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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Kritios - Kriwitschen
Die historische K. hat es mit der Untersuchung
der Echtheit oder Authenticität gewisser, besonders
schriftlicher Zeugnisse zu thun. (S. Geschichte, Vd. 7,
S. 890.) Mit ihr steht in genauer Verbindung die
philologische K., die Prüfung der schriftlichen
Denkmäler, vorzüglich des Altertums, welche die
doppelte Aufgabe hat, entweder die Echtheit ganzer
Werke in Beziehung auf einen genannten Verfasser
zu untersuchen, oder die Richtigkeit einzelner Wörter
und ihrer Verbindung zu einem Satze festzustellen,
in welcher Hinsicht sie auch, wenn das absichtlich oder
durch Irrtum Verdorbene durch bloßeKonMur (s.d.)
wiederherzustellen ist, Konj ekturalkritik genannt
wird. Ersteres nennt man die höhere, letzteres die
niedereK. Die höhere K. geht bei der Untersuchung
der Echtheit einer Schrift entweder von äußern
Umständen, von Zeugnissen anderer u. s. w., oder
von innern und wesentlichen Beziehungen, d. h.
von Inhalt, Geist, Sprache und Stil der Schrift
selbst aus. Im erstern Falle wird sie äußere oder
auch diplomatische, im letztern dagegen innere
K. genannt.
Kritlos, griech. Bildhauer, bekannt durch die
von ihm in Gemeinschaft mit Nestotes gefertigten
Statuen der Tyranuenmörder Harmodius und Ari-
stogiton in Athen, welche zum Ersatz für die von
Xerxes geraubten Statuen des Antenor (s. d.) be-
stimmt waren und 476 v. Chr. aufgestellt wurden.
Kopien sind in zwei Marmorstatuen im Museum
zu Neapel erhalten.
Kritisch, der Kritik (s. d.) gemäß und: eine Krisis
(s. d.) bezeichnend', bedenklich, mißlich.
Kritischer Apparat, s. Varianten.
Kritisches Alter, soviel wie Klimakterium,
s. Klimakterische Jahre.
Kritische Tage, s. Vi68 und Krisis. - In der
Meteorologie sind K. T. nach der Theorie von
R. Falb (s. d.) solche Tage, an denen die Flutfak-
toren (s.d.) verstärkend zusammenwirken. Man kann
jeden Neu- und Vollmondstag als kritischen Tag an-
sehen. Auf die Ordnung eines solchen wirken vor-
wiegend die Entfernungen von Sonne und Mond
derart, daß K. T. erster Ordnung solche sind, die
mit der Erdnähe von Sonne und Mond zusammen-
fallen. Nach Falb sollen an den K. T. eintreten:
Häufung der Depressionen (s. d.), Wirbelstürme
und vermehrte Niederschläge im allgemeinen, Ge-
witter im Winter, Schneefälle im Sommer, die
ersten Gewitter im Frühjahr, Regenböen, Strich-
regen, häufiger Wechsel von Sonnenschein und
Regen u. s. w. Einen wissenschaftlichen Nachweis
dieser Behauptungen hat Falb nicht beigebracht.
Dagegen weisen viele gründliche Untersuchungen
die Haltlosigkeit der Falbschen Theorie mit ab-
soluter Sicherheit nach und verweisen die Theorie
selbst in den Vereich des Aberglaubens. (S. auch
Mondeinfluß auf die Witterung.) - Vgl. Bebber,
Die Wettervorhersage (Stuttg. 1891); Schreiber,
Falbs K. T. und die Regenbeobachtungen in Sachsen
(Chemn. 1892).
Kritische Temperatur. Wenn ungesättigter
Dampf verdichtet wird, steigt dessen Spannkraft,
indem sich derselbe nahezu nach dem Boyleschen Ge-
setz verhält, bis zu einem größten Werte, der bei ge-
gebener Temperatur nicht überschritten werden kann.
Weitere Verdichtung verflüssigt den Dampf, ohne
die Spannkraft zu steigern. Das der Temperatur
entsprechende Maximum der Spannkraft wächst aber
sehr rasch mit der Temperatur und wird bei einer
gewissen von der Art des Dampfes abhängigen
Temperatur unerreichbar oder unendlich groß. Bei
dieser Temperatur oder über derselben kaim man
also den Dampf beliebig verdichten, seine Spann-
kraft beliebig vergrößern, ohne denfelben zu ver-
flüssigen. Die betreffende Temperatur heißt die K. T.
des Dampfes. Eine Flüssigkeit siedet, wenn die
Spannkrast ihrer gesättigten Dämpfe den auf der
Flüssigkeit lastenden Druck zu überwinden vermag.
(S. Sieden.) Bei der K. T. wird demnach die Flüssig-
keit durch keinerlei Druck am Sieden gehindert wer-
den können. Die K. T. heißt deshalb auch abso-
luter Siedepunkt. Die K. T. ist für Wasser
> 411, Schwefelkohlenstoff -i- 276, Äther 4- 196,
Kohlensäure -1- 31° 0. Die Bedeutung der K. T. ist
namentlich durch das genaue Studium der Kohlen-
säure von Andrews erkannt worden, der gezeigthat,
daß die Kohlensäure nur unter -^ 31° (^. verflüfsigt
werden kann. Man vermutete nun eine sehr tiefe
K. T. jener Gafe, die man bis dahin nicht hatte ver-
flüssigen können. In der That gelang die Verflüssi-
gung aller Gase durch Druck, als man dieselben auf
100-200° 0. unter 0° abkühlte. Ein qualitativer
Unterfchied zwischen Gasen und Dämpfen kann
gegenwärtig nicht mehr aufrecht gehalten werden.
Luftfo'rmige Körper mit hoher K. T. sind Dämpfe,
jene mit niederer K. T. Gafe. Die Bedeutung der
K. T. im obigen Sinne stellt von Wroblewfti in
Abrede; er glaubt, daß oberhalb derselben nur der
optische Unterschied zwischen Flüssigkeit und ge-
sättigtem Dampf zu gering sei, um die Grenze
beider zu sehen. Van der Waals (1881) leugnet
die scharfe Grenze Zwischen dem flüssigen und gas-
förmigen Zustande überhaupt. (S. Koercibel.)
Kritische Zeit, in der Rechtswissenschaft, f. Dies.
Krivitz, Stadt in Mecklenburg-Schwerin, 19 km
im SO. von Schwerin, amKrivitzerSee und an
der Nebenlinie Schwerin-K. (24,3 kra) der Mecklenb.
Friedrich-Franz-Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Schwerin) und Domanialamtes, hat
(1890) 3009 E., Post zweiter Klasse, Telegraph, eine
Bürger- und eine Gewerbeschule und Ackerbau.
Krivoöije, Crivoscie (spr. -wöschje), die im
NW. von der Herzegowina, im N. und O. von Mon-
tenegro, im S. von den Vocche di CaNaro begrenzte
wilde Karstlandschaft der Dinarischen Alpen im südl.
Dalmatien (s. d.). Die K. ist unwegsam und ohne
Holz und Wasser. Schluchten und Kessel unter-
brechen die kahlen Hochflächen. Der höchste Gipfel
ist der Orijen (1898 m). Eine beschwerliche Militär-
strahe führt von Risano nach Fort Dragalj. (S.
Nebenkarte auf der Karte Bosnien u. s. w., Bd. 3,
S. 339.) Die Bewohner sind serb. Stammes; sie
widersetzten sich 1869 der von der österr. Regierung
angeordneten Aushebung, weil dies gegen die 1814
garantierten Privilegien war. Der Aufstand wurde
durch einen Vergleich beendet, da die militär. Be-
setzung nur mit großen Opfern erreichbar fchien. Im
Dez. 1881 brach, bei dem erneuten Verfuch, die Be-
wohner der K. zum Dienste in der Landwehr heran-
zuziehen, ein Aufstand aus, welcher sich schnell nach
der Herzegowina und Bosnien verbreitete, jedoch
durch dasTreffenbeiLedeniceundOrchovar (9. Febr.
1882) und die Einnahme von Dragalj (10. März)
unterdrückt wurde.
Krittntfchen, Name eines der altruss. Slawen-
stämme; sein Wohnsitz war die Quellgegend der
Wolga, der Düna und des Dnjepr; alte Städte
derselben sind Polozk und Smolensk.
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