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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Läßliche Sünde - Last (Getreidemaß)
durch zwei Opern, Sinfonien, Ouvertüren, Schau-
spielmusiken ("König Ödipus", Hebbels "Nibelun-
gen", Goethes "Faust") und namentlich durch seine
zahlreichen Lieder bekannt geworden. Die bessern
unter diesen zeichnen sich durch Knappheit, Eleganz
und Spuren franz. Romantik aus.
Läßliche Sünde, s. Erlaßsünde.
Laßnig-Alpen, s. Ostalpen.
Lasso (span.i3.20, "Schlinge"), in Südamerika der
lange, am äußersten Ende mit einer Kugel versehene
lederne Riemen, vermittelst dessen man Büffel, wilde
Pserde u. s. w. einsängt. Der L. wird so geworsen,
daß er den Gegenstand umschlingt; in den südamerik.
Befreiungskriegen diente er häufig auch als Waffe.
Lasso, Orlando di, s. Lassus, Örlandus.
Lasson, Adolf, Philosoph, geb. 12. März 1832
zu Altstrelitz, studierte in Berlin und ist daselbst
Gymnasiallehrer am Luisenstädtischen Realgymna-
sium, Privatdocent der Philosophie an der Univer-
sität und Vorsitzender der Philosophischen Gesell-
schaft. Er schrieb: "Baco von Verulams wissen-
schaftliche Principien" (Berl. 1860), "Joh. Gottl.
Fichte im Verhältnis zu Kirche und Staat" (ebd.
1863), "Meister Eckhart der Mystiker" (ebd. 1868),
"Das Kulturideal und der Krieg" (ebd. 1868),
"Herzensstille, Lieder und Sprüche" (unter dem
Pseudonym: L. Adolf, ebd. 1868), "Princip und
Zukunft des Völkerrechts" (ebd. 1871), "Umrisse
zur Lehre von der Schule" (ebd. 1871), "Giordano
Bruno. Von der Ursache u. s. w. übersetzt und er-
läutert" (in der "Philosopbischen Bibliothek", ebd.
1872), "Gegenstand und Behandlungsart der Re-
ligionsphilosophie" (Lpz. 1879), "ve cau8i8 knk-
1idn3" (Berl. 1876), "System der Rechtsphilosophie"
(ebd. 1882), "Armenwesen und Armenrecht" (ebd.
1887), "3int ut Luut. Für das alte Gymnasium
wider die Neuerer" (ebd. 1890), "Zeitliches und
Zeitloses. Acht Vorträge" (Lpz. 1890), "Das unend-
lich Kleine im wirtschaftlichen Leben" (Berl. 1891).
Lassus, Örlandus, oder Orlando di Lasso,
Tonsetzer, geb. 1520 zu Mons im Hennegau, hieß
ursprünglich Roland Del attre. Als Chorknabe an
der Kirche St. Nicolas in seiner Vaterstadt machte er
durch seine schöne Stimme Aufsehen, wurde in fei-
nem 12. Jahre von Ferdinand Gonzaga (Vicekönig
von Sicilien und kaiserl. General in den Nieder-
landen) mit nach Italien genommen und zuerst in
Mailand, dann in Sicilien musikalisch ausgebildet.
Mit 18 Jahren kam er nach Neapel und 1541 nach
Rom, wo er Kapellmeister an der Kirche San Gio-
vanni in Laterano wurde. Er verwaltete dieses
Amt bis 1549, machte dann mit Giulio Cesare
Vrancaccio Reisen nach Frankreich und England
und lebte 1554-56 in Antwerpen. Von hier aus
wurde er an den Hof nach München berufen, wo
seine Glanzzeit begann. Er war zuerst Dirigent der
herzogl. Hofmusik, dann seit 1568 erster Kapellmeister
und starb 14. Juni 1594 zu München.
L. erhielt von seinen Zeitgenossen, gleich Pale-
strina, den Beinamen "Fürst der Tonkunst". Beide
waren gleich berühmt und geehrt; Palestrina ist
einfacher und im kirchlichen Sinne erhabener, L.
mannigfaltiger, tiefer, gewaltiger, im Gebrauch der
Form kühner. Kaiser Maximilian II. erhob ihn 1570
in den Reichsadelstand und der Papst ernannte ihn
1571 zum Ritter vom Goldenen Sporn. Nach un-
gefährer Schätzung hat er 1572 kirchliche Stücke und
765 profane (lat., deutsche, franz. Gesänge, ital.
Madrigale u. s. w.) komponiert. Das meiste davon
ist schon bei seinen Lebzeiten nach dem damaligen
Gebrauch in einzelnen Stimmbüchern im Druck er-
schienen und seine bedeutendsten Kirchenstücke sind
bald nach seinem Tode als "Na^num opus muäi-
cum" in einer großen Gesamtausgabe, die bei allen
Chören verbreitet war, 1604 von seinen Söhnen
herausgegeben. Handschriftlich besitzt das meiste
von ihm die königl. Bibliothek in München in Bän-
den von großer Pracht und kalligraphischer Schön-
heit. In neuerer Zeit druckten Commer und Proske
in ihren großen Sammlungen eine Reihe seiner
kirchlichen Kompositionen in Partitur. Infolge-
dessen begegnet man zuweilen in den Programmen
der Chorvereine wieder einem Messesatz des L. oder
einem seiner "Bußpsalmen", die bei den Zeitgenossen
als L.' berühmteste Arbeit galten. Briefe von L.
veröffentlichte E. van der Straeten (1891). Bio-
graphien schrieben Delmotte (Valenciennes 1836;
deutsch von Dehn, Verl. 1837), Kist (Haag 1841),
Bäumker (Freib. i. Br. 1878).
Zwei von L.' Söhnen, Ferdinand und Ru-
dolf, waren ebenfalls Tonkünstler von Ruf und
in der Münchener Kapelle angestellt. Ferdinand
starb 1609 und Rudolf 1625. Auch ein Enkel
von L., Ferdinand, gest. 1636, machte sich als
Kirchenkomponist bekannt.
Last, Name eines größern Getreidemaßes in
verschiedenen Ländern. Die dänische L. (Loest) von
12 t ist -- 16,6946 KI. Diese L. dient auch für Salz
mit Ausnahme des norwegischen, das nach dem
Gewicht verkauft wird. Die russische L. Getreide
und Sämereien hat 16 Tschetwert -- 33,5843 kl,
die L. Hafer 20 Kühl; der Kühl oder Sack wiegt
in Petersburg (mit der Umhüllung) bei gedörrtem
Hafer 220, bei ungedörrtem 237 russ. Pfund, also
90,073 bez. 97,054 ^F. Früher war die L. Getreide-
maß auch in den deutfchen Küstenstaaten (in Preußen
und Hamburg -- 60 preuß. Scheffeln bez. Ham-
burger Faß, in Bremen --- 40, in Lübeck --- 96 Schef-
feln, s. d.), dann bis 1870 in den Niederlanden, wo
sie 30 Mudden oder Hektoliter begriff. In Deutsch-
land werden bei Steinkohlen und Koks die Preise
an verschiedenen Plätzen für die L. gestellt. Diese
L. bedeutet in Berlin bei inländischer Steinkohle 36,
bei engl. Steinkohle und engl. Koks 40 di. Außer-
dem ist L. auch ein reiner Gewichtsbegriff. In
Schweden hat die bis 1889 gesetzlich gewesene Neu-
last (Nyläst) 100 Ctr. oder 10000 Pfd. --- 4250 KZ.
(S. auch Kommerzlast.) Die Schiffslast für Be-
frachtungen (frz. 10UN63.U ä6 mer, ^onneau äs
ti-6t; engl. Ion ok LkipxinF) ist nicht nur nach den
Plätzen, sondern auch nach den Waren sehr ver-
schieden und bedeutet teils eine Gewichtsgröße,
teils einen Rauminhalt, teils eine Stückzahl. Die
frühern Schiffslasten der deutschen Nord- und Ost-
seestaaten sind seit 1872 als Schisfssracktgewicht
durch die Tonne von 1000 kF oder 2000 Pfd., als
Maß des Schiffsraumgehalts (Tonnengehalts) oder
der Tragfähigkeit (Lästigkeit), aus Grund dessen die
Schiffsabgaben zur Erhebung kommen, durch das
Kubikmeter verdrängt. (Vgl. Load.) In Deutsch-
land ist in den Meßbriefen der Seeschiffe neben der
Größe in Kubikmetern stets auch der Inhalt in brit.
Registertons anzugeben. Das Negisterton hat
100 engl. Kubikfuh - 2,"3i5 cdm; das Kubikmeter
0,35 317 Registertons. Dieses Negisterton ist neuer-
dings von einer Reihe von Staaten als Einheit
bei der Bestimmung der Tragfähigkeit angenom-
men worden.