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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Küster - Kutais
zeuge und Kanonenboote im Anschluß an die Küsten-
batterien und -Forts. Wenn der Angreifer nach
Ausführung einer größern Landung zum förm-
lichen Landangriff auf Küstenplätze übergeht, fo
kann auch hier die Flotte in den Kampf eingreifen,
die Blockade durchbrechen, die feindlichen Arbeiten
enfilieren, im Notfalle auch durch Hergäbe ihres
Personals und Geschühmaterials die Landvertei-
digung ergänzen. Die Thätigkeit der Küstenarmie-
rung richtet sich namentlich gegen die feindliche
Flotte, dann auch, wenn es das Schußfeld gestattet,
gegen die gelandeten Truppen des Angreifers. Die-
len tritt die Landmacht des Verteidigers, aus allen
drei Waffen bestehend, entgegen. Die Küste ist zu
dem Ende in Bezirke geteilt, für die Spccialreserven
entweder hinter der Mitte des Bezirks oder in der
Nähe des wichtigsten Punktes an der Küste selbst
aufgestellt sind. Diese schieben Piketts in die Nähe
besonders gefährdeter Punkte vor. Die Beobachtung
der Küsten geschieht durch ein Korps besonders aus-
gebildeter Küstensignalgäste von allen Leuchttürmen
und sonstigen Stellen aus, die einen weiten über-
blick gestatten, teilweise auch im Verein mit Avisos
und Torpedobooten, die Rekognoscierungssahrten
ausführen oder ganze Meeresteile nach dem Feinde
absuchen. Als Generalreserve für mehrere Küsten-
bezirke ist ein größeres Korps an einem Eisenbahn-
knotenpunkt in Bereitschaft. Für den Nachrichten-
verkehr sorgen elektrische Telegraphen, optische und
akustische Signale, für den Truppentransport längs
der Küste und von rückwärts her Eisenbahnen und
Chausseen. Die Schiffahrtszeichen werden beseitigt.
Die ortskundigen Küstenbewohncr können als frei-
willige Seewehr im Signal- und Kundfchaftsdienst
eine wichtige Unterstützung bilden. - Vgl. von
Scheliha, ^ ti-satis? ou coast äekenck (Lond. 1868);
Iervais, Vorlesungen über K. (1868); Henning,
Die K. (Berl. 1892); P. H. Colomb, ^88av8 on
N2.V3.1 äelencs (Lond. 1893).
Küster (vom lat. euLtog, "Hüter"), Kirchner
oder Meßner, besonders in der evang. Kirche
gebräuchlicher Titel für diejenigen Kirchendiener,
denen die Aufbewahrung der kirchlichen Geräte,
die Sorge für die äußere Ordnung im Gotteshaufe
sowie mancherlei Unterstützung der Geistlichen bei
ihren Amtsgeschäften obliegt. Ihr althergebrachtes
Amtsabzeichen ist ein auf dem Rücken herabhängen-
der breiter schwarzer Tuchstreifen (Küstermantel).
Die früher allgemeine Verbindung des Küsteramtes
mit dem eines Lehrers (Küsterschulen) ist auf
dem Lande noch erhalten.
Küstner, Karl Theod. von, Theaterintendant,
geb. 26. Nov. 1784 in Leipzig, widmete sich iurist.
Studien und nahm seit Ende 1813 als Husaren-
offizier an dem Befreiungskriege teil. 1817 über-
nahm er das Stadttheater zu Leipzig auf alleinige
Rechnung, führte die Direktion 11 Jahre hindurch,
bis 11. Mai 1828, und erhob diefe Anstalt zu einer
bedeutenden künstlerischen Höhe. Im ganzen hatte
er dafür nur Undank, Rücksichtslosigkeit und Ver-
luste geerntet. Nachdem er 1830-31 Direktor des
Darmstädter Hoftheaters gewesen war, wurde er
1833 Intendant des könig'l. Hostheaters zu Mün-
chen. Hier gelang es ihm nicht allein mit dem Zu-
schüsse von 78000 Fl., den der Hof gewährte, aus-
zukommen, sondern auch eine bedeutende Schulden-
last zu decken, die sich von früher angehäuft hatte.
Im Juni 1842 übernahm K. die Gcneralintendantur
der königl. Schaufpiele in Berlin, trat 1851 in den
Ruhestand und starb 28. Okt. 1864. K. hat sich um
das deutsche Theaterwesen die mannigfachsten Ver-
dienste erworben; er und Holbein waren die ersten,
welche in Deutschland die Tantieme (s. d.) einführ-
ten; auch den Kartellverein der Bühnenvorstände
hat er begründet. Von K.s litterar. Arbeiten sind
außer einigen Dramen zu nennen: "Rückblick auf das
Leipziger Stadttheater" (Lpz. 1830) und "Vierund-
dreißig Jahre meiner Theaterleitung" (ebd. 1853).
Kustos, Kuftoden, s. Ou8to8
Küstrin, preuß. Festung, s. Cüstrin.
Kusu, Gattung der Beuteltiere, s. Kuskus.
Kufunda, Name eines wilden, in sehr primi-
tiven Verhältnissen lebenden Bergvolks in Nepal,
westlich vom Hauptthal; die K. gelten als die älteste
Bevölkerung des Landes; verwandt sind sie mit den
Tschepäng und vielleicht auch mit den Häsu. - Vgl.
Forbes im "^ournI,! ol tke ^o^ai ^Liatio Zooiet^",
Bd. 9 (1877). (S. Himalajavölker.)
Kutahia oder Kjutahija, Hauptstadt eines
Sandschaks im türk. Wilajet Khodawendikjar im
nordwestl. Kleinasien, in einer südlich von den Vor-
böhen des Murad-Dagh begrenzten Ebene, an dem
Kutahia-su und an einer Anhöhe emporgebaut,
hat enge und schmutzige Straßen, Lehm- oder Holz-
häuser, 50 Moscheen, 5 griech. und armenische Kir-
chen und gegen 40000 E., welche Getreide, Tabak
und vor allem Opium, Obst und Gemüse bauen,
Wolle und Wachs gewinnen. Auch lagert in der
Umgegend vortrefflicher Meerschaum, der zu Pfeifen-
köpfen verarbeitet wird. Wichtig ist noch immer der
Handelsverkehr nach Haleb, Bagdad, Smyrna und
Konstantinopel. K. soll eine Station der 1893 kon-
zessionierten deutschen Bahnlinie Eskischehr-Konia
werden. In K. schloß 4. Mai 1833 Mehemed-Ali
von Ägypten Frieden mit der Pforte.
Kutais. 1) Gouvernement im W. des trans-
kaukas. Teils des russ. Generalgouvernements Kau-
kasien, grenzt im W. ans Schwarze Meer, im N.
ans Kuban- und Terekgebiet, im O. an das Gou-
vernement Tiflis, im SO. an das Gebiet Kars, im
SW. an die Wilajets Erzerum und Trapezunt der
asiat. Türkei, umfaßt die Landschaften Gurien, Min-
grelicn, Imeretien, Abchasien, Lasistan und Swa-
netien und hat 36477,8 ykm nnt 9225K4 E. Die
Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Vertretern
der Kartwelischen Gruppe (s. Georgier): Imeretier,
Gurier (470000), Adscharen (46000), Mingrelier
und Lasen (242000), Swaneten (12000); ferner:
Armenier (13000), Abchasen (36000), Israeliten
(5500), Türken (38000), Osseten (2700), Kurden,
Griechen, Russen u. a. (etwa 50000). Dem Be-
kenntnis nach gehört die Mehrzahl zur griech.-ortho-
doren Kirche und zur grusinischen Eparchie (s. Geor-
gien). Das Land ist sehr gebirgig; im N. zieht sich
der Hauptrücken des Kaukasus, im S. der Kleine
Kaukasus; doch liegt ein großer Teil des Landes in
den Niederungen des Rion und seiner Nebenflüsse.
Es kommen vor Manganerze, Steinkohlen, Mar-
mor, Blei-, Silber- und Kupfererze, feuerfester Thon.
Mineralquellen am obern Rion und am obern
Zcheniß-Zchali; das Klima ist in den tiefern Gegen-
den ungemein mild und feucht, an der Meeresküste
ungesund. Vorherrschend sind Ost- und Nordost-
winde. Der Boden ist sehr fruchtbar. Hauptbeschäf-
tigungen sind Ackerbau und Weinbau; gebaut wer-
den Mais (jährlich 24 Mill. Pud), Gomi, Weizen,
in den hochgelegenen Gegenden Roggen, Gerste.
Auch die Vieh- und Bienenzucht ist entwickelt. An
Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.