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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Lessines - Lessing (Gotthold Ephraim)
journal et documents pour servier à lhistoire du canal de l’isthme de Suez" (5 Bde., Par. 1875-81), "Origines du canal de Suez" (ebd. 1890), "Souvenirs de quarante ans, dédiés à mes enfants" (2 Bde., ebd. 1887: deutsch Berl. 1888).
Lessines (spr. -sihn), Stadt im Arrondissement Soignies der belg. Provinz Hennegau, an der Dender, an den Linien Denderleeuw-Ath, L.-Rousse (21 km) und L.-Bassilly (10 km) der Staatsbahnen, hat (1890) 8225 E.; Streichholzfabriken und bedeutende Porphyrbrüche.
Lessing, Gotthold Ephraim, der kritische Reformator der deutschen Nationallitteratur, bahnbrechend als Dichter, Ästhetiker und Philolog, geb. 22. Jan. 1729 zu Kamenz in der sächs. Oberlausitz, wo sein Vater erster Prediger war, empfing den ersten Unterricht vom Vater, dann in der Kamenzer Stadtschule, kam 1741 auf die Fürstenschule zu Meißen und verblieb hier fünf Jahre, schon damals große Selbständigkeit in eifrigen, frei gewählten Studien verratend. Die alten Sprachen und Mathematik waren seine Hauptbeschäftigung, neben welcher jedoch auch die deutsche Dichtkunst schon berücksichtigt wurde. Er bezog im Herbst 1746 die Universität zu Leipzig. Statt jedoch nach dem Willen seiner Eltern Theologie, dann Medizin zu studieren, wurde er vorzüglich von Ernestis und Christs philos. und Kästners mathem. Vorlesungen angezogen, trieb auch daneben die verschiedensten Wissenschaften, selbst Chemie. Der junge Dichter suchte gesellschaftliche Bildung, lernte reiten, tanzen und fechten und verband sich mit Schauspielern, namentlich mit der berühmten Schauspieldirektorin Neuber, die seinen "Jungen Gelehrten" auf die Bühne brachte. Eine dauernde Freundschaft schloß er mit C. F. Weiße. Aus dieser Zeit stammt neben mehrern dramat. Versuchen leichten Genres ("Dämon", "Die alte Jungfer", "Der Misogyn") ein großer Teil seiner kleinen anakreontischen Gedichte, unter denen das Trinklied "Gestern, Brüder, könnt ihr's glauben" noch heute gesungen wird. Besonders gelangen ihm stets scharf pointierte Epigramme, in denen er sich oft an neulat. Vorbilder anschloß. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wittenberg folgte L. Ende 1748 seinem Freunde Christlob Mylius nach Berlin. Hier ließen sie beide (1749) eine Vierteljahrsschrift: "Beiträge zur Historie und Aufnahme des Theaters", erscheinen. L. gab mehrere Lustspiele heraus, die sich, wie "Der Freigeist" und "Die Juden", bereits ernstere Probleme stellen, und Gedichte u. d. T. "Kleinigkeiten", schrieb für die Berliner "Vossische Zeitung" äußerst frische und treffende Recensionen (hg. von B. A. Wagner, "Berliner Neudrucke", Bd. 5 u. 6) und war als Übersetzer thätig, was ihn mit Voltaire in Beziehung brachte. (Vgl. L.s Übersetzungen aus dem Französischen Friedrichs d. Gr. und Voltaires, hg. von E. Schmidt, Berl. 1892.) Ende 1751 ging er nach Wittenberg, kehrte aber, nach erlangter Magisterwürde, Ende 1752 nach Berlin zurück, um hier mit Fr. Nicolen und Moses Mendelssohn in engere Verbindung zu treten und seine "Schriften" zu veröffentlichen (seit 1753). Sie brachten in den vortrefflichen kritischen "Briefen" bereits eine erste Bethätigung von L.s kritischem Genie; in ihnen teilte er den Anfang eines zeitgenössischen Alexandrinerdramas "Samuel Henzi" mit und eröffnete den kritischen Waffengang gegen Sam. Gotth. Lange (s. d.). Während eines Aufenthalts in Potsdam 1755 vollendete er "Miß Sara Sampson", womit er nicht nur das bürgerliche Trauerspiel der Engländer in Deutschland einführte, sondern dem deutschen, bisher ganz von franz. Mustern abhängigen Drama überhaupt eine neue Bahn anwies.
Im Herbst 1755 wandte sich L. nach Leipzig. Der Plan, mit dem dortigen Kaufmann Chr. Gottfr. Winkler eine Reife nach England zu unternehmen, wurde derKriegsunruhen wegen nur bis Amsterdam ausgeführt. L. verblieb nun ein Jahr in Leipzig in engster Freundschaft mit dem dort einquartierten Ewald von Kleist und thätig an Nicolais und Mendelssohns "Bibliothek der schönen Wissenschaften". In diese Zeit fallen einander drängende und verdrängende dramat. Pläne. Auf einen Versuch im "engl. Stil" mit dem "Faust", in dem er das volkstümliche Puppenspiel in die Sphäre des Kunstdramas zu heben suchte und Faust über die Holle siegen lieh, folgte die Arbeit an einer bürgerlichen "Virginia", die sich schließlich in eine moderne "Emilia Galotti" verwandelte. Im Mai 1758 begab sich L. wieder nach Berlin, wo er mit seinen Freunden die kritische Zeitschrift "Briefe, die neueste Litteratur betreffend" (1759) gründete. Durch sie tritt er an die Spitze des gesamten deutschen Journalismus; seine glänzende Dialektik dient der ernstesten, lautersten kritischen Arbeit; er wird der Begründer der schöpferischen Kritik, bewundernd vom Meister lernend, schonungslos gegen den Stümper. Außerdem dichtete er seine allzu epigrammatischen "Fabeln", die er auch in theoretischen Abhandlungen zu rechtfertigen suchte. Nachdem er 1760 von der königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin zum Mitglied gewählt worden war, ging er als Sekretär des Generals Tauenzin nach Breslau. Teils die Absicht, die bis dahin stets geflohene Gebundenheit eines bestimmten Berufs zu suchen, teils der Wunsch, neue und bedeutende Lebensverhältnisse kennen zu lernen, scheinen ihn zu diesem schritte bewogen zu haben, der unzweifelhaft sehr günstig auf ihn wirkte. Der erfrischende Geist des Siebenjährigen Krieges offenbart sich viel schöner in dem herrlichen echt deutschen Lustspiel "Minna von Barnhelm" (1763; gedruckt 1767) als in dem knappen lakonisch heroischen Prosadramolet "Philotas" (1759). Zugleich trugen seine philol.-ästhetischen Studien eine reife Frucht in dem hochwichtigen Werke "Laokoon, oder über die Grenzen der Malerei und Poesie" (beste Ausg. von Blümner, 2. Aufl., Berl. 1880). Dies Meisterwerk, auch in stilistischer Beziehung klassisch, hat bis auf den heutigen Tag den nachhaltigsten Einfluß auf die Entwicklung sowohl der redenden als der bildenden Künste, ja auf Geist und Richtung der gesamten Altertumswissenschaft geübt, was um so bewunderungswürdiger ist, als L. die Autopsie antiker Bildwerke fehlte. Damit dingen nahe zusammen mehrere kleine Abhandlungen, worunter die "Wie die Alten den Tod gebildet" (Berl. 1769) obenan steht; auch seine grimmige Fehde mit dem berühmten, aber unzuverlässigen Professor Klotz, die sich in den "Antiquarischen Briefen" abspielte, zeigte L. als sichern Kenner altklassischer Kunst und Archäologie. Nach zwei in Berlin unbefriedigt verlebten Jahren folgte L. einer Einladung nach Hamburg als Kritiker des dort neu eröffneten Deutschen Nationaltheaters (s. d.). Aber die Unfähigkeit der Unternehmer und die Uneinigkeit der Schauspieler veranlaßten, daß das Theater schon 1768 wieder geschlossen werden mußte. L.s Kritiken daselbst, seine "Hamburgische Dramaturgie"