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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lange (Ludw.) - Langemarck
Lange, Ludw., Architekt, geb. 22. März 1808 zu
Darmstadt, Bruder des vorigen, lernte in Darm-
stadt unter Baurat Lerch, arbeitete später unter
Moller, bezog dann die Universität zu Gießen, un-
ternahm größere Reisen und hielt sich längere Zeit
in München auf. 1834 begleitete er den Maler Rott-
mann nach Griechenland und blieb in Athen, wo er
Zeichenlehrer am Gymnasium wurde. 1838 ließ er
sich in München nieder, wo er 1847 Professor der
Baukunst an der Akademie der bildenden Künste
wurde und 31. März 1868 starb. Unter seinen Bau-
werken nehmen die Villa des Königs Maximilian
in Berchtesgaden (1850-53) und das Museum zu
Leipzig (1856-58) den ersten Rang ein. Sein Ent-
wurf zu einem archäol. Museum für Athen (1860)
wurde 1866 ausgeführt. Eine Sammlung von Ent-
würfen veröffentlichte er in den "Werken der höhern
Baukunst" (4 Hefte, Darmst. 1846-55).
Lange, Ludw., Philolog und Altertumsforscher,
geb. 4. März 1825 zu Hannover, studierte in Göt-
tingen, habilitierte sich 1849 daselbst, erhielt 1853
eine außerord., Ostern 1855 eine ord. Professur in
Prag, folgte 1859 einem Rufe nach Gießen und
war von Ostern 1871 bis zu seinem Tode, 18. Aug.
1885, Professor der klassischen Philologie zu Leipzig.
Durch eine Preisschrift: "Historie mutationum rsi
militari RoiQHNOi-uin inä6 ad inteiitu rei pudlicak
U3HU6 Hä (^ouLtNntiiium Na^num " (Gott. 1847)
wurden feine Studien auf die röm. Altertümer ge-
lenkt. Im Anschluß an seine Promotionsschrift
"kroIkZOmsiia. in H^Fini äs c^Ztrorum munitioni-
1m8 lidßiwm" (Gott. 1847) gab er den Text des
Hyginus mit einem ausführlichen Kommentar her-
aus (ebd. 1848), veröffentlichte Abhandlungen über
die Syntax des Apollonius Dyskolos und die oskische
Inschrift auf der Tafel von Vantia, fowie fein Haupt-
werk, das "Handbuch der röm. Altertümer" (Bd. 1
u. 2 in 3. Aufl., Verl. 1876-79; Bd. 3, Abteil. 1,
2. Aufl. 1876). Von spätern Arbeiten L.s sind zu
nennen: "Der Homerische Gebrauch der Partikel c5"
(2 Abteil., Lpz. 1872-73) und "Die Epheten und
der Areopag vor Solon" (ebd. 1874). Seine Abhand-
lungen erschienen gesammelt u. d. T. "Kleine Schrif-
ten aus dem Gebiete der klassischen Altertums-
wissenschaft" (2Boe., mit Lebensabriß von K. Lange,
Gott. 1887). Mit Ribbeck, G. Curtius und Lipsius
besorgte L. die Herausgabe der "Leipziger Studien"
(3 Bde., Lpz. 1878-80). - Vgl. K. I. Neumann,
Ludwig L. (Berl. 1886).
Lange, Sam. Gotthold, Dichter, geb. 1711 zu
Halle, studierte daselbst Theologie und wurde,
nachdem er sich zuvor längere Zeit in Berlin auf-
gehalten hatte, 1737 Pastor zu Laublingen bei
Halle. 1755 ernannte ihn Friedrich d. Gr. zu-
ftleich zum geistlichen Inspektor im Saalkreise. Er
starb 25. Juni 1781 zu Laublingen. Mit seinem
Freunde Pyra suchte er durch die Stiftung einer
gegen die Gottfchedfche Schule gerichteten Privat-
gesellschaft 1733 die deutsche Sprache, Poesie und
Beredsamkeit zu fördern. L. selbst war ein nur
mittelmäßiges poet. Talent und mit dem viel be-
deutendern Pyra ein Feind des deutschen Reims,
den beide durch Einführung der antiken Silbenmahe
verdrängen wollten. Pyras und L.s Gedichte er-
fchienen zusammen u. d. T. "Thyrsis' und Dämons
freundfchaftliche Lieder" (Zur. 1745; Neudruck mit
Einleitung von A. Sauer in den "Litteraturdenk-
mälern des 18. und 19. Jahrh.", Heilbr. 1885); L.s
Anteil ist schon hier an glatten Geschmacklosigkeiten
und Philistereien reich. Am bekanntesten aber wurde
L. durch seine schwache metrische Übertragung der
"Oden" des Horaz (Halle 1752), die an Lessing, der
sie in seinem "Va6e niscum" dem Spotte preisgab,
einen unbarmherzigen Kritiker sand.
Länge, a st r o nomische, für ein Gestirn derjenige
Bogen der Ekliptik, der zwischen dem Breitenkreise
des Gestirns und dem Frühlingspunkte enthalten
ist, wobei man von dem letztern immer nach Osten
rechnet. Die L. werden von 0" bis 360" gezählt.
Länge, geographische, der Winkel, den der
Meridian eines Ortes mit einem als Ausgangs-
punkt derZählung gewählten Anfangsmeridian
oder ersten Meridian bildet. Die Zählung ge-
schieht entweder vom Anfangsmeridian aus nach
Osten und Westen bis 180°, indem man dann öst-
liche und westliche L. unterscheidet, oder nur nach
Osten hin bis 360°. Da der Längenunterschied
zweier Orte auch gleich dem Unterschiede ihrer Orts-
zeiten ist, d. h. gleich ihrer Zcitdisferenz (s. d.), so
giebt man häusig auch die L. eines Ortes gegen
den gewählten ersten Meridian statt in Graden in
Stunden, Minuten u. s. w. an. Über die Bestim-
mung der L. eines Orts s. Ortsbestimmung.
Die Annahme des Anfangsmeridians ist eine
völlig willkürliche, da die Natur keinen solchen be-
zeichnet hat; fast alle großen Kulturvölker rechnen
daher nach ihrem eigenen Anfangsmeridian, den sie
meist durch die Hauptstadt ihres Landes gelegt
haben. Infolge eines 1630 von Richelieu zufam-
menberufenen Kongresses ist es unter den Geogra-
phen bis in die neuere Zeit gebräuchlich gewesen,
den ersten Meridian durch die canarische Insel
Ferro zu legen, deren Lage man in runder Zahl
zu 20° westlich von Paris annahm (thatsächlich
liegt die Ostspitze der Insel 20" 23'9" westlich von
Paris). Die Seeleute rechnen allgemein ihre L.
von Greenwich ab; es hat sich dieser Gebrauch auch
in der Astronomie ziemlich eingebürgert und wird
wohl für wissenschaftliche Zwecke mit der Zeit all-
gemein werden. Die Erreichung dieses Zwecks ist
bereits mehrfach auf internationalen Kongressen
angebabnt worden. Zwischen den gebräuchlichsten
ersten Meridianen und dem Grcenwicher Meridian
bestehen folgende Beziehungen:
Berlin . . . 13° 23'44"^ 0^53^34/9 östl. von Gr.
Ferro . . . 17 39 51 --1 10 39, 4westl.vonGr.
Paris ... 2 20 9 - 0 9 20, 6 östl. von Gr.
Washington?? 3 2 --5 8 12, i westl.vonGr.
Langeland, dän. Insel zwischen Fünen und
Laaland, 275 ykm groß, mit (1890) 19170 E., ge-
hört zum Amt Svendborg (s. d.), ist 50 km lang,
nur 4 - 8 km breit, von einer bewaldeten, im
Skövlebjcrg bis 46 m ansteigenden Hügelreihe
durchzogen, sehr fruchtbar (Geschiebelehm) und gut
angebaut. Hauptört und einzige Stadt ist Rudkjö-
bing mit 3485 E., einem Hafen, zu welchem etwa
100 Schiffe gehören, und Handel.
Langelands-Belt, s. Velt.
Langelsheim, Flecken im braunschw. Kreis
Gandersheim, an der Innerste und am Fuße des
Westharzes, an der Linie Goslar-Seesen und der
Nebenlinie L.-Clausthal-Zellerfeld (25 km) der
Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 2863 evang. E.,
Post, Telegraph, nahebei die Silberhütte Sophien-
hütte, das Kaliwerk Hercynia und zwei Sauerbrun-
nenfabriken.
Langemarck, Ort in Belgien, f. Langhemarcq.