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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Leipzig (Stadt)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Leipzig (Stadt)'

Anmerkung: Fortsetzung von [Plätze und Denkmäler.]

Plätze Deutschlands, mit dem Mendebrunnen, 1886 aus einem Legat (170 000 M.) der Frau Mende errichtet nach dem Entwurf von Gnauth, die Figuren von Ungerer (s. Tafel: Brunnen II, Fig. 3); der Königsplatz, der Johannisplatz mit dem Reformationsdenkmal (Luther und Melanchthon), modelliert von Joh. Schilling, enthüllt 10. Nov. 1883, der der Stadt vom Bankier Wilhelm Seyfferth (seine Marmorbüste von Melchior zur Straßen wurde 17. Sept. 1896 im Park errichtet) geschenkte Johannapark und nahebei der Grassipark, aus den Mitteln der Grassistiftung 1893/94 angelegt. Ferner sind zu erwähnen die Denkmäler des Kurfürsten, spätern Königs Friedrich August des Gerechten von Sachsen (von Öser 1780), Thaers (von Rietschel 1850), Hahnemanns (1851), Gellerts (von Knaur 1865), Zöllners (1868), Gustav Harkorts (1878), Leibniz' (von Hähnel 1883), Franz Dominic Grassis (von Werner Stein 1886) auf dem alten Johannisfriedhofe, Felix Mendelssohn-Bartholdys (von Werner Stein 1892) und der Leipziger Schulmänner Dolz und Plato (1894). Die Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals aus freiwilligen Beiträgen ist geplant.

Kirchen. Die Thomaskirche ist 1222 als Klosterkirche vollendet und 1496 neu gebaut, mit Turm (1537), Kanzel (1575) und Altar (1720); 1885-89 nach Entwürfen von Lipsius für etwa 700 000 M. umgestaltet; im Chor die Bildnisse der Leipziger Superintendenten von 1573 bis 1888. Die Nikolaikirche, 1017 als Kapelle erwähnt, ist 1170 erweitert, 1525 umgebaut, mit Turm (1555) von Hieronymus Lotter, und 1785-96 erneuert; die Universitäts- oder Paulinerkirche, 1240 als Kirche des Dominikanerklosters erbaut, ist 1544 erneuert und 12. Aug. 1545 von Luther geweiht, verlor 1546 bei einer Neubefestigung der Stadt den Chor; sie enthält Tezels Grabstein, einen sehr alten Altar und ein Grabmal (1846) des 1073 in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann von Meißen von Rietschel. Die Matthäi-, früher Neukirche, 1494 um- und 1699 neu gebaut, steht auf der Stelle eines auf den Grundmauern der von Markgraf Dietrich gegründeten Zwingburg angelegten Barfüßerklosters und wurde 1879 umgebaut. Die Johanniskirche, ursprünglich zu dem 1278 gegründeten Johannishospital gehörig, Anfang des 14. Jahrh. erbaut, 1582 neu geweiht, ist 1894-96 mit Erhaltung des Turmes neu gebaut; auf dem Kirchhof Grabstätten von Mahlmann, Hiller, Roderich Benedir u. a., östlich Gellerts Grabmal mit Gitter. Beim Abbruch der Johanniskirche sind Sebastian Bachs Gebeine aufgefunden und ebenso wie diejenigen Gellerts in der neuen Kirche beigesetzt worden. Die neue Peterskirche, eine got. Hallenkirche, nach Plänen von Hartel und Lipsius (900 000 M.), ist 17. Dez. 1885 geweiht; die Lutherkirche 1883-86 nach Plänen von Julius Zeißig in Backstein erbaut; die Andreaskirche, 1893 geweiht. In den Vororten bestehen noch 13 evang. Kirchen. Die kath. Kirche gegenüber der Pleißenburg ist 1847 nach Plänen von Heideloff erbaut, eine zweite in der Ostvorstadt 1893 vollendet, der Bau einer dritten ist geplant. An Stelle des reform. Bethauses (seit 1706 endgültig der Gemeinde überlassen) wird an der Promenade eine neue Kirche errichtet. Die anglo-amerik. Kirche ist 1885 geweiht. Außerdem bestehen eine Kirche der apostolischen, Kapelle der hellenisch-griech., Betsäle der amerik., deutsch-kath. und der Baptistengemeinde sowie eine Synagoge, 1855 von Simonsohn erbaut. ↔

Weltliche Bauten. Das Rathaus am Markt ist auf dem Grunde eines 1240 errichteten Rathauses 1556 vom Bürgermeister Hieronymus Lotter erbaut; am Turme (1474) eine die Mondphasen anzeigende Kugel; im Innern der große Sitzungssaal mit den Bildern der sächs. Fürsten von 1485 (Albrecht der Beherzte) an und in der Ratsstube ein Verzeichnis der Ratsherren von 1220 bis 1771. Ein Umbau oder Abbruch wird geplant. Die Alte Börse (1678) auf dem Naschmarkt dient jetzt als Sitzungssaal der Stadtverordneten. Das Königshaus am Markt ist im 17. Jahrh. von Ulrich Welsch erbaut und für Kurfürst August als Meßwohnung eingerichtet; hier wohnten bis 1829 die sächs. Fürsten, ferner Peter d. Gr. (1698), Karl XII. von Schweden (1707), Jérôme, König von Westfalen, und 1813 Napoleon; hier hatte 1760 Friedrich d. Gr. das bekannte Gespräch mit Gellert. Daneben Auerbachs Hof, dessen Räume außer Auerbachs Keller (s. d.) dem Meßgeschäft (Musterlager) dienen. Am östl. Ende der Grimmaischen Straße liegen Gebäude der Universität, nämlich das 86 m lange Augusteum am Augustusplatz, 1831-36 nach Schinkels Entwürfen von Geutebrück errichtet, mit Aula und Reliefs (die vier Jahreszeiten) von Rietschel am Giebel, das Fridericianum, 1843 von Geutebrück erbaut, das Mauricianum, 1849 auf dem Pauliner-Gottesacker erbaut, daneben das Fürstenhaus mit Turm, 1574 von Dr. Rohde erbaut und der Universität geschenkt; das Paulinum auf der Stelle des 1545 säkularisierten Dominikanerklosters, ehemals eine Zwingburg (1224 zerstört), die drei letztern sind teils zu Geschäftszwecken vermietet, teils enthalten sie Wohnungen, Verwaltungsräume und Sammlungen; das Bornerianum, nach dem Rektor Börner (gest. 1547) genannt; an der Stelle des ehemaligen Kreuzganges des Paulinerklosters, dessen enkaustische Wandgemälde (13. und 14. Jahrh.) später übertüncht, 1836 wieder aufgefunden, 1869-71 restauriert und 1893 abgesägt wurden, ist das großartige Albertinum errichtet und gleichzeitig die ganze Gebäudegruppe der Universität vollkommen umgestaltet und das Augusteum mit einer Sandsteinfaçade versehen worden. Ferner liegen in der innern Stadt das sog. Rote Kolleg, Geburtshaus von Leibniz, 1892 durch einen Neubau ersetzt, mit den Räumen der philos. Fakultät, daneben die alte Buchhändlerbörse (1843), in deren Hof Gellert wohnte und starb, jetzt Eigentum der Universität und Sitz des Konvikts; gegenüber das Predigerhaus der Nikolaikirche, 1887 für 250000 M. erbaut; zwischen Universitätsstraße und Neumarkt die Stadtbibliothek, der letzte Rest des alten Gewandhauses (s. d.), mit zahlreichen Läden für Meßzwecke im Erd- und Zwischengeschoß (1894 eingerichtet) und daran anstoßend auf der Stelle des ehemaligen Konzertsaales das große neue Kaufhaus für Meßzwecke, 1896 vollendet; am Ende der Petersstraße das Reichsbankgebäude in deutschem Renaissancestil (1885) und gegenüber das Schloß Pleißenburg, ehemalige Citadelle der Stadt, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549-51 wieder aufgebaut, woselbst 1519 die Disputation zwischen Luther und Eck stattfand und 1632 Pappenheim starb. Nachdem 1770 das Schloß als Festung aufgehoben war, diente sein Turm 1790-1862 als Sternwarte; bis 1. April 1897 dienen die Räume als Kaserne, Garnisonbäckerei u. s. w.; dann soll ein neues Stadtviertel mit dem neuen Ratbaus an dieser Stelle entstehen. Am

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 59.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 59.