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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Linse (des Auges) - Linsenkombinationen
Bandsäge über zwei Scheiben läuft, wobei das Glas durch Federn oder Gewichte gegen den Rand des Bandes gedrückt wird. Die direkt gesenkten oder aus gesenkten Platten geformten Stücke erhalten nun ihre genaue, durch vorhergehende Berechnung festgesetzte Krümmung durch Schleifen in metallenen Formen (Schalen), deren Krümmung auf der Drehbank nach einer genauen kreisförmigen Lehre hergestellt wird. Eine solche Schale wird, mit grobem feuchtem Schmirgelpulver bestrichen, auf die vertikale Achse der optischen Drehbank befestigt und das Glas daraufgedrückt, wodurch es nach und nach die beabsichtigte Krümmung annimmt. Das grobe Schmirgelpulver wird nun nach und nach durch immer feineres ersetzt, bis man zuletzt eine sehr glatte, aber wenig spiegelnde und noch undurchsichtige matte Oberfläche erhält. Die völlige Spiegelung und Durchsichtigkeit wird erst durch das Polieren erreicht. Vor dieser Operation muß die Krümmung durch ein Sphärometer (s. d.) geprüft werden, da beim Schleifen auch die metallene Schale ihre Form ändern kann. Beim nun folgenden Polieren wird die erwähnte Schleifschale mit geschmolzenem Wachs oder Pech gefüllt und die geschliffene Linsenfläche darin abgedrückt, worauf man die Pechschicht mit angefeuchtetem Pulver von Polierrot oder Zinnasche bestreicht. Wird nun die Schale in Notation versetzt und das Glas schwach daraufgedrückt, so graben sich die Körnchen des Polierpulvers in die Pechschicht ein und bilden mit derselben eine einzige Fläche, während beim Schleifen die Schmirgelkörner zwischen Schale und Glas herumrollten und mit ihren Ecken und kanten zahllose, wenn auch noch so feine Muschelbrüche erzeugten, welche die Undurchsichtigkeit der geschliffenen Fläche erklären. Nach dem Polieren wird die Krümmung der L. nochmals kontrolliert, und zwar mit dem Paßglas, einer genauen gläsernen Gegenform der zu prüfenden Linsenfläche. Wird diese in das Paßglas eingelegt, so entstehen an den Stellen, wo beide Flächen voneinander abweichen, Newtonsche Farbenringe. Diese Methode ist sehr genau, da der innerste rote Ring eines Ringsystems schon einen Abstand der beiden Flächen von 0,00015 mm anzeigt. Nach dem Polieren der Flächen muß der noch unregelmäßige Rand abgeschliffen werden, jedoch so, daß die optische Achse der L. auf der Ebene des Randes senkrecht steht und diese auch in der Mitte trifft. Die zur Erreichung dieser Eigenschaft nötige Operation heißt das Centrieren, ein ebenfalls optisches Verfahren. Man befestigt die L. mit einem Tropfen Pech auf die Achse der Drehbank, zündet an einer geeigneten Stelle des Zimmers eine Flamme an und korrigiert die Stellung der in Rotation versetzten L. so lange, bis die von den beiden Linsenflächen reflektierten Spiegelbilder der Flamme nicht mehr kreisende Bewegungen beschreiben, sondern stillstehen. Dann wird der Rand in dieser Stellung der L. aus der Drehbank abgeschliffen.
Linse, Krystalllinse des Auges, s. Auge (Bd.2, S. 105 b).
Linsenerve, s. Linse (Pflanze).
Linsenerz, Mineral, s. Lirokonit.
Linsenkombinationen, Vereinigungen mehrerer Linsen behufs Erzielung deutlicher Bilder. Eine einzelne Linse kann aus zweierlei Gründen kein genügend scharfes Bild geben, erstens wegen der Farbenzerstreuung und zweitens wegen der Kugelgestalt der Linsenoberflächen. Wegen der Farbenzerstreuung oder Dispersion (s. d.) werden die verschiedenen Farben, aus denen das weiße Licht zusammengesetzt ist, durch die Linsenflächen verschieden gebrochen, und es vereinigen sich daher Strahlen, die von einem Punkt des Gegenstandes kommen, auf der andern Seite der Linse nicht wieder in einem einzigen Punkt, sondern jede Farbengattung in einem andern Punkt, und zwar liegt z. B. bei einer bikonvexen Linse, wie beistehende Fig. 1 zeigt, der Vereinigungspunkt V der violetten Strahlen v v der Linse am nächsten, der Vereinigungspunkt R der roten Strahlen r r der Linse am fernsten, dazwischen liegen die Vereinigungspunkte der andern Farben. Wird nun eine Bildebene durch den Strahlenkegel gelegt, so erhält das Bild des Gegenstandes statt scharfer Konturen mehrfarbige verwaschene Ränder, wodurch die Deutlichkeit des Bildes sehr beeinträchtigt wird. Diese sog. chromatische Abweichung wird durch Kombination zweier Linsen aus verschiedenen Glassorten aufgehoben, wodurch man sog. achromatische Linsen erhält (s. Achromatisch). Der zweite Grund für die Undeutlichkeit des Bildes einer einzelnen Linse liegt in der Kugelgestalt der Linsenoberflächen. Diese Kugelgestalt bedingt es, daß selbst einfarbige von einem Gegenstandspunkte ausgehende Lichtstrahlen von verschiedenen Linsenzonen in verschiedenen Punkten vereinigt werden. Z. B. werden nach Fig. 2 bei einer bikonvexen Linse Randstrahlen r r in einem Punkte R vereinigt, der näher an der Linse liegt, als der Vereinigungspunkt C der Centralstrahlen c c. Die hieraus entspringende sog. sphärische Abweichung läßt sich bei einer einfachen Linse im allgemeinen nicht vollständig beseitigen, sondern nur durch geeignete Wahl der Radien auf ein Minimum bringen. Dagegen ist dies möglich bei L., speciell bei achromatischen, die dann sphärisch und chromatisch zugleich korrigiert sind. Die erwähnten Bildfehler beziehen sich auf Punkte in der Achse; selbst nach Beseitigung derselben kann das Bild von Punkten außer der Achse noch unvollkommen sein, so daß z. B. das Bild eines Sternes ein schweifartiges, kometenähnliches Aussehen erhält. Man bezeichnet daher diesen Fehler auch als Coma. Objektive, welche frei von sphärischer Abweichung und Coma sind, heißen nach Abbe aplanatisch. Auch nach Beseitigung dieser drei Fundamentalfehler in der Strahlenvereinigung können noch feinere Mängel vorhanden sein (unten). Ihre Hauptanwendungen finden die L. bei Fernrohren, Mikroskopen, Lupen, photogr. Apparaten. Das Fernrohr gab Veranlassung zur Erfindung der achromatischen Linsen (s. Fernrohr, Bd. 6, S. 684 a). Diese achromatischen Fernrohrlinsen aus Crown- oder Flintglas zeigen aber noch nicht vollkommene Achromasie, was daher kommt, daß die Dispersionsspektren der beiden Glassorten in ihren Teilen nicht proportional sind; diese Disproportionalität macht sich in schwachen farbigen Rändern bemerkbar, welche Erscheinung als sekundäre Far-^[folgende Seite]