Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

928
Landkarten
äquidistanten Niveaulinien in die topogr. Aufnahmeblätter, eine sichere Unterlage erhielt. Gute L. sind eins der wichtigsten Hilfsmittel der Erdkunde. Ihre Vervielfältigung geschieht vermittelst des Kupferstichs oder durch Lithographie. Doch werden L. auch auf Zinn und Stahl gestochen, in Holz geschnitten und sogar aus der Buchdruckpresse hergestellt. Neuere Arten der Vervielfältigung liefern Heliogravüre und Photolithographie.
Geschichtliches. Die ältesten Karten und Pläne finden sich schon bei den alten Ägyptern. Bei den Griechen hieß eine Karte pínax, bei den Römern orbis pictus, tabula, woraus im Deutschen "Landtafel" gemacht wurde. Das lat. charta, portug. und span. carta, bedeutete ursprünglich eine Urkunde, findet sich aber schon seit 1311 auf L. angewendet. Da die Ländergemälde ursprünglich auf Stoffe gemalt wurden, so wendete man dafür den Ausdruck mappa, mappa mundi an, der sich im Englischen noch erhalten hat, wo man maps (Landkarten) und charts (Seekarten) unterscheidet. Die erste umfassende Sammlung neuer gedruckter L. gab Abr. Ortelius 1570 heraus, aber der dafür noch übliche Ausdruck Atlas stammt von G. Mercator.
Der Ionier Anaximander von Milet entwarf zuerst, in der ersten Hälfte des 6. Jahrh. v. Chr., eine allgemeine Erdkarte. Er und seine Nachfolger in der Ionischen Schule stellten die bewohnte Erde (die Ökumene) kreisrund, vom Ocean umflossen, dar und nahmen Delphi als den Mittelpunkt des Erdkreises an. Hekatäus verfaßte zu dieser Karte ein geogr. Werk. Sein Zeitgenosse und Landsmann, Anaxagoras von Milet, besaß sogar eine in Erz gegrabene Weltkarte. Natürlich wurden bei der Regsamkeit des ion. Geistes an der Karte Anarimanders mancherlei Veränderungen, Erweiterungen und Verbesserungen vorgenommen; aber an dem Grundgedanken der Scheibenform hielten alle Darstellungen fest, sodaß die ion. Karten auch noch zur Zeit des Aristoteles in Gebrauch waren. Ihre Grundlage war jedoch schon hundert Jahre vorher durch die allgemein verbreitete Lehre von der Kugelgestalt der Erde zerstört. Dikäarch, ein Schüler des Aristoteles, beseitigte den ringsfließenden Ocean und teilte die Länder der bewohnten Erde durch eine von den "Säulen" (Straße von Gibraltar) nach Osten durch das Mittelmeer zum Taurus gezogene Linie in eine Nord- und Südseite der Erde. Diese Teilungslinie (das Diaphragma), in der Richtung der Breitenkreise gezogen, bildete die Grundlage einer Projektion. Auf diesem Gedanken baute Eratosthenes weiter. Mit seiner ersten exakten Erdmessung auf dem Meridian von Syene in Oberägypten, der der Hauptmeridian der alten Karten blieb, waren die Elemente einer Kartenprojektion gegeben. Eratosthenes zog noch mehrere Parallelen und Meridiane und nannte die von ihnen begrenzten Vierecke Siegelflächen. Da er aber aus Mangel an astron. Angaben bei Festlegung seiner Linien sich auf Benutzung von zufällig zusammengetragenen, unsichern Entfernungsangaben einzelner Reisender angewiesen sah, waren die Abstände der Gradnetzlinien ungleich. Diesen Mangel tadelte Hipparch, der größte Astronom des Altertums; er hat keine Karte entworfen, aber er übertrug die Breiten und Längen des Himmels auf die Erde und führte die stereographische Projektion ein. Marinus von Tyrus, der Begründer der mathem. Geographie, wies allen wichtigen Orten einen bestimmten Grad der Länge und Breite, aber nicht nach astron. Beobachtungen, sondern nach Schätzung der Entfernungen nach Reisemaßen, an. Ihm folgte Ptolemäus und lieferte in seinen zahlreichen Positionsangaben das Material, nach dem man jederzeit seine Karten wieder entwerfen konnte. (S. Karten zur Geschichte der Geographie Ic, beim Artikel Geographie.) In ihm erreichte die kartogr. Wissenschaft des Altertums ihren Höhepunkt. Die zu seinem Werke gehörigen Karten wurden nicht von ihm selbst, sondern von Agathodämon (gewöhnlich ins 5. Jahrh. n. Chr. gesetzt) angefertigt.
Die Römer hatten Länderzeichnungen in ihrem Staatsarchiv. Daß unter Cäsar eine Vermessung des Reichs stattgefunden habe, wird jetzt mit Recht bezweifelt. Die röm. Karten dienten nur praktischen Zwecken, von mathem. Projektion war keine Rede. Unter Kaiser Augustus wurde durch M. Vipsanius Agrippa in einer eigens dazu erbauten Säulenhalle eine Weltkarte entworfen, die den Ausgangspunkt für die Geschichte der röm. Geographie bildet und die später vielfach kopiert ist. Als solche Nachbildung ist die aus dem 3. Jahrh. n. Chr. stammende und mit Zusätzen aus dem 4. Jahrh. versehene röm. Weltkarte, die sog. Peutingersche Tafel aufzufassen. (S. Peutinger.) Im frühern Mittelalter erscheinen die bildlichen Darstellungen der Erdfeste ebenso dürftig wie die Vorstellungen vom Bau der Welt.
Die ersten Weltkarten des christl. Mittelalters sind Radkarten ohne jede Projektion, mit dem Mittelpunkte Jerusalem. Die Araber, unfähig die Arbeiten ihrer Astronomen für die Kartographie zu benutzen, blieben in ihren Darstellungen der Erdoberfläche weit hinter Ptolemäus zurück, wie dies unter anderm die auf uns gekommenen Karten des Edrisi (um 1154) bekunden. Aber auch die Abendländer machten nur sehr geringe Fortschritte, und erst infolge der Erfindung des Kompasses trat hier seit Anfang des 14. Jahrh. plötzlich eine neue Epoche ein. Man zeichnete nun Seekarten nach der Kompaßrose, sog. Kompaßkarten (richtiger loxodromische Karten). Die ersten Karten dieser Art verfaßten Italiener. Die älteste erhaltene Karte mit Datum stammt aus dem J. 1311, stellt aber das Mittelmeer und Schwarze Meer in den Umrissen so genau dar, daß man diese Karte nicht für den Anfang einer neuen Kunst, sondern für eine hochentwickelte Blüte derselben halten muß. Die Verfasser dieser Karten waren anfänglich praktische Seeleute, dann auch Geistliche und später Kartographen von Beruf, die ältesten, darunter Giovanni da Carignano, Pietro Visconto. Die Kunst blühte in Genua, aber noch mehr in Venedig, wo es im 16. Jahrh. sogar Staatskartographen gab. Außer den Italienern beteiligten sich namentlich die Catalanen an der Herstellung von Karten, die berühmtesten sind von Angelino Dulceri (oder Dulcert) 1339 und die sog. Catalanische Weltkarte von 1375.
Aus dem 15. Jahrh. ist besonders die Weltkarte Fra Mauros in Venedig bemerkenswert. Für Liebhaber wurden kleinere zierlich auf Pergament gemalte Karten zu einer alle bekannten Länder umfassenden Sammlung zusammengestellt, so von Giacomo de Giraldi (1426-46), Andrea Bianco (1436-48), Gratioso Venincasa (1435-82), Baptista Agnese (1529-64) und endlich von der genuesischen Familie Maggiolo (1511-1648). Den span. Kartographen verdanken wir zumeist die ältern Darstellungen der Neuen Welt, darunter die Karten