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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Krupp

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Krupp (Alfred)

Im engern Sinne bezeichnet der Name K., auch Halsbräune oder häutige Bräune (Angina membranacea) den Kehlkopfskrupp, d.h. eine kruppöse Entzündung der Schleimhaut des Kehlkopfes und der Luftröhre, welche vorzüglich Kinder vom 2. bis 7. Lebensjahr und zwar durchschnittlich mehr Knaben als Mädchen befällt, am meisten bei feuchter und kalter Witterung, bei wehenden Nord- und Ostwinden und in niedrig liegenden, feuchten Gegenden, an Seeküsten, Flüssen u. dgl. zu herrschen pflegt und meist tödlich verläuft. Die Entzündung fängt mit ziemlich starkem Fieber und mit einer verdächtig klingenden Heiserkeit, bisweilen aber auch ohne alle Vorboten an und verrät sehr bald ihre gefährliche Natur durch die Ängstlichkeit der Kranken beim Atemholen, mühsames, pfeifendes Ein- und Ausatmen, groben, rauhen, bellenden, schließlich ganz klanglosen Ton des Hustens (Krupphusten), oft auch Schmerz im Kehlkopf. Häufig geht eine kruppöse Entzündung im Rachen und in den Mandeln vorher; untersucht man die Mund- und Rachenhöhle, so findet man oft die Schleimhaut gerötet, die Mandeln geschwollen und mit kleinen weißen Flecken besetzt, welche sich durch Abtupfen nicht entfernen lassen. Die Krankheit bildet sich meist schnell, in einem oder einigen Tagen aus und tritt meist am späten Abend oder mitten in der Nacht in einzelnen Anfällen (Kruppanfällen) auf, die durch Stunden oder Tage anscheinender Besserung voneinander getrennt sind. Von Diphtheritis (s. d.) unterscheidet sich der Kehlkopfkrupp besonders dadurch, daß bei ihm die entzündliche Ausschwitzung nur auf die Oberfläche, nicht zugleich in das Gewebe der Schleimhaut abgelagert wird und nur eine eiterige Schmelzung erfährt, wogegen bei Diphtheritis oft die ganze erkrankte Schleimhaut brandig zerfällt.

Was die Behandlung der häutigen Bräune anbetrifft, so suche man die Kinder zunächst durch regelmäßige kalte Waschungen des Halses und der Brust gegen ungünstige Witterungseinflüsse gehörig abzuhärten; gegen rauhe Nordost- und Nordwinde soll man sie unter allen Umständen möglichst schützen, namentlich zu Zeiten, wenn der K. epidemisch herrscht. Fürchtet man, daß bei einem Kinde der K. im Anzug ist, so bringe man dasselbe schleunigst bis zur Ankunft des Arztes in das Bett, versuche es durch warmes Getränk und warme Umschläge auf den Hals zum Schwitzen zu bringen und stelle im Krankenzimmer durch Verdampfen kochenden Wassers oder durch einen Zerstäubungsapparat eine möglichst feuchtwarme Luft her; die weitere Behandlung muß durchaus dem Arzt überlassen bleiben. Die Hauptmittel bei der häutigen Bräune sind: anhaltende Eisumschläge über den Hals, bisweilen Blutegel an den Hals, Hautreize, Einatmungen lösender und verflüssigender Mittel (Kalkwasser, Milchsäure, Alkalien u. s. w.), Brechmittel (besonders Kupfervitriol) und kalte Übergießungen im warmen Bade. Treten trotzdem Erstickungsanfälle ein, so ist nur von der rechtzeitigen Ausführung des Luftröhrenschnittes oder von der Einführung metallener Röhren vom Munde aus (s. Intubation) Rettung zu erwarten. (S. Tracheotomie.)

Vgl. Seitz, Diphtherie und K. geschichtlich und klinisch dargestellt (Berl. 1877; 2. Aufl. 1879); Monti, über K. und Diphtheritis im Kindesalter (2. Aufl., Wien 1884).

Krupp, Alfred, Besitzer des größten Gußstahlwerks der Erde, hochverdient um die deutsche Stahlindustrie, wurde 26. April 1812 zu Essen geboren. Sein Vater, Friedrich K. (geb. 1787), besaß in Altenessen ein durch Wasser getriebenes kleines Hammerwerk und beschäftigte sich dort seit 1810 mit Versuchen zur Herstellung des Tiegelgußstahls. 1818 errichtete er bei Essen, im Mittelpunkt der heutigen Gußstahlfabrik, ein kleines Werk. Wenn auch das damalige Produkt zu manchen Zwecken ausgezeichnet befunden wurde, namentlich zu Stempeln für Münzen, Medaillen, Knöpfen u. dgl., so war doch der Verbrauch davon und deshalb die Thätigkeit der Fabrik gering, und als 8. Okt. 1826 Friedrich K. starb, war sie kaum noch beschäftigt.

Gemäß dem Testament wurde (1826) die Fabrik von der Witwe, Therese K., unter der Leitung des ältesten Sohnes, Alfred K., fortgeführt und ihm 24. Febr. 1848 der alleinige Besitz übertragen. Der Name der Firma blieb zu Ehren des Begründers Friedrich K. Noch lange hatte der neue Besitzer mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch gelang es ihm, der Fabrik, wenn auch langsam, eine wachsende Lebensfähigkeit zu sichern und sie endlich zu der ersten ihrer Art zu erheben. 1886 wurde das Stahlwerk Asthöwer & Co. in Annen der Firma K. einverleibt. Alfred K. starb 14. Juli 1887 in Essen, wo ihm zwei Denkmäler errichtet wurden (s. Essen). Nach seinem Tode ging die Gußstahlfabrik mit allen dazugehörigen Werken in den Besitz seines einzigen Sohnes, Friedrich Alfred K., geb. 17. Febr. 1854, über, der 1. Mai 1893 auch das Grusonwerk (s. Gruson) übernahm. Er ist Geh. Kommerzienrat, Mitglied des Reichstags (Hospitant der Reichspartei) seit 1893 und des preuß. Staatsrats.

Die Bestrebungen K.s, Feuerwaffen aus Gußstahl herzustellen, begannen in den vierziger Jahren. 1847 lieferte K. einen 3-Pfünder nach Berlin, dessen Prüfung die Vortrefflichkeit des Materials ergab. Zur vollen Geltung kam der Gußstahl aber erst mit der Einführung der gezogenen Hinterladungsgeschütze. Von besonderer Bedeutung für diese Geschütze war die Konstruktion des K.schen Rundkeilverschlusses (1864, s. Geschütz, Bd. 7, S. 923 a), der bei allen später von der Gußstahlfabrik gefertigten Kanonen angewendet worden ist und seine Kriegsbrauchbarkeit bewährt hat. Darauf ging K. an die weitere Ausbildung des Aufbaues der Rohre, der innern Seeleneinrichtung, der Lafettierung, der Munition. Die Rohre wurden entsprechend der verlangten Haltbarkeit aus mehrern Schichten aufgebaut. Die innere Einrichtung der Seele wurde auf Grundlage ausgedehnter Versuche von Jahr zu Jahr verbessert; die Ladungen wurden gesteigert, die Geschosse in der Führung verbessert und dann verlängert und schwerer gemacht, Perkussions- und Zeitzünder wurden konstruiert und probiert. In betreff der Lafetten wurden die vorhandenen Systeme verbessert. (S. Geschütz, Bd. 7, S. 920 b fg.) Die Durchschlagskraft der Stahlgeschosse gegenüber den Panzerplatten hat eine enorme, für alle vorkommenden Verhältnisse ausreichende Höhe erlangt. So durchschlägt die 1886 gebaute 42 cm-Küstenkanone nahe der Mündung eine schmiedeeiserne Platte von 107,8 cm, auf 2000 m Entfernung noch eine solche von 91,9 cm Dicke, wobei das Gewicht des Geschosses 1000 kg, seine Anfangsgeschwindigkeit 604 m und die Ladung 410 kg beträgt. Von der 24 cm-Küstenkanone, die eine Schußweite von über 20 km erreicht (s. Geschütz, Bd. 7, S. 921 b), wird nahe der Mündung eine Platte von 74,7 cm, und

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