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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Krücke - Krug (Arnold)
vorzugsweise krautartige, sowohl einjährige wie
ausdauernde Gewächse, seltener Halbsträucher. Sie
haben sämtlich zwitterige, meist regelmäßige Blüten;
dieselben besitzen vier kreuzweise gestellte Blumen-
blätter, weshalb die Blüte, von oben gesehen, die
Form eines Kreuzes darstellt (Kreuzblütler oder
kreuzblumige Gewächse). Ebenfalls vierblätte-
rig ist der Kelch, doch ist derselbe nur selten kreuz-
weise ausgebreitet. Die Blumenblätter sind in
vielen Fällen deutlich genagelt. Alle K. haben sechs
Staubgefäße, von denen die zwei genau seitlich
stehenden kürzer als die übrigen vier sind, und einen
oberständigen, aus zwei Karpellen bestehenden
Fruchtknoten, auf dem ein kurzer Griffel mit zwei-
lappiger oder kopfförmiger Narbe aufsitzt. (Vgl.
nachstehende Fig.1, a Brassicablüte, d Staubgefäße
und Stempel, e Diagramm der Blüte.) Die Frucht
ist eine Schote
(Lilihua) oder
ein Schötchen
(8i1icu1g.), sel-
tener eine ein-
oder mehr-
samige schöt-
chcn-oder scho-
tenförmige,
nicht aufsprin-
gende Schließfrucht. Sie ist in den meisten Fällen
durch eine Scheidewand in zwei Fächer geteilt; diese
Scheidewand kann entwederin derNichtungdergröß-
ten oder der geringsten Breite der Frucht liegen,
wenn diese nicht cylindrisch, sondern abgeplattet ist.
Die Zahl der Samen in den einzelnen Früchten ist
sehr verschieden; es giebt solche mit bloß einem oder
Fig. i.
Fig. 2.
wenigen Samen, oder mit sehr vielen. (Vgl. Fig. 2,
Kruciferenfrüchte: a. von Vi-K88ica, d 3iu3.iii8,
e Oap86ila, ä vi-ada, 6 OHinIiL, f NapliHiiuZ.) Ge-
wöhnlich teilt man die K. in zwei Unterfamilien ein,
die 8i1i(iu08H6, bei denen der Längsdurchmesser der
Schote mehrmal großer ist als der Querdurchmesser,
und 8i1icn1o8Ä6, bei denen der Längsdurchmesser
von dem Querdurchmesser nur wenig abweicht.
Unter den K. findet sich eine große Anzahl von
Pflanzen, die in der Landwirtschaft und der Technik
Verwendung finden: die sämtlichen Kohlpsianzen,
wie Kohlrabi, Kohlrüben, Blumenkohl; fast sämt-
liche in Deutschland kultivierten Ölpflanzen, wie
Raps, Rübsen, Dotter, ferner der Waid. Auch
mehrere beliebte Zierpflanzen, wie die Levkoje und
der Goldlack u. a., gehören zu dieser Familie.
Krücke, ein gekrümmter, hakiger oder winkliger
Körper in Form eines I', '1' oder ^5; besonders ein
starker, oben mit einem Querholz versehener Stock
als Stütze für Lahme und Gebrechliche; ferner der-
artig geformte Werkzeuge, wie sie zum Rühren oder
Ausbreiten flüssiger oder breiiger Stoffe, z. V. in
der Papierfabrikation, Bäckerei, Brauerei, Metall-
gießerei u. 1" w., auch zum Umrühren (Durchkrücken)
der Kohlen einer Feuerung gebraucht werden.
Kruckenkreuz, s. Kreuz.
Krüdener, Barbara Juliane, Baronin von, die
Freundin des Kaisers Alexander I. von Rußland,
geb. 22. Nov. 1704 zu Riga als Tochter des Ge-
heimrates O. H. von Vietinghosf-Scheel, erhielt
den Namen Veata Johanna, den sie bei der Ver-
mählung mit dem russ. Legationsrat von K. 1732
in Barbara Juliane veränderte. Häusliche Miß-
verhältnisse führten 1796 zu einer Trennung beider
Gatten; nach dem Tode ihres Mannes (14. Juni
1802) in Paris lebend, schrieb sie im Sinne von
Goethes "Werther" ihre Liebesgeschichte u. d. T.
"Valkrie ou Ietti'63 de (FU8tav6 äs I^inar ^ Nrn63t
äe 0.55*" (I Bde., Par. 1803; neuere Aufl., ebd.
1878 u. 1884; deutsch Lpz. 1804). In der Fvige
wandte sie sich der pietistischen Richtung der Brü-
dergemeine zu, trat nach der Niederlage bei Jena
1806 in Königsberg in Beziehung zu der Königin
Luise von Preußen und widmete sich der Pflege
ertränkter Krieger. Später lebte sie meist in Karls-
ruhe, wo sie mit Iung-Stilling verkehrte, bis
sie seit 1814 durch die Hofdame Rorandra von
^tourdza Einfluß auf den Kaiser Alexander I. ge-
wann. In Heilbronn stellte sie sich selbst dem Kaiser
vor, gewann sein Vertrauen und erhielt die Auf-
forderung, ihn auf feinem Zuge gegen Napoleon zu
begleiten. Sie trug dann wesentlich bei zum Ab-
schluß der sog. Heiligen Allianz 1815. (Vgl. ihre
Broschüre "1^6 caiup ä68V6rtu3", Par. 1815; deutsch
Riga 1816.) Umgeben von einem ganzen Hofstaat
von Geistlichen, zog sie seit Okt. 1815 von Ort zu
Ort und erregte durch ihre Reden und religiösen
Flugschriften Volksbewegungen, die namentlich in
den Hungerjahren von 1816 und 1817 in der
Schweiz und Baden gefährliche Dimensionen anzu-
nehmen drohten. Schließlich überall ausgewiesen,
begab sie sich auf ihr Landgut Kosse in Livland, wo
sie im Kreise ihrer Bauern lebte, geistliche Lieder
dichtete und ihren "Einsiedler" (Lpz. 1818) verfaßte.
1821 wandte sie sich nach Petersburg, wo sie den
Kaiser für die Befreiung der Griechen vom Türken-
joche zu begeistern suchte, ging dann auf Einladung
der Fürstin Golizyn nach der Krim, um in Feodosia
eine christl. Kolonie in ihrem Sinne zu gründen,
starb aberunterwcgs 25. Dez. 1824 in Karassu-Bazar.
- Vgl. Vrescius und Spieker, Beiträge zu einer
Charakteristik der Frau von K. (Berl. 1818); Ey-
nard, Vi6 ä6 NaäliiiiL äo X. (2 Bde., Par. 1849);
Capefigue, I^a daroniw äo X. 6t 1'6inp6i'6ui- ^lex-
llnär6 1" (ebd. 1866); P. Lacroix, Nadan^ äs X.,
368 I6ttl68 6t 363 0UV1'll.F68 il16(1it3 (ebd. 1880).
Krudität (lat.), Roheit, roherZustand (besonders
von Speisen), Unverdaulichkeit.
Krug, Arnold, Komponist, geb. 16. Okt. 1849
in Hamburg, bezog 1868 das Leipziger Konserva-
torium und erhielt 1869 den Hauptpreis der Frank-
furter Mozart-Stiftung. Nachdem er in Berlin unter
Fr. Kiel weiter studiert hatte, ward ihm 1877 auck
der Preis der Meyerbeer-Etiftung. 1871-77 wirkte
! K. als Lehrer des Klavierspiels am Sternschen
, Konservatorium und siedelte 1880 nach Hamburg
über, wo er als Lehrer am Konservatorium und als
Dirigent der Altonaer Singakademie thätig ist. K.
veröffentlichte zahlreiche Kammermusikstücke, Orche-
Artikel, die man unter 5t vermißt, smd unter C aufzusuchen.