Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

147
Lichnowsky - Licht
anglikan. Kirche, bischöfl. Palast, ein altes St. Johns-
hospital und eine hochgelegene got. Kathedrale aus
dem 13. Jahrh., welche, ehemals stark befestigt, wäh-
rend "des Bürgerkrieges viel gelitten hat. Der Mit-
telturm ist 80 m boch, der Chor wurde 1325^umge-
baut. Unter den Monnmenten sind die Samuel
Johnsons und Garricks bemerkenswert. Eine Bild-
sä'nle Johnsons steht anch auf dem Marktplatz.
Lichnowsky, sürstl. Familie, zum schlcs. Uradel
gehörig. Johann von Woschütz erhielt durch Heirat
das Rittergut Lichten oder Lichnov bei Iägerndorf
und nahm 1501 den Namen L. an. Seine Nach-
kommen erhielten 1702 die Würde von Freiherren
von L. und (5'deln Zerren von Wofchütz und wnrden
1727 in den Ncichsgrafenstand erhoben. 1773 er-
hielten die L. die preuß., 1824 die österr. Fürsten-
Würde nach dem Rechte der Erstgeburt, sowie 1846
dieNamen-und Wappenvereinignng mit denen einer
Stammmntter und Erbtochter aus dem gra'fl. Hause
Werdcnberg. Konig Wilhelm I. von Preußen ver-
lieb 186!. dem jedesmaligen Haupte des Hauses das
Prädikat Durchlaucht. - Fürst Eduard Maria
L., geb. 19. Sept. 1789, Verfasser der unvollendet
gebliebenen "Geschichte des Hauses Habsburg"
iVd. 1-8, Wien 1836-44), folgte seinem Vater,
dem Fürsten Karl L., 15. April 1814 und starb
1. Jan. 1845 in München.
Sein erstgeborener Sohn, Fürst Felix L., der dem
Vater succedierte, geb. 5. April 1814, kam früb in
preuß. Militärdienst, nabm aber 1838 seine Ent-
lassung und trat in die Dienste des span. Präten-
denten Don Carlos, der ihn zum Vrigadegeneral
und Generaladjutanten ernannte. Nach der Rück-
kehr aus Spanien schrieb er "Erinnerungen ans den
I. 1837-39" (2 Bde., Frankf. 1841-42), die ihn
1841 mit dem Bruder des Generals Montenegro in
ein Duell verwickelten, in welckem er schwer ver-
wundet wurde. 1842 machte er eine Reise nacb
Portngal, über die er in dem Werke "Portugal, Er-
innernngen aus dein I. 1842" (Mainz 1843) be-
richtete. Er nahm in der Hcrrenknrie lebhaften An-
teil an dem ersten preuft. Landtag von 1847 und
wurde 1848 von Ratibor in die Deutsche National-
ve^anunlung zu Frankfurt gesendet, wo er zu den
bedeutendsten Rednern der Rechten geborte. Als
solcker bekannt, fiel er wäbrend des Frankfnrter
Aufstandcs 18. Sept. 1848 auf der Bornheimer
Heide nebst dem General Anerswald als Opfer eines
fanatisicrten Pöbelhaufens. Vgl. Köftlin, Auers-
Wald und L. (Tüb. 1853). - Ihm folgte sein jün-
gerer Bruder, Fürst Karl L., preuft. General der
Kavallerie ^ 1a guits der Armee, geb. 19. Dc;. 1819,
als Chef des Hauses. Er ist erbliches Mitglied des
preuft. Herrenhauses und gehörte dem Norddeutschen
und dem Dentschcn Reichstage bis 1874 als Mit-
glied der Deutschen Reichspartei an.
Licht, der Inbegriff aller derjenigen Erschei-
nungen, die nns durch Vermittelung des Auges
zuin Bewußtsein kommen. Ein kaltes Stück Eisen
ist auch dem gesunden Auge im dnnkeln Zimmer
unsichtbar. Dasselbe wird sichtbar, wenn es glüht
oder in den Sonnenschein gebracht wird, wenn eine
gewisse Physik. Bcdinanng hinzutritt, die wir das
Leucbtcn oder das L. nennen. Körper, die obne
Vermittelung anderer leuchten, wie die Sonne, eine
Flamme, heißen selbstlenchtend. Körper, die
nur bei Gegenwart selbstlenchtender Körper sichtbar
werden, heißen dunkle, nichtleuchtende Körper.
Undurchsichtig oder durchsichtig nennt man Körper,
je nachdem dieselben, zwischen das Auge und andere
Gegenstände gebracht, die Wahrnehmung dieser letz-
tern hindern oder nicht. (S. Durchsichtigkeit.) Ein
leuchtender Körper wirkt nicht nur auf das Auge,
sondern bringt anck in seiner Umgebung Veränderun-
gen hervor, deren Gesetze die Optik (s. d.), die Lehre
vom L., behandelt. Im dnnkcln Zimmer, das mit
einer kleinen Fenstcrladenöffnung versehen ist, sieht
mau die Staubteilchen in der Luft nur in der Ge-
raden (dem Lichtstrahl) erleuchtet, die durch die Sonne
und jene Öffnung gelegt ist. Ein undnrchsichtiger,
nichtleuchtender Körper, in die Gerade zwischen
die Sonne und die Staubteilchen gebracht, bringt
diese Staubteilchen zum Erlöschen. Das L. geht
also von dem leuchtenden Körper aus. Da nnn die
Fortpflanzungsgeschwindigkeit des L. (s. Lichtge-
schwindigkeit) eine sehr große ist, wird die Vor-
stellnng nahe gelegt, daß das L. aus sehr feinen
mit sehr großer Geschwindigkeit nach Art von Ge-
schossen ausgeschleuderten Stoffteilcn besteht. Diese
Emissions-, Emanations- oder Ausstrah-
lungstbcorie wurde von Newton (1678) ver-
treten und von Laplace, Biot und Vrewster weiter
ausgebildet. Ein leuchtender Körper verliert aber
durch das Leuckten nicht an Masse, sondern an Ener-
aie; man kann sogar das Mechanische Aquiva-
leut des Lichts (s. d.) annähernd angeben, weshalb
die Stofstheorie des L. nicht haltbar ist.
Sobald das geradlinig fortschreitende L. die
Grenze zweier durchsichtiger Körper (Mittel) trifft,
wird dasselbe im allgemeinen von seiner gerad-
linigen Bahn abgelenkt. Teilweise schreitet es in
dem ersten Mittel sort (s. Reflexion), teilweise in
dem zweiten (s. Vrechnng). Newton erkannte, daft
das Sonnenlicht aus einer ungeheuern Anzahl ver-
schiedener Lichtarten von verschiedener Farbe (s. Far-
benlebre) besteht, die bei der Brechuug eine verschie-
dene Ablenkung erfahren, und erklärte so die Far-
benzerstreuung oder Dispersion (s. d.). Aus Ver-
sncken von Grimaldi (1665), Hooke (1672), Newton
(1678), Uonng (1800) und Fresnel (1815) ergiebt sich
die periodische Beschaffenheit des L., die sich darin
äußert, daft Lichter derselben Lichtquelle, die auf ver-
schieden langen Wegen zusammentreffen, bei stetig
wachsendem Wegunterschied, sich abwechselnd verstär-
ken und schwächen. (S. Beugnng und Interferenz.)
Diese Veobacktungen verschafften endlich der Wel-
le n -, V i b r a t i o n s - oder U n d u l a t i o u s t h e o r i e
des L., die schon Huyghens (1690) und Euler (1746)
auf Grund der allgemeinen Ähnlichkeit im Verhalten
des L. und des Schalls aufgestellt hatten, im zwei-
ten Decenninm des 19. Jahrh, das vollständige
! Übergewicht. Die Wellen oder Schwingungen, die
dem L. zu Grunde liegen und deren Träger der
Licktätber (s. Mber, Bd/2, E. 30a) ist, unterscheiden
sich jedocb von jenen des Schalls. Ein Lichtstrahl,
der unter einem Einsallswinkel is. Brechung) von
55^ von einem Glasspiegel reflektiert wird und nun
auf einen zweiten, dem ersten parallelen Glasspiegel
fällt, wird anch von diesem reflektiert. Dreht man
aber den zweiten Spiegel um 90", obue dessen Nei-
aung gegell den Strahl zu ändern, nm diesen als
Achse, so wird der Strahl nicht mehr reflektiert. Der
Strabl bat durcb Reflexion am ersten Spiegel die
Eigenschaft der Polarisation (s. d.) erlangt, die nur
durck Qucv- oder Transversalschwingungen, die
senkrecht ge^en die Fortpflanzungsrichtung des L.
sind, verständlich ist. Schon Maxwell hat (1860) auf
Grund allgemeiner Betrachtungen die Lichtschwin-
10 *