Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

17
Ledrothal - Lee (Robert Edmund)
bewegungen und beschränkte den Gebrauch der poln.
Sprache bei kirchlichen Handlungen. Auf dem Va-
tikanifcken Konzil war L. ein eifriger Vertreter der
päpstl. Infallibilität. Pins IX. ernannte ihn zum
Primas ls. d.) von Polen. Im Nov. 1870 begab er
sich nach Versailles, um von König Wilhelm I. die
Beihilfe Preußens für die Wiederherstellung der
weltlichen Macht des Papstes zu gewinnen. Mit
diefem Verlangen abgewiesen, trat L. an die Spitze
der ultramontanen Opposition und begünstigte die
nationalen Bestrebungen der Polen, ^ein Wider- i
stand gegen die Maßregeln der Regierung in der
Sckulfrage und befonders gegen die Maigesetze
battcn mehrfache bohe Geldstrafen und 3. Febr. 1874
seine Verhaftung, um im Kreisgcrichtsgefängnis zu ,
Ostrowo eine zweijährige Gefängnisstrafe abzu- !
büßen, endlich 15. April 1874 seine Amtsentsctzung ,
seitens des Gerichtshofs für kirchliche Angelegen-
heiten zur Folge. Dagegen erhob der Papst 15. März
1875 L. zum Kardinal. Im Febr. 1876 aus dem ^
Gefängnis entlassen, begab er sich nach Rom, wo ,
er eifrig gegen den Frieden mit Preußen agitierte. !
Erst nachdem er 1885 das einflußreiche Amt des Te- !
kretärs der Breven erhalten hatte, verzichtete er end- ^
lich auf sein Erzbistum. 1892 wurde L. General- ,
präfekt der Kongregation der Propaganda.
Ledrothal, Valle di Ledro, f. Riva. ^
Ledru-Rollin lspr. -drü röläng), Alexandre
Auguste, radikaler franz. Staatsmann, geb. 2. Febr.
1808 zu Paris, studierte die Rechte, wurde 1830
Advokat und 1844 zu Le Mans in die Deputierten-
kammer gewählt, wo er die republikanisch-radikale
Schattierung vertrat, ^die in der "IlLlorms" ihr
Organ hatte. In der Sitzung vom 24. Febr. 1848
verhinderte er mit Lamartine die Einsetzung einer
Regentschaft für den unmündigen Grafen von ^
Paris und veranlaßte die Proklamierung der Re- z
publik. Zum Mitgliede der Provisorischen Regierung !
ernannt, wurde er mit dem Portefeuille des Innern !
betraut und nachher von der Nationalversamm-
lung in den interimistischen Negierungsausschuß der
Fünfmänner gewählt. Er zeigte gegenüber den Te-
magogenbäuptern große Schwäche und verlor sein
Amt infolge des Iuniaufstandes von 1848. Die
mißlungene Iunimeuterei von 1849 zwang ihn, Zu-
flucht in England zu suchen, während er in Frank-
reich zur Deportation verurteilt wurde. Er lebte
seitdem zu London und schrieb hier verschiedene
Flugschriften sowie ein in gehässigem Tone gehal-
tenes Werk "1)6 1a, ä6cÄ(i6nc6 äs 1'^.iiFl6t6i'i'6"
(2 Bde., Par. 1850). Erst 1870, unter dem Mini-
sterium Ollivier, durfte L. nach Frankreich zurück-
kehren. Im Febr. 1871 für Paris zum Deputierten
gewählt, legte er infolge der Annabme des Friedens-
vertrags sein Amt nieder. Die Wähler von Vaucluse
sandten ihn 1874 wiederum in die Nationalver-
sammlung. Er starb 31. Dez. 1874 in Fontcnav-
aux-Roses bei Paris; in Paris wurde ihm 1885
ein Vronzestandbild errichtet. Nach seinem Tode
erschienen seine "Diäcoui-L poliu^uos 6t 6ci-it8
äiv6r8" (2 Bde., Par. 1879). L. war ein Haupt-
agitator für das allgemeine Stimmreckt, dessen Ein-
führung 1848 ihm hauptsächlich zuzuschreiben ist.
Ledfchah, Landschaft, s. Trachon.
Le Ducq, Holland. Tiermaler, s. Ducq.
I.eauiu^., Porst, Pflanzengattung aus der
Familie der Ericaceen (s. d.) mit fünf Arten in der
nördlichen gemäßigten Zone und den arktischen
Gegenden; es sind Sträucher mit immergrünen,
Brockhaus' Kouversations-Loxikon. 14. Aufl.. XI.
lederartigen Blättern und langgesticlten, in end'
ständige Trauben und Doldentrauben gestellten
Blüten, die aus einem fünfzähnigen Kelch, einer
fünfblätterigen Blumenkrone, 5-10 weit vorstehen-
den Staubfäden und einem Stempel mit fadenför-
migem Griffel zufammengefetzt sind. Die einzige
in Europa vorkommende Art, der gemeine Porst,
Humpf- oder Kienporst oder wilde Rosmarin
sl^. Mw8ti-6 ^.), wächst in Mitteleuropa in Moor-
brüchcn, moorigen Wäldern und auf moorigem
Sandboden. Es ist ein 60-160 cm hoher Strauch
mit rosmarinähnlichen, unterfeits aber rostrotfil-
zigen Blättern und weißen Blüten. Seine wider-
lich aromatischen Blätter (Motten- oder Wan-
zenkraut) werden zur Vertreibung der Motten
und Läuse angewendet und dienten als H6rd<^
KoLmarini 8)'1v68tri8 gegen Keuchhusten und Wech-
selfieber. Die Blätter des nordamerikanischen 1^.
latilolium ^4it. liefern den James- oder Labra-
dorthee, der in Canada als Mittel gegen Brust-
krankheitcn getrunken wird.
Lee oder Leeseite, in der Seemannssprache die
Seite, wobin der Wind bläst, im Gegensatze von der
Luvseite; daher die Ausdrücke leewärts und
luvwärts. Da an Bord eines Schiffs die meisten
zu den Segeln und der Takelung gehörigen Taue
doppelt und mebrfach, d. h. eins oder mehrere an
jeder Seite, vorhanden sind, so setzt man itmen in
See zur nähern Unterscheidung das Wort L. oder
Luv vor, z. B. Leegrosisckoot, Luvvormarsbrasse
u. s. w. Bei vor Anker liegendem Schisse, das
meistens mit dem Vorderteil gegen den Wind ge-
kehrt ist, auf dem es daher weder L. noch Luv
giebt, sagt man statt dessen Backbord und Steuer-
bord. Leesegel machen von obiger Regel eine Aus-
nabme, da sie an der Luvseite gesetzt werden. Es
sind dies Hilfssegcl, aus leichtern: Segeltuch gefertigt,
die man bei nicht zu starkem und günstigem Winde
setzt. Oben auf den Rahen befinden sich zu diefem
Zwecke, in eifernen Bügeln ruhend, Bäume, die
Leesegelspieren, die sich nach außen schieben
lassen. An ihren Enden werden die an kleinen Nahen
befestigten Leesegel teils geheißt, teils mit ihrem
untern äußern Ende, der Außcnschoot, ausgeholt.
So z. B. ist das Unterleesegel mit seiner Rahe an
dem Ende der Leesegelspicre auf der Fockrahe geheißt
und seine äußere untere Ecke an der Backspiere,
einem in der Verschanzung befestigten Baume, der
sich aussckwingen läßt, ausgeholt. Das darüber
befindliche Oberleesegel wird an der Spitze der
Marsrahe gebeißt und an der Unterleesegelspiere
ausgeholt, während das dritte, das Bramlec-
segel, an der Bramrahe geheißt und an der Brarn-
leesegelspierc (auf der Marsrahe) ausgeholt wird.
Lee (spr. lih), Fluß in der irischen Grafschaft Cork,
entfpringt unweit der Wcstgrenze, mündet, 80 km
lang, unterbalb Cork. Vor seiner Mündung er-
weitert er sich zu einer herrlichen Bai, genannt Cove
von Cork; auf einer Insel liegt Queenstown.
Lee (spr. lih), Graf von, s. Montholon.
Lee (spr. lih), Erfinder eines nach ihm genannten
Mehrladers (s. Handfeuerwaffen, Bd. 8, S. 766 a).
Lee (spr. lih), Anna, religiöse Schwärmerin,
s. Shakers.
Lee (spr. lih), Robert Edmund, General der Kon-
föderierten Staaten, geb. 19. Jan. 1807 in Stafford
(Virginien), erhielt seine militär. Erziehung in West-
point. 1838 zum Kapitän befördert, war er mebrere
Jahre Mitglied des Ingenieurkorps in Nestpoint