammte aus Würzburg, siedelte später nach
Straßburg und um 1270 nach Basel über, wo er
31. Aug. 1287 starb. Von vornehmer Kunstauf-
faffung befeelt, bei aller Gelehrsamkeit stets ge-
schmackvoll, erwarb er sich im Studium Hartmanns
von Aue und Gottfrieds von Straßburg eine fast
übertreibende Formvollendung in Versbau und
Stil; der Wichten Eleganz, der einschmeichelnden
Leichtigkeit seiner synonymenreichen Rede gelingen
kleinere Gedichte, Novellen und Legenden in be-
wundernswerter Schönheit, während ihm größere
Romane nicht einheitlich geraten. Der fruchtbare
Artikel, die man unter K verm
Dichter lehnte sich meist frei an lat. Quellen. Seine
graziöfen Lieder und Leiche neigen zur Künstelei;
feine Sprüche sind trotz gelehrter Anwandlungen
stets würdig und klar; viel bedeutender ist er
als Epiker. K. begann mit einer Wappendichtung,
dem "Turnier von Nantes", und vielleicht mit der
"Legende von St. Nikolaus" (beide hg. mit "Parto-
nopier" und der Lyrik von Vartfch, Wien 1870). In
Straßburg pflegte er die Novelle; hier dichtete er:
"Otto mit dem Bart" (hg. von Hahn, Quedlinb.
1838), den "Schwanritter" (hg. von Roth, Frankf.
1861), "Das Herzmäre" (hg. von Roth, ebd. 1846),
verwandt der Erzählung vom Castellan von Coucy;
die allegorische Scene "Der Welt Lohn" (hg. von
Roth, ebd. 1843), deren Held der Dichter Wirnt von
Grafenberg ist; vor allem feine beste Erzählung,
die innige Freundfchaftsfage von "Engelhard und
Engeltraut" (hg. von Haupt, Lpz. 1844; 2. Aufl. von
Iofeph, 1891); in diese Zeit gehört wohl auch seine
"Goldene Schmiede" (hg. von W. Grimm, Berl.
1840), eine Sammlung von preisenden Beiworten
der Jungfrau Maria, und die strophisch abgefaßte
"Klage der Kunst" (hg. von Iofeph, Straßb. 1885),
in der Frau Kunst die Frau Freigebigkeit nach allen
Regeln der Juristerei verklagt. Ernstere und grö-
ßere Ziele steckte sich K. in Basel; hier entstanden
auf Wunfch bestimmter Gönner die Legenden
"Alerius" (hg. von Maßmann, Quedlinb. 1843),
"Sylvester" (hg. von W. Grimm, Gott. 1841), ein
Kampfdisput zwischen christl. und jüd. Theologie,
"Pantaleon" (hg. von Haupt im 6. Bande der "Zeit-
schrift für deutfchcs Altertum"), endlich die beiden
großen Epen K.s, der der Melusinenfage verwandte
Roman "Partonopier und Meliur", 1277 nach der
franz. Dichtung von Denis Piramus, die sich K.
überfetzen ließ, verfaßt, und der ungeheure, un-
vollendete "Trojanifche Krieg", für den K. außer
dem franz. Gedicht des Benoit de St. More auch
Statius und Ovid benutzte (hg. von A. von Keller in
der "Bibliothek des Litterarifä)en Vereins zu Stutt-
gart", Bd. 44; Anmerkungen dazu von Bartfch, ebd.,
Bd. 133). Ob er auch den obfcönen Schwank "Die
halbe Birne" (hg. von Wolff, Erlangen 1893) ge-
dichtet hat, ist zweifelhaft. K. hat großen Erfolg
gehabt, ohne den Verfall der Dichtkunst aufhalten
zu können. Mehrere feiner Dichtungen erfchienen
in neuhochdeutscher Übertragung in Reclams "Nni-
versalbibliothek".
Konradin (eigentlich Konrad), Herzog von
Schwaben, der letzte Sprößling des schwäb. Kaiser-
hauses der Hohenstaufen, Sohn Konrads IV. (s. d.)
und Enkel Kaiser Friedrichs II., geb. 25. März
1252 zu Wolfstein bei Landshut, war erst 2 I.
alt, als fein Vater in Italien starb. Während
er am Hofe feines Oheims, des Herzogs Ludwig
von Bayern, erzogen wurde, hatte Manfred (s. d.)
auf das falfche Gerücht von seines Neffen Tode
sich die Krone von Sicilien aufgesetzt, erklärte sich
aber bereit, diefelbe auf K. zu vererben. Papst
Clemens IV. aber, voll Haß gegen das hohenstauf.
Geschlecht, vergab das Königreich Sicilien an Karl
von Anjou, der nach Manfreds Niederlage und
Tod 1266 sich in den Besitz desfelben fetzte. Bald
aber wurden die Italiener der Gewaltherrfchaft
der Franzofen überdrüfsig und luden den recht-
mäßigen Erben K. ein, sein väterliches Reich in
Italien in Besitz zu nehmen. Voll edler Begeiste-
rung zog dieser, begleitet von seinem Jugendfreunde
Friedrich von Baden, mit etwa 3000 Rittern im
ißt, sind unter C aufzusuchen.