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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Latenz - Laterne
beim Schmelzen (s. d.), wo diese Wärme Schmelz-
wärme heißt, und Verdampfen (Dampfwärme,
s. Dampf, Bd. 4, S. 717 d).
Latönz (lat.), das Verborgenfein.
Latönzstadium, f. Ansteckung.
Lateral (lat.), seitwärts gelegen; Lateraler-
ben, Seitenerben; Lateralverwandte, Seiten-
verwandte; Lateralkanal, s. Schiffahrtskanäle.
Lateran, pä'pstl. Palast in Rom (SO.), welcher
durch das Garantiegefetz vom 13. Mai 1871 wie der
Vatikan und Castelgandolfo für exterritorial erklärt
wurde. Er gehörte der röm. Familie der Laterani,
wurde im Anfang des 3. Jahrh. n. Chr. kaiferl.
Eigentum und von Fausta, der Gemahlin Konstan-
tins d. Gr., dem Bifchof von Rom gefchenkt. Er
wurde fo die Residenz der Päpste bis zur Übersiede-
lung nach Avignon und zugleich mit der anstoßen-
den Kirche San Giovanni in Laterano der Ort
der fünf Konzilien von 1123, 1139, 1179, 1215
und 1512 (s. Lateransynode). Durch den großen
Brand von 1308 in Ruinen gelegt, ward der L.
von Sirtus V. geschleift und unter ihm 1586
durch Domenico Fontana (s. d.) neu gebaut; von
Innocenz XII. wurde er 1693 in ein Waisenhaus
verwandelt und von Gregor XVI. 1843 in ihm das
Hluseum (^i-eZorikiiuin I^at6ran6U36 für heidn. und
christl. Altertümer eingerichtet. Dasselbe enthält
einzelne treffliche antike Statuen, unter andern die
des Sophokles (f. Tafel: Griechische Kunst III,
Fig. 1), ferner ein Mosaik mit etwa 50 lebensgroßen
Gladiatorenfiguren aus den Thermen des Caracalla,
ein anderes, vom Aventin, mit Darstellung eines
ungefegten Eßzimmerbodens und schöne Sarkophage.
Das von Pius IX. hinzugefügte christl. Museum
enthält außer wertvollen Gemälden christl. Alter-
tümer namentlich Sarkophage und Inschriften. (Vgl.
Benndorf und Schöne, Die antiken Bildwerke des
lateranensischen Museums, Lpz. 1867; Ficker, Die
altchristl. Bildwerke im christl. Museum des L.,
ebd. 1890.) - Die anstoßende Kirche San Gio-
vanni in Laterano, "die Mutter und das Haupt
aller Kirchen", eine der sieben Wallfahrts- und der
fünf Patriarchalkirchen Roms, dessen Hauptkirche
sie seit Konstantin war, wurde von Papst Syl-
vester in demselben Palast der Laterani eingerichtet;
sie hieß deshalb Vasilica Constantina oder St. Sal-
vatoris, auch Aula Dei. 896 stürzte sie bei einem
Erdbeben ein, wurde von Sergius III. (904-911)
wieder aufgebaut und Johannes dem Täufer ge-
weiht. 1308 brannte sie ab, wurde von Clemens V.
wiederhergestellt und von Giotto ausgemalt, ging
aber schon 1360 wieder in Flammen auf. Urban IV.
und Gregor XI. stellten sie abermals wieder her,
Martin V., Eugen IV. und Alexander VI. bauten
sie um. Völlig modernisiert wurde sie aber dann
feit Pius V. (1560) insbefondere durch F. Vorro-
mini (1650); die Hauptsacade (f. Tafel: Italie-
nische Kunst II, Fig. 4)' ist von Aless. Galilei
(1734). Im fünffchifsigen Innern (130 ui lang)
sind beachtenswert die Decke, welche wohl von
Giacomo della Porta und nicht von Michel-
angelo ist, das Grabmal Martins V. (gest. 1431)
von Simone di Giovanni Ghini, der dem Papst
und dessen Vertretern vorbehaltene Hochaltar mit
got. Tabernakel von Barna da Siena (1367),
kostbare Mosaiken, eine Holzstatue Johannes des
Täufers von Donatello, Bonifacius VIII. das erste
Jubiläum (1300) verkündend von Giotto, ein Mar-
morrelief (Kreuzabnahme) von Tenerani. Unter
Pius IX. und Leo XIII. wurde die Kirche abermals
modernisiert. Der anstoßende schöne Klosterhof ist
aus dem 13. Jahrh, von Vassallettus. Ostlich vom
jetzigen Lateranpalast liegt die Scala Santa,
28 Marmorstufen aus dem Palast des Pilatus in
Jerusalem, auf denen Christus hinaufgestiegen fein
foll, von der Kaiserin Helena 326 nach Rom gebracht;
sie wird von den Gläubigen nur auf Knien bestiegen.
- Vgl. A. Valentini, I^a. pati-iai'caw dasilicg. I^a-
t6lkN6N86 (2 Bde., Rom 1832); Rohault de Fleury,
1^6 I^atran au mo^su KZ6 (Par. 1877).
Lateranensische Chorherren, s. Augustiner.
Lateransynode, Lateranisches Konzil, ein
im Lateran (s. d.) abgehaltenes ökumenisches Konzil.
Man zählt deren fünf. 1) Unter Papst Calirtus II.
1123, bestätigte das Wormfer Konkordat und erließ
Bestimmungen betreffs der Indulgenzen der Kreuz-
fahrer. 2) Unter Papst Innocenz II. 1139, erklärte
die Verfügungen Anakletus' II. (s. d.) für ungültig,
belegte Konig Noger von Sicilien mit dem Bann
und verdammte die Irrlehren Arnolds (s. d.) von
Brescia. 3) Unter Papst Alexander III. 1179, ver-
ordnete, daß in Zukunft ein Papst nur dann gültig
gewählt fei, wenn er zwei Drittel der Stimmen auf
sich vereinige. 4) Unter Papst Innocenz III. 1215,
die glänzendste von allen, auf der fast alle christl.
Höfe, sogar die Patriarchendes Orients vertreten
waren, beschäftigte sich besonders mit der Verdam-
mung der Albigenser und sanktionierte die Lehre
von der Transsubstantiation, die Entziehung des
Abendmahlkelchs und das Verbot des Bibellesens.
5) Unter Papst Julius II. und Leo X. 1512-17,
vernichtete die Beschlüsse des Konzils von Pisa.
Laterieren, s. Latus.
I"a.tori3ra.Ä2.V (lat.), s. Krabbenspinnen.
Laterlt (vom lat. later, Ziegelstein), eine eigen-
tümlich schmutzigrote, stark eisenschüssige, sandige
Lehmmasse, die in außereuropäischen tropischen
Gegenden (Indien, Ceylon, dem äquatorialen und
südl. Afrika, Brasilien) sich vielfach findet und eines-
teils durch eine an Ort und Stelle erfolgte Zersetzung
von sehr verschiedenartigen Gesteinen, von Gneisen,
Graniten, Schiefern u. s. w. entstanden ist, andern-
teils durch eine Zusammenschwemmung von Schutt-
massen gebildet wurde. Das Gebundcnsein des L.
an die Tropenländer wird aus der strengern Schei-
dung von Regenzeit und Trockenzeit, aus der Gleich-
zeitigkeit der größten Wärme und der stärksten Nie-
derschläge, der raschen und intensiven Verwesung
einer üppigen Flora erklärt.
I.a.tVrna. inkSioa. (lat.), s. Projektionsapparat.
Laterne (lat.), ein aus durchsichtigem oder durch-
scheinendem Material bestehendes Gehäuse, durch
das die in demselben eingeschlossene Flamme einer
Kerze,Öl- oder Gaslampe gegen Wind und Regen ge-
schützt und das Herabfallen von Funken verhindert
ist. Die gewöhnlichen L. werden aus in metallene
Gestelle eingesetzten Glastafeln hergestellt, oder
aus Glaskugeln und Cylindern, die zur Speisung
der Flamme eine genügend weite Öffnung besitzen;
um das Licht zu dämpsen, werden auch dünne Horn-
schciben verwendet. Wo es darauf ankommt, nur
nach einer Seite Licht zu verbreiten, setzt man in die
Vorderwand des Metallgehäuses eine Glaslinse
ein. Eine besondere Art sind die öfters mit Kühl-
apparat verfehenen Vackofenlaternen zur Be-
obachtung des Vackprozesses. L. aus buntem Papier,
zum Teil an Stöcken befestigt (Stocklaternen),
werden bei Illuminationen verwendet. Auch die in