Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

144
Liberius - Libitina
dem Stillen Ocean und derHauptkette der Cordilleren
bis in die Halbinsel Nicoya hinzieht, östlich von der
Bai von Culebra, hat (1892) 2226 E.
Liberius, Papst (352-306), wurde wegen seiner
Weigerung, die Verurteilung des Atbanasius zu
unterschreiben, von Kaiser Constantius abgesetzt und
nach Thrakien verbannt. An seine Stelle ernannte
Constantius Felix II. (s. d.) zum Bischof von Rom,
der, obwohl katbolifch gesinnt, doch mit den Arianern
in Kirchengemeinfchaft trat. Um seine Würde wieder-
zuerlangen, unterzeichnete L. 358 einen, nach anderm
Bericht zwei semiarianifche Glaubensformeln, kehrte
darauf mit kaiserl. Erlaubnis nach Rom zurück und
vertrieb Felir. Trotzdem gilt er als Heiliger der röm.-
und griech.-katb. Kirche; jene hat ihm den 27. Aug.,
diese den 23. Eept. geweiht. Eine deutsche Über-
setzung der Briefe des L. gab Wenzlowsky (in der
"Bibliothek der Kirchenväter. Briefe der Päpste",
Bd. 2, Kempt. 1876).
I"idsr pontitioälis oder ^63ta pontikeuni
NoiQHnoi'um, eine fälschlick dem Anastasills Niblio-
thecarius zugeschriebene Sammlung von Biogra-
phien der röm. Päpste von Petrus bis auf Conon
(687), die später stückweise fortgefetzt wurde. Sie geht
offenbar auf ein noch älteres Werk zurück und liegt
felbst in verschiedenen Recensionen vor. Die Streit-
frage ist noch unentschieden, welcher Tert der älteste
und in welchem Jahrhundert er entstanden ist. Die
jüngern Handschriften, die die Papstgeschichte bis
Stephan II. (752), Hadrian I. (795), Stephan VI.
(891), zuletzt bis Martin V. (1431) fortführen, sind
sehr zahlreich, aber von sehr verschiedenem Werte.
Auch in den ältern Bestandteilen des Buches der
Päpste finden sich neben sebr alten und glaubwürdigen
Nachrichten tendenziöse Entstellungen des wirklichen
Thatbestandes, ja förmliche Fälschungen. Der erste
vollständige Druck ist von Vusäus (Mainz 1602);
die besten Ausgaben sind von F. Vlanchini mit Fort-
setzung von dessen Neffen Giuseppe (4 Bde., Rom
1718-35), Vignoli (3 Bde., ebd. 1724-55) und
Duchesne (2 Bde., Par. 1884-93; in der "IMIio-
5N6HN6 ll68 660168 irHN9H1868 <I'^t1i6N68 6t ä6
1^0M6", Serie 1). - Vgl. Lipsius, Chronologie der
röm. Bischöfe (Kiel 1869); Duchesne, ^wäo^ui-16
1^. p. (Par. 1877; in der "Lid1i0t1i6HU6 ä68 6eol68
t'i'an^ai868 (I'^t1i^n68 6t (16 I^0ili6'>, Serie 2).
I"idsr^VxtU8, f 80xw8
Libertäd, La, Departamento derRepublikPeru,
28153 ^m groß, mit (1876) 147 541 E., besteht
aus einem öden Küstenstrich und einem Teile des
obern Maranonthals. Haupterwerbszweige sind
Ackerbau und Viehzucht in den fruchtbaren höhern
Teilen. Hauptstadt ist Trujillo (s. d.).
Libertad, auch La Liiert ad, Departamento
der centralamerik. Republik Salvador, hat 720 hkin
mit (1890) 49 956 E. Hauptort ist Nueva San
Salvador oder Santa Tecla mit 13715 E.;
sein Hafen L. oder Puerto de la L., einer der
wichtigsten Küstcnplätze des Landes, bat 2000 E.
Libertas (lat.), göttliche Personifikation der
Freiheit. Ihr zu Ehren wurde nach dem Sieg bei
Benevent (214 v. Chr.), der namentlich mit der
Hilfe bewaffneter und nachher mit der Freiheit be-
schenkter Sklaven erfochten war, ein Tempel auf
dem Aventin in Rom gestiftet. Auf den röm.
Münzen ist ihr Bild namentlich an dein neben der
Göttin oder in ihrer Hand befindlichen Spitzhut
(pil6u8) kenntlich, den auch die freigelassenen Skla-
ven als Symbol ihrer Freiheit trugen.
Libertät(lat.), Freiheit; insbesondere die altstän-
dische Freiheit^
I.idsrte, ^Fa.1its, I'ra.tbriKits (srz), Frei
heit, Gleichheit, Brüderlichkeit)), Losungsworte der
Republikaner zur Zeit der großen Französischen
Revolution.
Libertin (frz., spr. -täng), ausschweifender,
liederlicher Mensch, Wüstling; früher auch soviel
wie Freigeist; Libertinage (spr.-tinahsch'), Aus-
schweifung, Liederlichkeit.
Libertiner (lat. I.id6i'tini), in der Apostel-
geschichte 6, 9 die Mitglieder einer Synagogen-
gcmeinfchaft zu Jerusalem, die zu den Gegnern des
Diakonen Stephanus gehörten. - Im Zeitalter
der Reformation hießen L. oder Spiritualen die
Anhänger einer panthnstisch-antinomistischen Rich-
tung. Sie lehrten einen spiritualistischen Pantheis-
mus: es giebt nur den einen in allen Dingen
wirksamen Geist Gottes. Daraus zogen sie anti-
nomistische Folgerungen: der Untersckied von gut
und böse ist bloßer Wahn, daher ist dem Wieder-
geborenen alles zu thun erlaubt. 1529 verkündete
Coppin derartige Lehren in seiner Vaterstadt Lilie;
bald nachher wirkten Quintin aus Hennegau und
sein Landsmann Antoine Pocquet in demselben
Geiste in Frankreich. Calvin trat ihnen in mehrern
Schriften kräftig entgegen, und etwa um 1550 ver-
schwinden die L. - In Genf nannte man L. die
Gegner der von Calvin eingeführten strengen Ord-
nung, die durch die sog. Örä0nnHnc68 6061681^8-
tiqu68 das ganze private und öffentliche Leben der
Gemeindemitglieder einer scharfen Zucht unterstellte.
Vorübergehend gewannen die L. die Oberhand, wur-
den aber 1555 gestürzt.
I"ibVruin arbitriuni (lat.), freier Wille.
I.idvruln Voto (lat.), die gesetzliche Befugnis
eines Mitgliedes des poln. Reichstags, durch seine
Entfernung von demfelben oder feinen Einfpruch
jeden Beschluß desselben ungültig zu machen. Dieses
Recht beruhte auf dem Princip der Einstimmigkeit
bei parlamentarischen Beschlüssen. Anfangs winde
von diesem Recht selten Gebrauch gemacht, und erst,
als bei der Verkommenheit des Adels (seit 1652)
jeder Landbote die Macht hatte, nach rein persön-
lichem Belieben zu stimmen, wurde es bei fast allen
Reichstagen angewendet, so daß fchließlich die Kon-
föderation zu Golembie (1672) jeden Landboten als
Verräter brandmarkte, der davon Gebrauch machte.
Beseitigt wurde diese Befugnis erst 3. Mai 1791
und dafür das Majoritätsprincip festgesetzt.
Libethentt, ein rhombisches, kurz-säulenför-
miges Mineral von lauchgrüner bis schwarzlich-
grüner Farbe, mit Fettglanz, der Härte 4 und dem
spec. Gewicht 3,6 bis 3,8; die Analysen fübren auf die
Formel c'u.(rO4).2 ! ^ntOU).; der L. ist ifomorpb
mit dem entfprechenden Kupferarfeniat (Olivenit)
und Zinkarfeniat (Adamin). Man kennt ibn von
^ibethen lLibetbanya) in Ungarn, Ullersreuth in
Reuß, Nifhnetagilsk im Ural und aus der Um-
gegend von Loanda in Afrika.
^ibidibi, Frucht, s. Dividivi.
Libitma, eine später mit Venus gleichgestellte
altital. Göttin der Lust und des Segens der Natur,
insbesondere in Gärten und Weingärten, anderer-
seits aber auch des Todes und der Leichen. Daher
erfolgte in ihrem Heiligtum in Rom unter Erlegung
einer besondern Abgabe dic Anmeldung aller Todes-
fälle, und ebendaher wurden die zur Bestattung
nötigen Gerätschaften entliehen.